Full text: Hessenland (25.1911)

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Hamm führt den Hundsrück der Rheinprovinz 
zurück auf eine Hundertschaft, die im Hochgerichte 
Rhaunen bestanden habe. Es steht ferner fest, 
daß dieser Hundsrück bis ins 15. Jahrhundert der 
Weidegemeinschaft der umliegenden Ortschaften 
unterstanden hat?) 
Daraus könnte man annehmen Hundsrück 
bedeutete Gemeinschaftsbesitz der an ihm liegenden 
Dörfer. 
Wird diese Annahme bestätigt durch die ört 
lichen Feststellungen über die Hundsrücks in unserer 
Gegend? 
Der erste Vereinigungszweck wird in der alten 
Zeit sicherlich ein kriegerischer gewesen sein. Bei 
Kriegsnot flüchteten die Germanen ihre wertvollste 
Habe, das Vieh, auf schwer zugängliche Waldberge. 
Der Zufluchtsort wurde befestigt, das beweisen 
uns die Überreste der Ringwallburgen, von denen 
in unserer Gegend die auf der Milseburg, im 
Kreise Hünfeld die auf dem Stellberge bei Ras 
dorf am bekanntesten sind, auch auf dem Klein 
berge, zwischen Rasdorf und Großentaft, hat 
Professor Vonderau solche Überreste festgestellt. 
Die Ringwallburgen erscheinen jedoch vielfach höchst 
unzulänglich, wenn sie einer größeren Menschen 
menge mit Viehherden während mehrtägiger Be 
lagerung Unterkunft geben sollten, namentlich fehlt 
es den meisten an Wasser (über welchen Mangel 
Wasser-Sammelgruben, wie sie auf der Altenburg 
bei Niedenstein nachgewiesen sind, nicht genügend 
hinweghelfen konnten)?) Man hat deshalb den 
Ringwallburgen die Bedeutung als Zufluchtsstätten 
absprechen wollen.^) 
Es liegt indes eine andere Erklärung nahe 
Die Ringwallburg bildete nur das Kernwerk einer 
ausgedehnten Verteidigungsstellung. Ein größeres 
Waldgebiet um den Gipsel des Zufluchtsberges 
war ebenfalls mit leichteren Schutzwehren versehen, 
hier schon begann die Verteidigung, hinter diesem 
äußeren Gürtel gab es Wasser und Futter, nur 
in äußerster Not und für kürzere Zeit flüchtete 
man in die Ringwallburg. 
8 ) von Maurer, Einleitung zur Geschichte der Mark-, 
Hof- und Stadt-Verfassung (1896) 60. 
9 ) Boehlau. Die Ausgrabungen auf der Altenburg. 
Zeitschr. f. Hess. Gesch. 34, 31- 
'°) Mülhause Die Ringw. in Oberhessen. Zeitschr. 
f. Hess. Gesch. N. F. 2, 311. 
Es soll nun versucht werden, glaubhaft zu machen, 
daß dieses große gemeinschaftliche Verteidigungs 
gebiet, nach ihrer Lage in unserer Gegend zu schließen, 
die Hundsrücks gebildet haben. 
1. In Ausbach, Kreis Hersfeld, heißt Hundsrück 
ein Vorsprung des hohen, ausgedehnten Wald 
berges „Landeckerberg" Der Hundsrück liegt am 
Landwege Ausbach-Hillartshausen an der Grenze 
beider Gemarkungen, anstoßend an Staatswald 
und an Gemeinde-(Nachbarschafts-)Wald von 
Hillartshausen, er umfaßt einen starken Quell. 
2. In Gemarkung Motzfeld, Kreis Hersfeld, 
heißt Hundsrück ein Vorsprung des hohen bewal 
deten Dreienberges, nahe der Grenze von Lauten 
hausen, mit Quell. 
3. Teils in Gemarkung Hünfeld, teils in Nos 
bach, auch an Gruben stoßend, wahrscheinlich die 
Grenze des wüsten Gebietes bildend, das Karl der 
Große dem Kloster Fulda schenkte, heißt „auf dem 
Hundsrück" eine als Acker dienende lange Boden 
welle, von der einsamen Basaltkuppe des Schenkels 
berges getrennt durch das mit kleinem Bach ver 
sehene Wiesental „im alten Graben am Damm"; 
früher bestand dort Hutegemeinschaft zwischen Hün 
feld und Großenbach. 
Bei keinem dieser drei Hundsrücks wird man 
an die Gestalt eines Hunderückens erinnert. Alle 
drei haben Wasser, sind als Sammelpunkte für 
mehrere Dörfer günstig gelegen, bei allen dreien 
trug der anstoßende Hauptberg, der ebenfalls einem 
Hunderücken nicht gleicht, im Mittelalter eine 
Burg, Burgen aber waren vielfach die Nachfolge 
rinnen von Ringwallburgen.") Und Landecker, 
Dreienberg unb Schenkelsberg waren als Zufluchts 
ort und Ningwallburg offenbar hervorragend ge 
eignet. Nahe allen drei Hundsrücks bestand bis zur 
Verkoppelung gemeinschaftliche Hute von Nachbar 
dörfern. In alter Zeit wird das Gemeinfchasts- 
gebiet, der Hundsrück, viel ausgedehnter gewesen 
sein als der jetzt noch den Namen Hundsrück füh 
rende Ort, wohl den ganzen Hauptberg umspannt 
haben. 
") Duncker Geschichte der Chatten. Zeitschr. f. Hess. 
Gesch. N. F. 13, 277; Piper Burgenkunde (1905) 104; 
Vonderau. Der heutige Stand der vorgesch. Forsch. 
Fuldaer Geschichtsblätter 1905, 53 (Liedenküppel, mittelalt. 
Burg am Milseburg-Hange); Happel Die Burgen in 
Niederhessen (1903) 139 (die Boyneburg ursprünglich 
Volksburg). 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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