Full text: Hessenland (25.1911)

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furter Währung, die seit 1661 zu zahlen 
waren. Die 2. Quittung stellten am 27 März 
1747 der Dechant Nebel und das Kollegialstift 
auf, die 3. stammt vom 8. April 1748, die 
4. vom 21. März 1758, die erste aber vom 
18. April 1707 hat folgenden Inhalt 
Wir Sebastianus Loth beider Rechten Doctor 
des Collegiat S. Stephans Stifts in Mayntz 
Dechant und das Kapitel bekennen vor uns und 
unsre Nachkommen öffentlich mit diesem Briefe 
und Quittung, daß wegen der durchleuchtigsten 
Fürsten und Herrn Wilhelm (VI. 1650 bis 
1663) und Herrn Ludwig (sicherlich VI., der 
nachher mit dem Kasseler Landgrafen Karl die 
Gesamt-Hofgerichtsordnung schuf!) Landgrafen zu 
Hessen, Fürsten zu Hersfeld, Grafen zu Katzen 
ellenbogen, Dietz, Ziegenheim, Nidda, Schaumburg, 
Isenburg und Büdingen, unsrer gnädigsten Herren, 
uns die ehrsamen und achtbaren Herrn Bürger 
meister. Schöffen und Rat der Stadt Alsfeld 
„ahn statt deren Hundert und Zwantzig Schilling 
guter alter Vormahls in gang gewesener großer 
Tornesgeldter in Kraft deren ahm 21. April 1661 
zwischen Hochgedachten Hhh. Landtgrafen 
und uns geschlossenen Abkommen. uns be 
zahlt haben 
Einiges über Volks- und Iugendspiele in der Schwalmgegend 
während der lehlen SO Jahre. 
Rückblick und Ausblick von Joh. H. Schwalm. 
(Fortsetzung.) 
Nun kam das „H u t h ä n n ch e" (Tutehörnchen?)- 
an die Reihe. In der Mitte eines von den übrigen 
Mitspielern gebildeten Kreises stellen sich fünf 
Personen so auf, daß vier die Ecken eines nicht 
zu kleinen Vierecks besetzt halten. Nr. 5 steht in 
dessen Mitte und ruft „Hu—ul, Hut in allen 
Ecken." Die vier anderen Spieler wechseln die Plätze 
gelingt es Nr. 5. sich während der Zeit einer Ecke 
zu bemächtigen, so übernimmt derjenige, der keinen 
Platz errungen hat, dessen Amt. 
Besonders beliebt war auch dasDrittmännchen- 
spiel (oder wie es z. B. in Schorbach und Um 
gegend genannt wurde das Gedrittel). Es er 
übrigt sich, dieses Spiel hier näher zu beschreiben, 
da es als „Den Dritten abschlagen" allgemein in 
die Spielbücher aufgenommen worden ist. Ebenso 
wenig bedarf es der Worte über „Kätzchen und 
Mäuschen" und verschiedene andere Spiele, die zum 
eisernen Bestand unseres deutschen Spielgutes zählen. 
Abwechslung schafften die Ballspiele: Schlag 
ball, Hölzchenball, Hüpfball, Reiterball, Lochball, 
Langelöbball usw. 
Weil allgemein bekannt, soll vom Schlagball 
hier nur bemerkt werden daß er in der aller 
einfachsten Form mit und ohne Einschenker gespielt 
zu werden Pflegte. Wurde ein Spieler der Schlag 
partei „getroffen", oder der geschlagene Ball ein 
mal von einem Mitglied der Fangpartei frei 
aufgefangen, wechselten die Parteien ihre Plätze. 
Beim Hölzchenball standen Holzstäbchen, auf 
jeden Mann der Gegenpartei eins, schräg wider 
einer Wand. Die Spielerschar war gleichmäßig 
in zwei Haufen eingeteilt. Ein Spieler der Wurf- 
partei versuchte von einem „Mal" aus ein Stüb 
chen zu treffen. Bei Mißerfolg seinerseits hatte 
er einen von seinen drei Würfen verloren. Traf 
er dagegen so, daß wenigstens ein Hölzchen um 
fiel, so raffte ein Spieler der Gegenpartei so rasch 
als nur möglich den Ball auf und suchte einen 
der Gegner zu treffen, die weggelaufen waren, als 
das Hölzchen stürzte. Jeder Getroffene zählt eben 
falls einen Wurf von seinem Guthaben (drei Wurf) 
weniger. Das Spiel wechselt, wenn es der Wurf 
partei bei Abgabe sämtlicher Würfe nicht gelingt, 
alle Stäbchen zu Fall zu bringen. 
Der Hüpfball ist dem Hölzchenball sehr ähn 
lich. Nur steht hier die eine Partei der Spieler 
selbst der Reihe nach als Zielscheiben an der Wand. 
Jeder Mitspieler hat auch hier drei Würfe ab 
zugeben, bzw. zu empfangen. 
Jungen und Burschen für sich allein spielten gern 
Reiterball. Die Spieler der Partei „Reiter" 
hockten denen der Partei „Pferd" auf dem Rücken. 
Ein „Reiter" warf den Ball seinem Gegenüber zu, 
der ihn auffangen sollte. Angenommen aber, der 
Ball fiel zur Erde blitzschnell erhaschte ihn dann 
ein Spieler der Partei „Pferd" und suchte einen 
der „Reiter" zu treffen, die, hast du nicht gesehen' 
davongelaufen waren. Jeder Wurf, der sein Ziel 
erreichte, wurde mit dem Wechsel der Parteien 
belohnt. 
Der „Langelöbball" ist ein Fangballspiel. 
Ein Spieler wirft den Ball so hoch als möglich. 
Derjenige übernimmt dieses Ehrenamt des Werfers, 
dem es gelingt, ihn aufzufangen. 
In weicher Nasenerde werden beim Lochball 
so viel Löcher mit dem Absatz eingedreht, als die 
Hälfte der Spieler zählt. Nun wird der Ball
	        

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