Full text: Hessenland (25.1911)

lichen, tief angelegten, aber noch nicht voll erwachten Natur 
zu ergründen, ist sich ihrerseits klar bewußt, das sich 
zwischen ihr und der Welt des Gatten eine angelehnte, 
für sie nie aufgehende Tür befindet. In dieses Haus tritt 
ein werdender junger Mensch, der sich in der Leidenschaft 
einer unmöglichen Liebe zur Hausherrin verzehrt. In 
einer rätselhaften Stunde, in der ihre Güte mißbraucht 
und ihr kindliches Zutrauen mißachtet wird, lädt die Frau 
die Schuld der Untreue auf sich. Wie sie dann die un 
geheure Last dieser Schuld sühnt, das hat Wilhelm Specks 
tiefgründige phychologische Kunst mit einer Feinheit ge 
schildert die diese Novelle gradezu zu einem Kabinettstück 
deutscher Erzählungskunst macht. In epischer Ruhe läßt er, 
der Meister des Stils und der Komposition — durch diese 
ist auch der Titel bedingt —, die Geschehnisse sich abwickeln 
und weiß so dem Leser eine stille und erlesene Feiertags 
stunde zu schaffen.—Auch Specks übrige Schriften „Menschen, 
die den Weg verloren" „Der Joggeli" und „Zwei Seelen", 
die ihn vor Jahren mit einem Schlage in Deutschland 
berühmt machten, gingen kürzlich in den Warneckschen 
Verlag über. Von den „Zwei Seelen" konnte jetzt bereits 
das 16. bis 20. Tausend erscheinen. Dieses ungewöhnliche 
Buch, das uns mit dem erschütternden Lebensweg eines 
früh in unrechte Hände geratenen Menschen bekannt macht, 
wurde alsbald von der gesamten Kritik als ein seltenes 
Kunstwerk gefeiert, als das Bekenntnis der Weltanschauung 
eines Mannes, der sich von Berufs wegen mit dem Ver 
brechertum beschäftigen mußte, der aber, mit Augen der 
Personalien. 
Verliehenr den Oberlandesgerichtsräten Schwarz und 
Wurzer zu Kassel, dem Landgerichtsdirektor Schroeder 
zu Kassel und dem Ersten Staatsanwalt Lehmann zu 
Hanau der Charakter als Geheimer Justizrat; dem Staats- 
anwaltschastsrat a. D., jetzigen Rechtsanwalt, H e u ß n e r 
zu Kassel die Berechtigung zur Führung des Titels „Justiz 
rat" statt des bisherigen Amtstitels; dem Regierungsrat 
Dr.Frhrn. von Salis-Soglio zuKassel der Charakter 
als Geheimer Regierungsrat; dem Dechant De ufert zu 
Oberndorf der Kronenorden 3. Kl.; den Amtsgerichtsräten 
D r i e s e n zu Witzenhansen und Quentin zu Karlshafen 
der Rote Adlerorden 4. Kl.; den Eisenbahn-Obersekretären 
Lamsbach und Rose »stock zu Kassel, dem General- 
kommissions-Sekretär W u e st zu Kassel der Charakter als 
Rechnungsrat; dem Kanzleisekretär Wend zu Marburg 
der Titel Kanzleiinspektor; dem Lehrer Riebeling zu 
Mengsberg der Kantortitel. 
Ernannt: Pfarrer Schmidt zu Oberrieden zum 
Pfarrer in Kirchbauna; Metropolitan Schenkheld zu 
Neukirchen zum 1. Pfarrer in Homberg; Pfarrer M o u t o u x 
zu Mansbach zum Pfarrer in Zella; Pfarrer exte. W ö rn e r 
zum Predigerseminar-Jnspektor und zum Hilfspfarrer am 
Gesundbrunnen bei Hofgeismar; die Handelsrichter Kom 
merzienrat Plaut und Rentner Schmidt-Falkenberg, 
die stellvertr. Handelsrichter Bankier Koch und Brauerei 
direktor Wentzell zu Kaffel weiter für die Zeit vom 
1. Januar 1912 bis 1 .Jan. 1915; die Referendare D e l l e v i e, 
Frhr. Röder von Diersburg, Leithäuser, Möller 
und S ch ä f e r zu Gerichtsassessoren; Regierungsbaumeister 
En sin ge r und Regierungsbauführer Sch le nsted t zu 
Kaffel zu Baugewerkschul - Oberlehrern; Abteilungsarzt 
Dr. rueck. G i e s e am Landeshospital Haina zum Oberarzt; 
Forstassessor Büff zu Spangenberg zum Oberförster o. R. 
Erteilt: die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension 
dem Amtsgerichtsrat, Geh. Justizrat A m e l u n g zu Rauschen- 
berg. 
