Full text: Hessenland (25.1911)

der scheitrechten Wölbungen auf Kragsteinen ab, 
die im Chor als gestürzte Pyramiden mit be 
scheidener Gliederung, im zweischisfigen, für die 
Gemeinde bestimmten jüngeren Westteil als ein 
fache Skulpturen, zumeist in Form handwerks 
mäßig gearbeiteter Köpfe, ausgebildet sind. Die 
Schlußsteine der Gewölbe zeigen im Hauptschiff 
(von West nach Ost gezählt) den springenden 
Löwen mit Krone und geteiltem Schweif, den 
zugehörigen Helm mit besteckten Hörnern als 
Kleinod, den Crucifixus mit Maria und Johannes, 
einen knieenden Mönch mit Stab, einen Mönchs- 
arm mit Kreuzstab und Fähnchen, einen Christus 
kopf mit kreuzförmigem Nimbus und eine stehende 
Muttergottes mit Kind, im Nebenschiff einen Adler 
mit Nimbus und Spruchband, den springenden 
Löwen, den zugehörigen Helm und die Verkündi 
gung der Maria. Einen offenen Schlußring, in 
dessen Nähe noch jetzt die Winde auf dem Dach 
boden/steht, besitzt das westlichste Gewölbe des 
Hauptschiffes. Ein kleiner, vielleicht durch die 
Länge der Bauzeit begründeter Unterschied in der 
Ausbildung der Gewölbe besteht darin, daß die 
Nippenanfänger im Seitenschiff sich nach spät 
gotischer Art verschneiden, während sie im Haupt 
schiff noch nach alter Regel in einem Punkte 
zusammenlaufen. Allen Schildbögen ist die Eigen 
tümlichkeit gemeinsam, daß sie sich in der Wand 
fläche verlaufen, ehe sie den Fuß der Rippen 
erreicht haben. Eine ornamentierte Konsole mit 
Zierköpfchen, anscheinend für eine Heiligenfigur 
bestimmt, befindet sich in geringer Höhe vom Fuß- 
boden am Westende der Südwand. 
Auf der ursprünglich ganz freien Nordfront 
und am Chor finden sich als Widerlager für die 
Gewölbe organisch entwickelte, hoch hinaufgreifende 
Strebepfeiler, die am schmaleren Ostteile um ein 
Geringes weniger ausladen, als am breiteren, 
auch durch eine größere Mauerstärke gesicherten 
Westteile. Die unbedeutende Abweichung in der 
Höhe der beiden westlichsten Streben hat man 
wohl ebenso wie das gedrückte Verhältnis des 
ihnen entsprechenden Gewölbegurtbogens auf eine 
kleine Bauunterbrechung oder unwesentliche Kon 
struktionsänderung zurückzuführen. Auf der Süd 
front ist die Anlage regelrechter Strebepfeiler mit 
Rücksicht auf die hier befindlichen Klausurgebäude 
und insbesondere auf den unmittelbar an die 
Kirchenmauer sich anlehnenden Nordflügel des 
Kreuzganges unterblieben. Dem Gewölbeschub 
trägt vielmehr die Verstärkung der Wand Rech 
nung, die sich in der Fensterzone in breite, aber 
wenig tiefe Pfeilerstreifen mit Abtreppungs- und 
Abdeckungsschrägen auflöst. Auch insofern ist die 
Lage der Konventsgebäude für die Ausbildung 
der Südwand der Kirche nicht ohne Einfluß ge 
wesen, als die Fenster nicht so tief hinuntergezogen 
werden konnten, als aus der Nordseite, wo sie, 
bis auf das Kaffgesims geführt, besonders am 
Chor ein recht schlankes Verhältnis erreichen. 
Die Fenster selbst besitzen im Ostteile einfache 
Psostenteilung mit Dreipaßfüllung im Spitzbogen 
felde, und im Westteile, den größeren Jochbreiten 
entsprechend, doppelte Pfostenteilung mit etwas 
reicherem Maßwerke, bei dem als Schlußfigur der 
Vierpaß vorherrscht. Mehr, als in den herz 
förmigen Maßwerkbildungen des Hauptchorfensters 
macht sich der Einfluß der beginnenden Spätgotik 
in den Fischblasen des östlichen Seitenschifffensters 
bemerkbar. Die Unterdrückung der Lichtöffnung 
im zweitwestlichen Joch der Südfront wird man 
ebenso mit dem Anschluß der Konventsgebäude 
in Verbindung zu bringen haben wie die Ver 
kümmerung des östlichsten Fensters derselben Wand, 
von dem nur das Maßwerk freigeblieben ist. Mit 
dem Einbau des Lettners scheint die geringere 
Breite des Südfensters im Grenzjoche zwischen 
Ost-- und Westteil zusammenzuhängen. In ihrer 
Eigenschaft als Hauptfront wurde die Nordseite 
in den Fenstergewänden dadurch belebt, daß die 
sonst angebrachte Schräge durch die Kehle ersetzt 
ist. Schlitzfenster zeigt an Außen- und Innen 
wand der Treppenturm, der vom Chor aus durch 
eine schlichte rechteckige Tür zugänglich ist. 
Das Hauptportal, ein 2,40 m breiter spitz- 
bogiger Eingang mit dem Profile des dreifachen, 
durch Kehlen geteilten Birnstabes befindet sich auf 
der Nordseite im zweitöstlichsten Joch des Neben 
schiffes. Mit dem Ostflügel der Klostergebäude 
war das Gotteshaus durch eine bescheidene Spitz 
bogentür im Chor verbunden, deren Profil aus 
Kehle und Birnstab mit ausladender unter 
schnittener Schräge besteht. Eine noch einfachere, 
schmale Spitzbogenöffnung mit gekehlten Gewänden 
führte in den Kreuzgang. Bei einer Breite von 
1,10 m darf eine an der Innenseite der nörd 
lichen Chorwand befindliche flachbogige bis zum 
Fußboden reichende Nische nicht so sehr als Ge 
häuse des Levitenstuhles, wie als Leibung eines 
ins Freie führenden, jetzt vermauerten Ausganges 
angesprochen werden. 
Ein Sockelgesimse, das aus Kehle mit ansetzen 
den Schrägen besteht, läßt sich an den beiden 
westlichsten Strebepfeilern feststellen, während den 
Chor, dessen Fuß in dem abfallenden Gelände 
um mehr als 2 m frei wird, eine einfache Schräge 
umzieht. Das aus Kehle und Platte bestehende 
Hauptgesimse ist nur an einzelnen Stellen erhalten. 
Das ursprünglich auf der Außenseite verputzte 
Mauerwerk besteht aus rötlich-grauen Bruchsteinen.
	        

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