Full text: Hessenland (25.1911)

Graf Giso von -Steinau. 
Der Frühling frohlockte durchs Buchenland, 
Den lieben Frieden an seiner Hand. 
Da lud sich Abt Bertho die Ritter ein, 
6t. Jakobs Kapelle wollte er weih'n. 
Und alle kamen, nur einer nicht, 
Der Ebersberg. Aufs Hochgericht 
Schleppt' ihn der Abt. Am Markt zu Fuld', 
Da fiel fein Haupt in Sund' und Schuld. — 
Der Morgenfonne goldne Hand 
Glitt über das seidene Meßgewand. 
Rings Rittersleut' in eiserner Reih. 
Der Abt stand stolz, sein Wort klang frei. 
Wie sang er froh: „Gelobt sei Gott I" 
Die Ritter hatten ihren Spott. 
Und als das Sanktus klang im Chor, 
Graf Giso sprang vom Sitz empor. 
Der Ministrant flog übern Haus, 
Und zwanzig Schwerter blitzten auf. 
Und zwanzig Schwerter trafen gut, 
Denn edel Blut ist Ritterblut. 
'Vom Hochaltare rann es rot. 
Den Segen sprach am End' der Tod. 
Indes die Rott' sich warf zu Roß, 
Zu bergen sich auf Gifos Schloß. 
Roch in der Nacht sprach der Konvent. 
Ein Abt sich wieder Bertho nennt. 
Noch in der Nacht stieg der zu Roß. 
In Asche sank Gras Gisos Schloß. 
Der Graf in der Genossen Schwall 
Rast wie der Schreck durchs Haseltal 
Und rastet nicht vor sinkendem Tag, 
Bis ihn ein Kirchlein lockt im Hag. 
Und wie der Blitz schießt's durch sein Blut: 
Der Turm, die Mauern schützen gut. 
Hinauf, hinein. Verrammelt das Tor. 
Schon schnauben die Rosse im kühlen Chor. 
Gras Giso springt aus den Tisch des Herrn 
Und späht ins Lichte: „Noch sind sie fern!" — 
Durchs Fenster zittert das Abendrot. 
Sie lauschen und lauern aus den Tod. 
Dumpf naht es heran wie Wettergebraus, 
Wie Donner rollt es ums Gotteshaus. 
Die Rosse stampfen, es poltert, es kracht. 
Dann bricht es herein mit Macht, mit Macht. 
Und an des Friedens heiligstem Grt, 
Da wütet das Schwert, da schreit der Mord. 
Graf Giso wie ein Priester steht. 
Sein Schwert stöhnt manch ein Stoßgebet. 
Sein Schwert kennt keine Gnad' und Frist. 
Er streitet wie der Antichrist. 
Da plötzlich — o — welch kühner Fant 
Schlug ihm den Flammberg aus der Hand? 
Noch eh er's richtig überdacht, 
War er auch schon zu Fall' gebracht. 
Gras Giso lag, lang wie er war. 
Als Gpfer auf dem Hochaltar. 
Abt Berthos Hiebe trafen gut, 
Denn heilig Blut ist Abtes Blut. 
Sie ritten heim die Nacht gen Fuld', 
Erflehten früh St. Jakobs Huld. 
Heinrich Bertelmann. 
Briefe des -Leutnants Henkelmann. 
Aus dem Englischen übersetzt von A. Woringer. 
(Fortsetzung.) 
New Aork, 6. November 1777 
Ich war an der unglücklichen Affaire von Trenton 
nicht beteiligt. Und was ich überall und von allen 
Seiten höre, ist nicht zu Gunsten des Brigade 
generals. 30 ) Ich hatte deshalb genügenden Grund, 
über diese Weihnachtsbescherung zu schweigen. Aber 
über unsere Operatioilen in diesem Jahre könnte 
ich feine Sachen erzählen, wenn nur das Spiel 
nicht doch immer für uns schlecht ausgelaufen 
wäre. 3 ^ General Burgoyne der die englischen 
Truppen in Canada, die Braunschweiger und das 
30 ) Roll. 
SI ) Weil Lord Howe die errungenen Siege nicht aus 
zunutzen verstand. 
Regiment Hanau, insgesamt etwa 10000 Mann 
führte, nahm am 6. Juli den Rebellen das Fort 
Ticonderoga ab, ebenso Fort Jndependence, mit zu 
sammen 1768 Säcken Mehl, 649 Fässern Schweine 
fleisch, 5 Fässern Rindfleisch, 60 Fässern Erbsen, 
31 Fässern Salz und einer großen Menge Geschütze 
und Munition. Trotzdem wird jetzt berichtet, daß er 
von den Rebellen in einen festen Platz getrieben 
ist. Aber das sind Gerüchte ohne Bestätigung. 32 ) 
General Howe, der mit seinem Bruder, dem 
33 ) Diesmal war das Gerücht leider richtig. Burgoyne 
mußte am 15. Oktober 1777 bei Saratoga mit 5791 Mann, 
darunter den Braunschweigern und Hessen - Hanauern, 
kapitulieren. Das ganze Korps wurde kriegsgefangen.
	        

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