Liebe begabt, in Dunkelheiten sehen lernte. Es ist ein 
echtes Weihnachtsbuch, das vor allem keinem der hessischen 
Landsleute Specks unbekannt bleiben sollte. 
Von hessischer Belletristik, deren Besprechung wir uns 
noch vorbehalten, sei für diesmal noch auf zwei Neu 
erscheinungen aus der Feder Helene Christallers. „Das 
Gotteskind" (Preis M. 2,40, geb. M. 3,— ) und „Heilige 
Liebe. Eine Geschichte aus Assisis alten Tagen" (Preis 
M. 4,— , geb. M. 5.—), beide im Verlag von Reinhard- 
Basel, hingewiesen, sowie auf Karl Bonhoffs ganz 
eigenartige Erzählung „Der Teufel und das Michelein 
Christi, Lust, Leid und Sieg einer Kinderfeele" (Heinsius 
Nachf., Leipzig, Preis M 2,80, geb. M. 3,60), das uns 
den Kampf einer unbefangenen Kindesnatur mit allerhand 
feindlichen Lebensmächten zeigt und manch heimatlichen Zug 
aufweist. Heidelbach. 
Meyer-Kassel H. Hessischer Kalender 1912. 
Selbstverlag. Preis M. 2,50. 
Den im vorigen Heft aufgeführten Kalendern wäre noch 
Meyers jetzt im 9. Jahrgang vorliegender Hessischer Wand 
kalender anzureihen, der wieder einmal zeigt, daß der 
Künstler immer wieder neue Motive aus unserer malerischen 
Heimat auf den Stein zu bannen weiß. Der Kalender, 
dessen Titelblatt das Brustbild eines frischen hübschen Land 
mädchens in Marburger Tracht zeigt, bringt auch diesmal 
wiedet" ein Kalendarium; er wird zweifellos, wie seine 
Vorgänger, bald vergriffen sein. Heidelbach. 
übertragen: dem Landrate von Loewenstein zu 
Loewenstein das bisher kommissarisch von ihm ver 
waltete Landratsamt im Kreise Marburg endgültig. 
Beauftragt: Pfarrer exte. Veerhoff als Gehilfe 
des Pfarrers Degenhardt in Zimmersrode; Pfarrer exte. 
Ritter mit der Versetzung der Hilfspfarrstelle in Mel 
sungen. 
Versetzt: die Amtsgerichtssekretäre Appel von Stein- 
bach-Hallenberg nach Hilders, Conrad von Langenselbold 
nach Hanau. Vetter von Hilders nach Langenselbold. 
Äusgeschiedeu: der pharmazeutische Bevollmächtigte 
für die amtliche Besichtigung von Apotheken, Medizinalrat 
Loosf zu Kassel. 
Geboren: ein Sohn: Direktor Dr. ineä. Schür mann 
und Frau Caecilie, geb. Kehr (Kloster Haina, 3. Dezember); 
Juwelier Herntann Schmidt und Frau Johanna, geb. 
Mergard (Kassel. 5. Dezember); Oberlehrer Gottfried 
Schüler und Frau Elisabeth, geb. Kochendörffer (Mar 
burg, 7. Dezember); Erster Staatsanwalt Mackeldey 
und Frau, geb. Souchah (Celle, 14. Dezember); Fabrikant 
Georg W. Sethe und Frau Amelie, geb. Salzmann 
(Kassel, 2. Dezember); Kreissekretär Wessel und Frau 
(Hersfeld, 3. Dezember); Redakteur Hans Hofeldt und 
Frau Ella, geb. Westerheide (Göttingen, 8. Dezember); 
Großkaufmann Fritz Trost und Frau Elisabeth, geb. 
Schürmann (Kassel, 17. Dezember). 
Gestorben: Ingenieur Rudolf Plaut, 29 Jahre alt 
(Eschwege, 1. Dezember); Pfarrer a.D. Karl Lohrmann, 
66 Jahre alt (Kassel, 2. Dezember); Kgl. Amtsgerichtsrat 
Albert Schnurre, 58 Jahre alt (Kassel-Wilhelmshöhe, 
3. Dezember); Frau Wilhelmine Koch geb. Müller, Gattin 
des Rechnungsrats (Kassel-W., 4. Dezember); Sanitätsrat 
Dr. weck. Jeppe (Hofgeismar, 4. Dezember); Fräulein 
Henriette Bochmann (Kassel. 5.Dezember); Frau Auguste 
Jungermann, geb. Plümer, Witwe des Kgl. Ober 
försters Eduard Jungermann (Kassel-W.. 7. Dezember); 
früh. Gutsbesitzer Gustav G e r l a n d, 70 Jahre alt (Kaffel- 
Wilhelmshöhe, 8. Dezember); Fräulein Antonie v. G o d -
	        

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