Full text: Hessenland (25.1911)

Aus tzeimal und fremde. 
Personalchronik. Der Großherzog von Hessen 
hat am 26. August d. I. den Direktor des Haus- und 
Staatsarchivs Dr. Gustav Freiherrn Schenk zu 
Schweinsberg aus sein Nachsuchen, unter An 
erkennung seiner langjährigen treuen und vorzüglichen 
Dienste, mit Wirkung vom 1 September d. I. an, 
in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß 
den Charakter als „Geheimrat" verliehen, sowie 
den Haus- und Staatsarchivar Dr. Julius Reinhard 
Dieterich mit Wirkung vom gleichen Tage zum 
Direktor des Haus- und Staatsarchivs ernannt. 
Hochschulnachrichten. Marburg Ober- 
Reg.-Rat Walther Hassenpslug in Posen wurde 
zum Kurator der hiesigen Universität unter gleich 
zeitiger Verleihung des Charakters als Geh. Ober- 
Reg.-Rat mit dem Rang der Räte 2. Klasse end 
gültig bestätigt. — Dem ordentlichen Professor der 
medizinischen Fakultät und Direktor der Augenklinik, 
Dr. Bach, wurde der Charakter Geheimer Medizinal 
rat verliehen. — Der außerordentliche Professor 
Dr. S i m o n s in Charlottenburg wurde zum ordent 
lichen Professor der theologischen Fakultät der hie 
sigen Universität ernannt. — Gießen. Hier wird 
im April 1910 unter Leitung von Pros. Dr. Sommer 
der zweite Kursus und erste Kongreß für Familien- 
sorschung, Vererbungslehre und Rassenhygiene statt 
finden. — (Göttingen:) Die Kgl. Gesellschaft 
der Wissenschaften zu Göttingen bewilligte u. a. dem 
Göttinger Germanisten Geheimrat Prof. Dr. Edward 
Schröder für die Ausgabe der mittelalterlichen 
Bibliothekskataloge 500 Mark und dem Privat 
dozenten für Meteorologie Dr. Alfred Wegen er in 
Marburg für Beobachtung der Rückstrahlung der 
Wolken 600 Mark. — Der 1876 in Kassel ge 
borene Privatdozent Hans Happel wurde zum 
Professor der Physik an die Universität Tübingen 
berufen. 
Der Marburger Altertums- und Kunst- 
verein hielt am 22. August unter Vorsitz des 
Oberbürgermeisters Troje seine Mitgliederversamm 
lung ab. Die Mitgliederzahl beträgt 85. Die 
Zinsen der von Brauereibesitzer Bopp gestifteten 
20 000 M. sollen zum Ankauf oberhessischer Trach 
ten und solcher der alten Marburger Bürgergarde 
verwandt werden. Ein Neubau, eventl. aus dem 
Grundstück des städtischen Armenhauses, soll ernst 
lich ins Auge gefaßt und der bisherige Altertums 
verein ersucht werden, auch formell seinen Übergang 
in den neuen Verein zu beschließen. Der mit der 
Ausnahme der Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises 
Marburg beauftragte Archivrat Dr. Küch soll der 
Stadtverordnetenversammlung als Mitglied der 
Kommission gegen die Verunstaltung der Stadt 
Marburg vorgeschlagen werden. 
Zeichnungen von Adolph von Menzel. 
Unter den Menzelzeichnungen, die der Kunstverein 
in seiner letzten Ausstellung vorführte, befanden sich 
auch einschließlich einer Gouache (Faun im Marmor 
bad) zwanzig Blatt, die der Meister während seines 
Kasseler Aufenthaltes (1847/48 und 1866) anfertigte. 
Über Menzels Beziehungen zu Kassel brachten wir 
seinerzeit einen eingehenden Aussatz mit einer Bleistift 
zeichnung der alten Fuldabrücke (Jahrgang 1909, 
Nr. 4, 5 und 6). Die Blätter zeigten uns Schloß 
und Grotte zu Wilhelmstal mit dem alten Figuren 
schmuck, eine perspektivische Zeichnung des Oktogons, 
Ausblicke aus den Habichtswald und Motive aus 
Kassel selbst, den Blick vom Renthos auf den Mar- 
ställer'Platz mit dem jetzt verschwundenen Brunnen 
hinter der Renthossmauer, einen Blick vom Arnold- 
schen Haus auf eine Gruppe Hinterhäuser, andere 
Hinterhauspartien, Mansardendächer usf. Am inter 
essantesten waren wohl die drei Blätter, die uns 
Motive aus der alten Kattenburg mit ihren ge 
waltigen Kellergewölbebogen vorführten. So entbehrte 
diese dankenswerte Ausstellung von über 150 Menzel- 
schen Originalen auch nicht des lokalen Interesses. 
Aus Kassel. Wie mit Bestimmtheit verlautet, 
hat ein Berliner Konsortium zur Errichtung eines 
Warenhauses die Grundstücke des Proviantamts 
und des Artilleriedepots angekauft. Das der 
Synagoge in der unteren Königsstraße gegenüber 
gelegene Proviantamt wurde unter Jöröme 1809 
bis 1810 als Artillerieschule erbaut. Kurfürst Wil 
helm II. errichtete dann in ihm eine Kadetten- und 
Kriegsschule für das kurhessische Armeekorps. 
Aus Cölbe. Beim niedrigen Wasserstand der 
Ohm gelang es einigen Einwohnern, einen etwa 
20 bis 30 Zentner schweren alten Taufstein aus 
dem Wasser zu schaffen, der, wie das Volk sich erzählt, 
bei der Zerstörung 'eines Dorfes, das früher aus 
der „Kohlkaule" gestanden habe, den Bergabhang 
hinabgestürzt worden sei. Aus Veranlassung der 
Behörde soll der unter Naturdenkmalschutz stehende 
Stein wieder ins Wasser versenkt werden. 
Aus Hersfeld. Nachdem die vielumstrittenen 
alten Häuser am Treppchen niedergelegt sind, erhebt 
Wilhelm Neuhaus in einem Aussatz seines verdienst-
	        

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