Full text: Hessenland (25.1911)

dem Hause zu Hessenstein, „da unser yclich ein 
burgsezze uffe habin sal" (da ein jeder von uns 
einen Burgsitz haben soll) geworden sind, und dgß 
ihnen der Landgraf einem jeden 8 Pfund Heller 
jährlichen Zins als Burglehen verliehen hat, den 
sie von der Landbede im Gericht Wetter nach dem 
Tode des Bischofs Ludwig von Münster erheben 
sollen. Was ihnen bis dahin an den Zinsen rück 
ständig ist, das sotten sie dann auf einmal erheben 
samt 12 Mar? hessischer Währung, die ihnen zur- 
Zeit schon von ihrem Burglehen rückständig („ver- 
sezzin") sind?) 1342, 5. April („an dem nehistin 
fritage nach dem Ostertage") gestatten Gumprecht, 
Ritter, und sein Bruder Wydekind von Keseberg, 
Logte zu Geismar, dem Landgrafen Heinrich, 
„einen burglichin bu" im Gerichte Geismar zu 
errichten, wo es ihm gut scheint. Auf dieses 
Hause soll ein jeder von ihnen einen Burgsttz 
(„burgsedil") zu Erbburglehen haben. Wenn sie 
das an den Landgrafen versetzte halbe Teil des 
Gerichtes Geismar wieder einlösen, soll trotzdem 
der Landgraf von Hessen das genannte Hans ewig 
behalten und sie und ihre Erben ihr Burglehen 
darauf haben?) Mit diesem Burgbau kann nur 
der Hessenstein gemeint sein, wenn er auch nicht 
ausdrücklich genannt wird. 
Zwei Jahre daraus, 1344 einigten sich der 
Landgraf Heinrich II. und das Erzbistum Mainz, 
dem diese Gegend kirchlich unterstand, nach langem 
Streite in vielen Punkten über die beiderseitigen 
Machtbefugnisse. Doch gleichzeitig beklagte sich 
der Erzbischof darüber, daß der Landgraf auf 
Hessenstein einen neuen Burgbau ausführe. Aus 
demselben Jahre, und zwar vom 29. Mürz, sind 
zwei Urkunden erhalten geblieben, die auf die 
Rechtsverhältnisse der Burg Hessenstein Bezug 
haben. Es bekundet nämlich Ludewig von Momen- 
berg (Momberg), daß er oder seine Erben, sobald 
Landgraf Heinrich von Hessen, dessen Sohn Otto 
oder ihre Erben 450 Pfund Heller zahlen das 
halbe Teil des Hauses zu dem Hessensteine, und 
das halbe Teil des Gerichtes Geismar halb ledig 
und los herausgeben sollen, was sie „an burg 
lichen buwe" daran verbauen soll ihnen dann 
auch neben dem genannten Gelde von dem Land 
grafen nach dem Spruche je zweier von beiden 
Seiten erwählten Freunde wieder erstattet werden. 
Haus Hessenstein soll dem Landgrafen „zu allen 
erin nodin" stets offen stehen, und die Landgrafen 
sollen sie und das Haus getreulich als ihre 
s ) Staatsarchiv Marburg. Gen.-Repert. Hessenstein. 
Pergament-Urkunde (Siegel abgefallen). 
4 ) Staatsarchiv Marburg. Gen. - Repert. Keseberq 
(Mit den beiden Rittern Gumprecht und Whdekind sienelt 
auch Volprecht Rudinger.) J 
Mannen beschirmen. Ludwig und seine Erben 
sollen ferner den Landgrafen von dem Hause 
Hessenstein keinen „unrechten Krieg" zuziehen. 
Wenn sie etwas gegen jemand hätten, so sollten 
sie es den Landgrafen anzeigen, und diese sollten 
ihnen Recht verschaffen binnen 2 Monaten, andern 
falls sie sich selbst helfen sollten?) Gumprecht 
Voyth (Vogt) von Geismar, Ritter, und Wydekind, 
sein Bruder, stellen am gleichen Tage dem Land 
grafen Heinrich und seinem Sohne Otto den gleichen 
Revers wie Ludewig von Momberg über die Ver 
pfändung von einhalb Hessenstein und einhalb des 
halben Gerichtes Geismar für 450 Pfund Heller- 
aus?) 
Die Erbauung der neuen Burg Hessenstein war 
jedoch nicht nur dem Erzbischof von Mainz un 
angenehm, sondern auch den benachbarten Herren 
von Itter, die beim Landgrafen Beschwerde führen, 
daß die Burg ihrem Gebiete zu nahe liege. In 
einer Urkunde vom 11 November 1347 vergleichen 
sich Hehnemann, Herr zu Jthere (Itter), und sein 
Bruder Adolf mit dem Landgrafen Heinrich und 
dessen Sohn Otto wegen ihrer Ansprüche an den 
Landgrafen des Hauses Hessenstein halber „daz 
sie uns zu nahe soldin gebuwet ham und umme 
den schaden, der uns whdervert von yn und urin 
dynern in unsen gerichten,- da daz selbe hus uf- 
geslagen wart" dahin, daß der Landgraf ihnen 
in ihrem Gericht Eymegerode (Eimelrod) eine Burg 
(„ein hus") erbauen („bawin und usslahin") Hilst 
und ihnen dazu 100 Mann mit Helm uitb 50 Ge 
wappnete stellt. Wenn das Haus „sloszhast" ist, 
sollen alle ihre Ansprüche wegen Hessenstein und 
des Schadens erloschen sein. Die Landgrafen sollen 
sie auch nicht in ihren Gerichten drängen oder 
hindern, und sie sollen die neue Burg von den 
Landgrafen zu erblichem Lehen nehmen. Sie ver 
pflichten sich, diese Burg den Landgrafen offen zu 
halten wider jedermann, außer wider ihre Schwäger 
und Ganerben und wider ihre Neffen Widekind 
und Kraft von Hohenfels, wogegen die Landgrafen 
ihre Burg schirmen sollen, wie ihre anderen 
Schlösser?) 
Zu denen, die über den Bau der neuen Burg 
Hessenstein Klage führen, gehört auch das Kloster 
Haina, und es wurde hierbei so kräftig von dem 
Erzbistum Mainz unterstützt, daß der Landgraf 
sich 1348 genötigt sah. die von Keseberg abzu- 
*) Staatsarchiv Marburg. Gen. - Repert. Hessenstein. 
Pergament-Urkunde. (Siegel abgefallen.) 
6 ) Staatsarchiv Marburg. Gen. - Repert. Hessenstein. 
Pergament-Urkunde mit dem Siegel Gumprechts (das 
andere ist abgefallen). 
h Staatsarchiv Marburg. Kloster Haina. Pergament- 
Urkunde. Siegel fehlen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.