Full text: Hessenland (25.1911)

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genannt Bodenbender oder Boddenbenders — 
Büttner, Böttcher, Faßbinder, Bender, Küfer. Der 
Name Wigand ist ein echt deutscher — hessischer — 
Name, der bis heute noch als Taufname vorkommt. 
Der Familienname lautet Gerstenberg, nicht 
Gerstenberger, wie ich und viele andere, z. B. 
Kolbe, früher wohl schrieben und sprachen. Nur 
ihn verwendet er, indem er sich in jüngeren Jahren 
volsatoris nennt. Die frühe Aufschrift der Stadt 
chronik latinisiert: Guigandus Gerstenberg 6ietu8 
Vitztoris. Im 16. Jahrhundert war Vietoris 
sehr beliebt. Der Name Gerstenberg kam dazumal 
hier mehr vor. Ein Kaspar Gerstenberg von 
Frankenberg studierte 1497 in Leipzig. Hermann 
Bodenbender war eine Ratsperson zu Frankenberg 
und starb am 26. Juli 1579. Die Bodenbender 
waren eine angesehene Frankenberger Familie. 
Heinrich Bodenbender war im Jahre 1492 Bürger 
meister. Ludwig Doliatoris studierte im Jahre 
1507 zu Erfurt. Hermann Bodenbender vertrat 
seine Vaterstadt aus dem Landtag zu Homberg 
1536. In anderen Gegenden von Oberhessen 
kommen Bodenbenders vom 14. bis 20. Jahrhundert 
vor. Dagegen findet sich der Name Gerftenberg als 
Familienname nirgends in Hessen. Als Bergname 
kommt er in meiner ersten Heimat Obergrenzebach, 
Kreis Ziegenhain, sogar zweimal vor, und zwar 
liegt ganz nahe bei Obergrenzebach der Basaltberg 
Gerstenberg, der sich nach dem Kornberg und Spieß- 
Spießkappel hinzieht, und der zweite Berg ist die 
Landsburg bei Allendorf, Schlierbach und Rörs 
hain. Gerstenberg hat in seinem späteren Leben die 
Klöster in Hessen und wahrscheinlich auch Spieß 
kappel und Haina besucht, um Geschichtliches und 
Reliquien zu sammeln, und ist sicher dann auch 
in dieser Gegend gewesen, denn er hat Nachrichten 
über die Grafen von Ziegenhain und über das 
Kloster Spießkappel niedergeschrieben. Ob seit 
dieser Zeit die Berge ihren Namen führen,' wer 
will das behaupten und beweisen! — Auch in 
Frankenberg war der Name nicht geläufig, das 
geht schon daraus hervor, daß man im 16. Jahr 
hundert schon Gerstenberger statt Gerstenberg sprach. 
Sogar ein Frankenberger, Abraham Sauer(1545 bis 
1593), nannte ihn Gerstenberger. Geboren ist er 
hier am 1 Mai 1457 Nach vollendetem sech 
zehnten Lebensjahre, im Sommersemester 1473, 
besuchte er mit noch einem Frankenberger Bürgers 
sohn Heinrich Werdenhain die von Hessen sehr 
besuchte Universität Erfurt. Vorbereitet zur Hoch 
schule hat er sich sicher auf der hiesigen Gelehrten 
schule. 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Neuordnung der Kasseler Gemäldegalerie. 
Von Ernst Zöllner, Kassel. 
Bilder haben ihre Schicksale. Ihre Beweglichkeit 
macht sie zum Spielball von tausend Zufälligkeiten. 
Höchste Offenbarungen der Kunst sind häufig aus 
altem Gerümpel ans Licht gezogen worden und 
wurden- dann neben vielen anderen in Museen — 
beigesetzt. 
Staffeleibilder werden nicht für Sammlungen, 
Museen und Galerien, werden überhaupt äußerst 
selten für einen bestimmten Platz, einen bestimmten 
Hintergrund und bestimmte Beleuchtungsverhältnisse 
eines Raumes gemalt. Ihr Los ist ungewiß. Ein 
Wandgemälde ist für einen Raum, aus den Bedin 
gungen eines Raumes heraus geschaffen. (So sollte 
es wenigstens immer sein.) Das Staffeleibild hin 
gegen ist zunächst überall ein Fremdkörper. Man 
müßte ihm erst seinen Raum bilden den Raum, 
der sich nach ihm richtet, der alle Bedingungen er 
füllt, die nötig sind, damit das Kunstwerk sein inneres 
Leben dem Schauenden in reinster, vollkommenster 
Harmonie erschlösse. Auch das ist dageweseu es 
ist schon vorgekommen, daß ein Raum eines Bildes 
wegen gebaut worden ist. Es gibt viele Meister 
werke, die den gleichen Anspruch erheben könnten, 
aber freilich — wo sollten wir hinkommen, wenn ? 
Das ist die Tragik des Staffeleibildes Die er 
habenste, lebendigste Schöpfung eines Rembrandt 
hat es aus dieser unvollkommenen Welt nicht balb 
so gut wie ein gar nicht erhabener und nur schein 
lebendiger Bierphilister, der das Recht hat von 
seinem Schneider einen wirklich passenden Rock zu 
verlangen. 
Bilder werden nicht gemalt, um in Mengen zu 
sammenzukommen. Vor einer Ausstellung haben 
alle echten Künstler eine mit Angst gemischte Abscheu. 
Ausstellung ist Masse, ist Chaos, engste Nachbar 
schaft, dichte, peinliche Berührung des Fremden, nie 
zu Vereinenden, stets Dissonierenden. Ist es sehr 
viel anders in Sammlungen, Museen und Galerien? 
Dissonanzen überall > Man ist heute empfindlicher 
dafür geworden man spürt hier feinfühlig ein 
Problem, und hat den guten Willen, es zu lösen, 
ohne es je ganz zu können. Was ich die Tragik 
des Staffeleibildes nannte, das ist eben nicht aus 
der Welt zu schaffen. Aber einiges läßt sich besser 
machen, ist schon verbessert worden. Die Ausstellungs- 
Reformen tleisten Grunde zusammen mit
	        

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