Full text: Hessenland (25.1911)

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Die hessen-kaflelschen Truppen bei der Belagerung von Bonn 
im Jahre 1703. 
Nach den Akten des Königlichen Staatsarchivs zu Marburg. 
Von F. v. Apell, Generalmajor z. D. 
(Schluß.) 
Der General Coehorn war am 26. zu Wasser 
mit dem Belagerungspark bei Nheindorf ein 
getroffen, wo alsbald die von ihm mitgebrachte 
Schiffbrücke eingebaut und mit bem Ausladen 
der Belagerungsmaterialien begonnen wurde. Am 
27 wurden die Lager in der Gegend der einzelnen 
Angriffe eingerichtet, und man stellte mit der von 
Koblenz gekommenen fliegenden Brücke die Verbin 
dung der beiden Nheinuser oberhalb der Festung her. 
Am 2. Mai fand die Musterung der hessischen 
Infanterie seitens der Generalität imb der General 
staaten-Abgeordneten statt. Man war mit den 
4 Regimentern zufrieden, bat aber, daß das fünfte, 
von Schenck, möglichst bald ins Feld gebracht 
würde. Sein Gesundheitszustand war noch schlechter 
als der der anderen Regimenter, und es starben da 
mals täglich 3 bis 4 Mann „an der gewöhnlichen 
Krankheit" Coehorn erbat sich noch einige 
Kanoniere und Fellerwerker aus Rheinfels, die 
Tettau auf Befehl des Erbprinzen kommen ließ 
und die, wie Coehorn wünschte, bei der kur- 
trierischen Artillerie Dienst taten. An diesem Tage 
fanden auch nod) einige Veränderungen in der 
Verteilung der Truppen statt und man hielt für 
erforderlich, daß beim Angriff auf das Fort ein 
Generalleutnant jederzeit die Aufsicht führe, weshalb 
der Generalleutnant Fagel dahin abgegeben wurde, 
so daß die Leitung des Öberstrom-Angriffs auf den 
Generalmajor Dedem überging. Die 4 hessischen 
Fußregimenter waren beim Angriff des Erb 
prinzen, das hessisch-holländische Mietregiment 
Prinz Leopold unter Führung des am 4. April 
zum Oberst beförderten von der Malsburg 
beim Oberstrom-Angriff eingeteilt. Letzteres stand 
schon im April unter den Befehlen des Generals 
O b d a^m und war mit diesem aus den Niederlanden 
gekommen. 
Am 3. Mai waren die Vorbereitungen für die 
Belagerung so weit gediehen, daß nachts die Lauf 
gräben bei allen drei Angriffen, 300 Schritte von 
der Kontereskarpe entfernt, eröffnet werden konnten. 
Die vor dem Fort eröffnete der Generalmajor 
von Elverfeldt mit 4 Regimentern und 600 
Arbeitern, die des Oberstrom-Angriffs der General 
major Dedem mit 3 Regimentern und 400 Ar 
beitern, die des Unterstrom-Angriffs der General 
major Fürst von Anhalt-Zerbst (der nachmalige 
„alte Dessauer") mit 3 preußischen Regimentern 
und dem hessischen Grenadier-Regiment sowie 
400 Arbeitern. Es gelang den Arbeitern sich 
unbemerkt einzugraben, so daß. trotz des später 
eröffneten heftigen feindlichen Feuers, bei allen 
drei Angriffen nur 27 getötet und verwundet wurden. 
Der Angriff nahm nun überall einen ganz regel 
rechten Verlauf. Am 4. kam Tettau mit den 
Regimentern Erbprinz, Wartensleben und 
dem preußischen Regiment Anhalt-Zerbst in 
die Laufgräben des Unterstrom-Angriffs und wech 
selte nun für seine Person täglich mit dem Fürsten 
von Anhalt-Zerbst, da nur zwei General 
majore zur Verfügung standen. Man baute jetzt 
auch eine Batterie, um die zwischen der Stadt 
und dem Fort befindliche fliegende Brücke zu be 
schießen und zerstörte am 8. die Kette, so daß die 
Brücke stromabwärts getrieben wurde. 
Am 9. Mai eröffneten alle Belagerungsbatterien 
das Feuer und zwar mit solchem Erfolge, daß 
Coehorn schon am Abend das Fort zu stürmen 
beschloß. Der Kommandant von Bonn, Marquis 
d'Allegre, der wegen Zerstörung der fliegenden 
Brücke nicht imstande war, die schwache Besatzung 
des Forts zu unterstützen, wollte letztere am Abend 
zurückziehen und ließ zu diesem Zwecke einige 
Schiffe über den Strom Athen. Der Verteidiger 
gab nun das Fort auf, ließ nur 30 Mann in 
der Brückenschanze zurück und steckte die Baracken 
und Magazine des Forts in Brand, um den 
Abzug der Besatzung durch den dem Belagerer 
zugetriebenen Rauch zu begünstigen. Letzterer er 
kannte jedoch die Sachlage, erstieg den Wall und 
drang auch in die Brückenschanze ein, deren Be 
satzung teils getötet, teils zu Gefangenen gemacht 
wurde. Numnehr ließ Coehorn Batterien in 
und neben dem Fort erbauen, von denen ans die 
Stadt und ihre Werke von der Seite und im 
Rücken beschossen wurden. 
Besonders bei dem voni Erbprinzen geleiteten 
Unterstrom-Angriff schritten die Arbeiten mit gutem 
Erfolge voran, so daß man am 11. mit den Lauf 
gräben dicht vor den Palisaden des äußeren gedeckten 
Weges angelangt war. Man überschüttete den 
Platz von allen Seiten mit Geschossen und bediente 
sich dazu beim Unterstrom-Angriff auch der kleinen 
sogenannten Coehorn-Mörser. von denen 500 Stück 
in der letzten Jnfanteriestellung gestanden haben 
sollen.
	        

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