Full text: Hessenland (25.1911)

buche von 1862 der Flurnamen „am Nüsterdorf" 
noch erinnert. 
7 In Rhina liegt der Hundsrück neben einem 
Berge mit dem alten Waldnamen „die Struth" 
(aber nicht an der Gemarkungsgrenze, sondern nahe 
dem Dorfe)? o) 
8. In Oberufhausen liegt der Hundsrück am 
Hange des hohen Waldberges „der Steiger", 
unweit der Grenzen von Großentaft und Leibolz, 
und 
9. in Gemarkung Leibolz liegt der Hundsrück 
mit der Gonzbach (jetzt trocken) am Hange des 
selben Steigers, auf der entgegengesetzten Seite. 
Die beiden letzten Hundsrücks haben wohl ur 
sprünglich zu demselben, den Steiger umfassenden 
Gemeinschaftsbesitze gehört. 
10. Eigenartig ist der Hundsrück in Schlotzau, 
Kreis Hünfeld. Nahe dem Dorfe in der nassen 
Wiese, „im Weiher" 17 ), liegt eine flache, höchstens 
einem Schildkrötenrücken vergleichbare Anhöhe, die 
Hundsrück genannt wird. Als Zufluchtsort, freilich 
wenig geräumiger, war dieser durch Wasser und 
Sumpf geschützte Ort sehr geeignet. Ob er auch 
nur Teil eines größeren Gemeinschastsgebiets ge 
wesen ist? Die Wiese trennt den Hundsrück von 
der waldigen Anhöhe „Buchwald", gleich am 
Wiesenrande, neben dem Waldstück „der kalte 
Hof", unweit der preußisch-hessischen Grenze, liegt 
ein ungeheures Loch, das von einem Gelehrten 
untersucht zu werden verdiente. Es heißt „Lind 
wurmskaute", ist offenbar von Menschenhand an 
gelegt, aber tiefer als die umstehenden hohen 
Tannen hoch sind, ein weiter Trichter unten ge 
füllt von einem Sumpfe, den man nur mit offen 
barer Lebensgefahr betreten könnte. Die Lind 
wurmskaute dürfte, vielleicht als Wasser-Sammel 
stelle, zu einer alten Befestigung gehört haben. 
11. In Burghaun heißt „am Hundsrück" ein 
mit starker Quelle versehener Abhang des hohen 
Waldberges Wilhards. 
12. Nicht paffen will in den beschriebenen 
Rahmen der Hundsrück in Rasdorf. Es ist ein 
kleiner Platz mit Quelle auf leichter Anhöhe mitten 
im Dorfe, durch eine tiefe Einsenkung getrennt 
von der alten Kirchhofsbefestignng. 
Welche allgemeinen Feststellungen lassen sich nun 
aus der Lage dieser Hundsrücks treffen? 
Zunächst, daß bei keinem von ihnen eine Ähn 
lichkeit mit einem Hunderücken zu bemerken ist. 
") Früher gab es Ober» und Unter-Ryna, 1501 beide 
wüst. Landau Wüstungen >355. 
”) Ein Dammrest bei den „Dammäckern" erinnert an 
den ehemaligen Weiher. 1785 wurde die Wiese vom Fürst 
abt von Fulda unter 19 Einwohner von Schlotzau auf 
geteilt. 
Ferner liegen alle außer 10 und 12 an einem 
hohen, als Zufluchtsort geeigneten Berge, während 
Nummer 10 sich selbst dazu eignete. Die Zu 
gehörigkeit zu diesem Berge drückt sich darin aus, 
daß es meist nicht „der", sondern „am", „vorm" 
Hundsrück heißt, und auf die Bestimmung des 
Berges als Zufluchtsort weisen mehrfach sein Name 
oder Befestigungsreste hin. Daß das Berggebiet 
mehreren Dörfern gemeinschaftlich gehörte, darauf 
deutet eine bis in die Neuzeit erhalten gewesene 
Weidegemeinschast mehrfach hin, und die meist 
noch heute vorhandene Lage des Hundsrücks an 
Gemarkungsgrenzen machte ihn zum Gemeinschafts 
besitze geeignet. » 
Gar nicht hierein zu paffen scheint nur Hunds 
rück 12 in Rasdorf. Aber gerade Rasdorf hat 
in alter Zeit zweifellos eine wechselreiche .Geschichte 
gehabt, mehrere Dörfer, die in seiner jetzigen Ge 
markung standen, sind verschwunden, wohl möglich, 
daß der Ort, der später den befestigten Kirchhof 
erhielt — eine Anhöhe, nach mehreren Seiten steil 
abfallend und auf drei Seiten von Bächen um 
geben — ihnen von alters her als Zufluchtsort 
gedient hat, und dann paßte der Hundsrück genau 
zu den übrigen, namentlich besitzt er, wie die 
meisten, eine Quelle, ein Umstand, der innerhalb 
des Gemeinschaftsgebietes einen bestimmten Ort 
als Versammlungsort besonders geeignet machte. 
Deshalb wird der mit Quell ausgestattete Ort als 
Versammlungsort geblieben sein und den Namen 
Hundsrück behalten haben, als infolge veränderter 
Kriegsführung der ehemalige Zufluchtsort in Ver 
gessenheit geraten war. 
Diese Feststellungen dürften der im Anfange 
erwähnten Annahme Hamms, daß der Hundsrück 
mit der Hundertschaft zusammenhing, immerhin 
eine beachtenswerte Stütze bieten, mag man auch 
bemängeln, daß nicht mit auf den Hundsrücks 
gemachten Ausgrabungen die Versammlungen von 
Menschenmengen nachgewiesen sind, und mag auch 
das Beobachtungsgebiet noch zu klein sein. 
Übrigens läßt sich auch aus den Nachrichten, 
die über Hundsrücks anderer Gegenden vorliegen, 
manches entnehmen, was für die hier verfochtene 
Ansicht spricht. Einiges davon ist bereits erwähnt. 
Es sei noch auf folgendes hingewiesen: 
Die Verfasserin der Flurnamen Gothas ( 2 ) glaubt 
zwar, daß Hundsrück vom Hunderücken abzuleiten 
sei, aber aus ihrer Karte und brieflicher Mit 
teilung ergibt sich hinsichtlich der von ihr mit 
geteilten Hundsrücks: der Hundsrück bei Schönau 
liegt am schroffen Ziegelberge, der die Neste der 
vorgeschichtlichen Tannenburg trägt, und neben dem 
Hundsrück entspringt eine Quelle. Der Hundsrück 
in Lauterbach (ohne Quelle) ist ein Hang des
	        

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