Full text: Hessenland (25.1911)

herausgestellt, daß von einem Spaßvogel (?) ein 
moderner anthropoider Affenschädel (Schimpanse?) 
in die Höhle eingeschmuggelt worden ist. 
AusDeckbergen, Kreis Rinteln. Beim Aus 
graben eines alten Baumes legte ein hiesiger Land 
wirt unter dem Wurzelwerk eine altmodische eiserne 
Geldkassette bloß. Sie enthielt süns verschiedene 
Gefache, von denen jedes mit zwanzig Goldmünzen 
aus dem 17 Jahrhundert angefüllt war, im sechsten 
Gefach lagen Schmucksachen und Perlen. 
Aus Hanau. Die freiwillige Feuerwehr feierte 
ihr 50 jähriges Bestehen. 
Aus Gersfeld. Die Aufforstungen in der 
Rhön werden in hiesiger Gegend sehr gefördert. 
Bei dem am Heidelstein und Schwabenhimmel ge 
legenen früheren Holzberghos (850 Meter), jetzt im 
Besitz der Frau Gräfin Schimmelmann, die ihn 1910 
zu einem Schloß mit 3 Türmen umbauen ließ und 
diesem den Namen „Schloß Frederikstein" gab, wurden 
13 Hektar mit über 120 000 Fichten bepflanzt. 
S t a t i st i s ch e s. Nach den jetzt amtlich ermittel 
ten Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 
1910 betrug die Gesamtbevölkerung des Regierungs 
bezirks Kassel 1 008 007 Seelen gegen 955 233 im 
Jahre 1905, also mehr 52 774 Personen — 5,52 
Prozent. Von 64 Städten haben nur 51 eine 
Zunahme gegen 1905 und 13 eine Abnahme auf 
zuweisen. Einzelne Städte haben nicht einmal die 
Bevölkerungsziffer von 1834 erreicht, darunter 
Rotenburg, Allendors Wolshagen, Volkmarsen, 
Steinau und Grebenstein. 
Aus Darm st ad t. Die Stadtverordneten-Ver- 
sammlung bewilligte 670 900 Mark für die Anlage 
eines Waldsriedhoses an der sog. „städtischen Tanne" 
nach dem Muster des Zentralsriedhoses in Hamburg- 
Ohlsdors und des Waldfriedhofes in München. 
Der erste Braunsche Familientag soll 
am 7 und 8.-Oktober d. I. in Berlin stattfinden. 
Mitteilungen über das alte hessische Geschlecht der 
Brauns, das eine Anzahl berühmter Mitglieder zu 
verzeichnen hat, brachten wir im „Hessenland" 1909, 
S. 266 ff. Die damals und auch später noch ein 
mal im „Hessenland" ausgesprochene Bitte unseres 
um die Familiensorschung verdienten Mitarbeiters 
Dr. Hans Braun (Berlin SW 47) um weitere 
Nachrichten zur Geuealogie der Brauns wiederholen 
wir gern an dieser Stelle. Der Genannte wird 
auch über den Familientag aus Wunsch nähere An 
gaben machen. 
‘fietfiföe Bücherschau 
Schneiders Wände rbücher IV Das mittlere Lahn- 
tal, das Salzböde-, Lumda- und Dilltal. 3. Auflage. 
350 Seiten. Marburg (N. G. Elwertsche Verlagsbuch 
handlung). Preis 2 Mark. 
Unter dem hier angeführten Titel ließ soeben Emil 
Schneider, der derzeitige Vorsitzende des O. H. T. V., den 
alten, vollständig umgearbeiteten, zweckdienlicher angeord 
neten und bedeutend vermehrten, zudem gut illustrierten 
„Führer durch Oberhessen und die angrenzenden Gebiete" 
erscheinen. Die Anhäufung des Stoffes ließ es ratsam 
erscheinen, eine Teilung des Ganzen in fünf kleinere Sonder 
führer votzunehmen, von denen der vorliegende jetzt als 
vierter erschien und ein letzter, Vogelsberg und Wetteran 
und Rhön, noch zu erwarten ist. Neu ist auch die Auf 
nahme der Bahnfahrten auf den einzelnen größeren Wander 
strecken. Daß auch der historische Teil wesentlich vermehrt 
und ergänzt wurde, wird vielen nur erwünscht sein. Dazu 
ist das durchaus zeitgemäße Werk auffallend billig und 
wird auch aus diesem Grunde schon viele Abnehmer finden. 
H. 
Neuhaus.Wilh. Hersfeld, dieLullusstadt. EinFührer 
durch die Stadt und ihre nähere Umgebung. 104 S. 
1 Karte. Hersfeld (Kommissionsverlag A.Webert) 1911. 
Als vor nun zwei Jahren „drüben" in Darmhessen 
(ohne Verfassernamen) Comos prächtiges Werbebüchlein für 
„Lauterbach und Umgebung" erschien, da durfte mancher 
sein Herz dran erfreuen, der das ärmliche Sammelsurium 
der meisten „Fremdenverkehrs"-Bücher kennt. Wir können 
uns freuen, nun auch in unsrer Hälfte ein sehr erfreuliches 
Schriftchen begrüßen zu können, und gerade in Hersfeld, 
das bisher, trotz seinen großen Reizen und Schönheiten, 
in diesem Punkte noch sehr kümmerlich bedacht war. Wilhelm 
Neuhaus (des verdienten Herausgebers der Hersfelder 
Geschichtsblätter „Mein Heimatland") Führer durch 
Hersfeld ist ein Büchlein für den praktischen Führungs 
zweck, aber durchweht von der dem Verfasser eigenen an 
schaulichen Frische und warmen Liebe zu seiner neuen 
Heimat. Wer Hersseld kennt, wird's verstehen. Man muß 
selbst im weichen Abenddämmer den organischen Leib dieser 
Stadt durchwandert haben, an der Stadt- und Stiftsmauer 
entlang zu den ragenden Wölbungen der (Gott sei's geklagt) 
zerstörten Stiftskirche; man muß hinausgezogen sein zur 
düstern Zwingburg des Eichhofs, hinaus zum Kloster- 
Johannisberg, wenn sich unten im Sonnenschein die Stadt 
breitet; hinüber ins prächtige Eitratal zum Schlosse der 
„alten Gans" Eberhards von Buchenau; des modernen 
Hersselds mit Gewerbe. Lullusbrunnen und Kuranlagen 
nicht zu vergessen. Das alles wird nun lebendig vor uns 
aufgebaut an der Hand der lebhaft gesehenen und mit 
richtigem historischen Verständnis (und eingehender Be 
nutzung der neuen historischen Literatur) erzählten äußern 
und innern Geschichte der Lullusstadt. Dem Verfasser sei 
besonders angerechnet, daß er über dem Einzelnen das 
Problem der Hersfelder Geschichte richtig verstanden hat: 
die Entwicklung der Bürgerschaft im Gegensatz zu der ver 
altenden mittelalterlichen Landeshoheit des Stifts, ihren 
Anteil bei der Herausbildung des hessischen Landesstaats 
und beim Hessischwerden des Hersfelder Staatswesens. Aus 
der Hersfelder Genlullüe erfährt natürlich das Glanzstück
	        

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