Volltext: Hessenland (25.1911)

25 
MWMWWWWMWW 
Januar. «Aus Hksienkunjl.Kalciidkr iv»U. 
Zeichnung von W. PreetoriuS. Verlag A. Ebel, Marburg,) 
flocken. 
Wenn sich im Tal der Wintertag verliert, 
Die weiche Dämmrung scheu die Nacht gebiert, 
Dann lehn' ich gern die arbeitsheiße, 
Die müde Stirn an wohlig kühle Scheiben, 
Und es beginnt ein wildes Wettertreiben. 
In meiner Seele zieht Gewölk heran, 
Das schwere Leid durchlaufner Lebensbahn. 
Hoffnungen, Wünsche, Gedanken und Ziele 
Haschen und fliehn sich in wechselndem Spiele 
Wie draußen die irrenden Flocken im Wind, 
Die, kaum geboren, verloren sind, 
Wenn sie gegen die Scheibe wehen, 
Die sich erwärmte an meinem Blut. 
Da müssen sie alle, alle vergehen, 
Da sterben sie alle von seiner Glut, 
Alle 
Die funkelnden Eiskristalle, 
Die glänzenden Sterne 
Aus weiter Ferne 
Ich weiß, so trägt auch mein ruhloses Herz, 
Meine fiebernde Hast die Schuld an dem Schmerz, 
An alle dem Leide, alle dem Gram, 
Und daß so alles anders kam, 
Daß so alles in Nichts zerrann, 
Was die goldene Zeit mir spann. — 
Draußen und drinnen 
Schweben und weben, 
Spielen und spinnen, 
Tanzen und tollen in buntem Bomber 
In die vergeßliche Nacht hinüber: 
Gedanken und Flocken. 
Valentin Traudt. 
stunden der Weihe. 
Zn jedem eine Saite tönt 
Von einem Hauche leis beivegt, 
Der in sein Leben, glückentwöhnt, 
Ihm eine Feierstunde trägt. 
Und einmal wird das Herz ihm heiß, 
Und einmal zittert seine Hand; 
Kein andrer kennt, kein andrer N'eih, 
Was sie mit stillem Glück umspannt. 
Dem einen blitzt ein Lichtlcin dort 
Aus fernen Kindertagen her, 
Den andern stärkt ein liebes Wort 
Von Lippen, die schon lang nicht mehr. 
Es wird ihm leichter seine Last 
Und freier steht um ihn die Welt, 
Als ob ein liebersehntcr Gast 
In seinem Hause Einkehr hält. 
Und jedem naht ein heimlich Glück, 
In jedem eine Saite tönt, 
Die ihn für einen Augenblick 
Mit seinem Schicksal mild versöhnt. 
Gustav Adolf Müller. 
Indogermanisch. 
Ich kenne eine rührende Geschichte. 
Die ich genau, wie ich sie las, berichte. 
Von einem König Indiens wird erzählt, 
Es habe ihm das Augenlicht gefehlt: 
Einst sei er mit der Kön'gin ausgegangen, 
Da habe sie die Augen sich verhangen, 
Damit sie nur, so sprach die Kön'gin dann, 
Nicht bester scheine als ihr lieber Mann! 
Hans Altmüller.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.