Full text: Hessenland (25.1911)

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Aus Heimat und $tembe. 
Hessischer Geschichtsverein. Der Mar- 
burger Verein besichtigte am 29. Oktober auf 
Einladung des neubegründeten Altertums- und Kunst 
vereins die Marburger Altertümersammlung. Nach 
Begrüßung durch Oberbürgermeister T r o j e sprach 
Major a. D. Geßner über die Entstehung und 
Entwickelung der reichhaltigen Sammlung, die durch 
den früheren Verein für Marburger Altertümer zu 
sammengebracht wurde. — Den Herrenabend des 
Kasseler Vereins am 6. November eröffnete Ge 
neral Eisentraut mit Worten der Erinnerung 
an den schweren Verlust, den der Verein durch den 
Tod des Bankdirektors Henkel erlitten habe. So 
wie er, würden alle empfinden, was wir an diesem 
einfachen, anspruchslosen und biederen Mann ver 
loren hätten, der ihm besonders seit dem französischen 
Feldzug ein treuer Freund gewesen sei. Henkel sei 
ein Verehrer seiner engeren Heimat, aber auch ein 
Freund des weiteren deutschen Vaterlandes gewesen, 
an dessen Kämpfen für seine Vereinigung er hervor 
ragend Teil genommen habe. Der Geschichtsverein 
verliere in ihm ganz besonders ein hervorragendes 
Mitglied des Verwaltungsausschuffes. Trotz Über 
lastung mit Arbeit habe er die Geschäfte des Kassen 
führers übernommen und seinem Amt mit großer 
Willenskraft und Aufopferung vorgestanden und in 
die Finanzen des Vereins die beste Ordnung ge 
bracht. Diesem gütigen, hilfsbereiten Mann werde 
der Verein ein treues Andenken bewahren. Die 
Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen 
von den Plätzen. Rechnungsdirektor Wo ring er 
setzte daraus seinen Vortrag über Ausländer, die 
als Offiziere im hessischen Heere standen, fort, wozu 
der Vorsitzende einige Ergänzungen gab und dann 
über die Garnisonen der hessischen Regimenter in 
der Zeit von Beendigung des siebenjährigen Krieges 
bis zum Tode Landgraf Friedrichs II. sprach. Die 
Kriege vor dem siebenjährigen Krieg hatten ein 
Durcheinanderwürseln der Regimenter hervorgebracht, 
die in den wenigsten Fällen in ihre alten Garni 
sonen zurückkehrten. Dagegen ist ihr Standort nach 
diesem Kriege leichter festzustellen, da jetzt die Staats 
handbücher begannen. Redner verbreitete sich ein 
gehend über die damals bestehenden Regimenter, ihre 
Namensänderungen und ihren Standort, sowie über 
ihre Teilnahme am amerikanischen Feldzug. Der 
Schriftführer verlas dann eine Reihe höchst origi 
neller Berichte des Bürgermeisters Freytag in Wel 
sede (Grafschaft Schanmburg) an die Kurhessische 
Regierungskommission in Rinteln. Wie der Vor 
sitzende mitteilte, hat sich Kunsthistoriker Wenzel, 
der die Baudenkmäler des Stadtkreises Kassel mit 
inventarisiert, erboten, den Verein durch die Reste 
der Festungswerke aus früherer Zeit zu führen, ehe 
sie der gänzlichen Zerstörung anheimfallen; es han 
delt sich um die Kasematten des Finkenherdes, des 
Rondels und der alten Neustädter Mühle. Schließ 
lich bat Redakteur Heidelbach, ihm etwa noch 
vorhandene Schriftstücke, Briese usw. von und über 
Armand Strubberg zur Verfügung zu stellen, da 
ein ihm befreundetes Mitglied der Pennsilvania- 
Universität in Philadelphia, vr. Barba, eine um 
fangreiche Biographie Strubbergs schreibe. (Hierzu 
sei nachträglich bemerkt, daß bereits in dankens 
werter Weise wertvolle Zuschriften eingingen.) 
Marburger Hochschulnachrichten. Dem 
Landeskonservator für Kurhessen, Prof. Vr. v. Drach 
in Kassel, wurde anläßlich seines 50jährigen Doktor 
jubiläums das Diplom erneuert. — Antrittsvorle 
sungen hielten vr. W. Grüter über „Die Ent 
stehung und Behandlung der Kurzsichtigkeit" und 
vr. L. Kirchheim über „Das Eintreten und der 
Verlauf der akuten Scharlachmyokarditis". — Privat 
dozent Dr. P. Jacobsthal in Göttingen wurde 
vom Kultusministerium beauftragt, im Wintersemester 
archäologische Vorlesungen an unserer Hochschule zu 
hallen. — An der Frauenklinik wurde eine Oberarzt- 
stelle errichtet und dem Privatdozenten vr. P. E s ch 
übertragen. — Oberbibliothekar vr. A. Reuter 
konnte am 2. November aus eine 25jährige Tätig 
keit im preußischen Bibliotheksdienst zurückblicken. — 
Dem Universitätskassenrendanten und Quästor Jonas 
wurde der Charakter als Rechnungsrat verliehen. 
Personalchronik. Aus dem Büdinger Schloß 
bei Gelnhausen findet am 21. November die Ver 
mählung des Grafen Ernst zur Lippe-Weißen- 
seld mit der Prinzessin Anna zu Hsenburg 
und Büdingen statt, der jüngsten der neun 
Schwestern des Fürsten Wolfgang zu Asenburg und 
Büdingen. Eine ihrer älteren Schwestern ist die 
Gemahlin des vr. Kornelius Frhrn. von Hehl zu 
Herrnsheim, eines Sohnes des bekannten Groß 
industriellen und Parlamentariers. — Die Witwe 
des Geheimen Kommerzienrats Oskar Henschel, 
Sophie, geb. Cäsar, beging am 11. November unter 
großen Ehrungen ihren 70. Geburtstag, aus welchem 
Anlaß sie wieder zahlreiche Stiftungen bekannt geben 
ließ. — Am 10. November beging Generalsuper 
intendent v. Ludwig Werner zu Kassel sein 
50jähriges Pfarrjubiläum, aus welchem Anlaß ihm 
der Charakter als Wirklicher Geheimer Oberkonsi- 
storialrat mit dem Range der Räte erster Klasse 
verliehen wurde. — Der frühere freisinnige Ab
	        

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