Full text: Hessenland (25.1911)

2. Lehnbrief des Landgrafen Wilhelm III 
vom 27 August 1489 für Joh. von 
M u d e r s b a ch. 
(Großes Pergaments 
„Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Landgrave 
von Hesfen . Bekennen in diesem brieve vor 
uns und alle unser Erben das wir Johann von 
Mudersbach (wohl bei Wetzlar?) von sin und siner 
miterben wegen zu rechtem Maulehin gelehen Hain 
und lehen In crafft dieses brieves unser Burgk 
ußerhalb Driedorfs (bei Herborn!) gelegen mit 
Jrem begriffe nemlichen graben und den Platz 
zwischen der Stadt driedorff und derselben Burgk 
als wyt als grois (so weit und so groß) als die 
selben Graben und egenannte (oben genannte) 
Burgk mit dem Platz ligen usgescheideu die wyher 
(Weiher) vor der stabt wir geben Jme und sinen 
milerben auch Burgkmansfryheit zu der Burgk 
und Platze als her daniel (Herr Daniel) sin vater 
seliger sine altren und ander unser Burgmanne in 
unser Stadt driedorff gehabt Hain und von alters 
Herkommen ist Und dartzu eynen wegk hinden uß 
durch den gartin und ander Wege, wie die auch 
von alters zu der egenaunten Burgk gehört Hain 
alles ane geverde also das der vorgenannte Johan 
sin miterben usw... 
Beim Mangel von Söhnen sollen Johann 
Muderbachs Töchter diese Burg Driedorf samt 
den gleichfalls in dieser Urkunde übertragenen Lehen, 
nämlich 2 Höfen inDarmstadt und Burg- 
lehen zu Schwalbach und Hadeinar erben. 
(Ein zerbrochenes Landgrafensiegel hängt am Dokumente; 
die Umschrift zeigt noch die Worte coinitis in; mitten im 
Siegel im Schilde ist ein Zentralfchildchen umgeben von 
4 kleinen Schilden.) 
3. Verzichtbries des Landgrafen Wilhelm III. 
von Hessen vom 17 Juni 1493 auf einen 
Zehntanteil von Niederweißel b. Friedberg 
zu Gunsten des Grafen Philipp von Solms. 
(Pergamentquartblatt. auf dessen Rückseite unter der In 
haltsangabe die Jahreszahl 1494 steht.) 
„Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Land 
grave . bekennen öffentlich in diesem Brieve 
uns und unsere Erben allermeniglich, daß wir um 
getreuer williger Dienste willen, die uns der wohl 
geborene unser Rats und lieber Getreuer Philips 
Graf von Solms und Graf zu Münzenberg . . 
erzeugt und auch uns eine Summe Gelds, die er 
uns gegeben und darbracht hat, haben wir ihm 
und seinen Erben unsern Teil des Zehntens zu 
pfandweisem Jnhaben . verpfändet 
Es mag hier gleich eine im Stil und Inhalt für die 
Zeit Wilhelms III. charakteristische Urkunde aus der Stadt 
Gießen eingefügt werden. Zur Erläuterung genügt wohl 
der Hinweis darauf daß der älteste des Grafengeschlechts 
von Sulz in Schwaben (unweit des Bodensees) seit 1146 
alle Zeit des hl. römischen Reiches Erbhofrichter zu Rott- 
weil war, und daß die alte Grafenfamilie derer von Nellen- 
burg oder Nollenburg in Schwaben, im Hegow ansässig, 
schon seit 926 (Stammvater Burkard) nachweisbar ist. 
Das übrige erhellt aus dem schwülstigen Dokumente, einem 
Denkmale des damaligen Juristendeutsch selbst. 
4. Notariat sin strum ent aus der Zeit 
desLandgrafenWilhelmIII.vonHessen- 
Marburg-Darmstadt, nämlich ein Per 
gament mit der Appellation derStadt 
Gießen vom 26.Dezember 1494 an den 
Kaiser Maximilian I. wegen eines un 
günstigen Urteils von seiten des Reichs 
kammergerichts in Rottweib. 
[NB. Das ganz Ungenießbare im Stil, auch die Or 
thographie dieses Notars sind fortgelassen worden!) 
„In Gottes Namen Amen. Kund, offenbar 
und zll wissen allen welche dies Instrument 
lesen, daß im Jahre 1494 des kaiserlichen Gebots, 
das man nach alter Gewohnheit die 12. Induktion 
nennt, ani Donnerstage nach dem heiligen Christ 
tage, der der 26. Dezember genannt war, um 
1 Uhr nachmittags oder nahe dabei, im 2. Jahre 
des Papstes Alexander VI. in meiner offenen 
Schreibstube unter Zuziehen gebotener Zeugen, die 
noch persönlich gegenwärtig sind, die ehrbaren 
Bürgermeister, Schöffen der Stadt Gießen Trierer 
Bistums mitsamt ihrem Stadtschreiber Wigand 
Treysen demselben in die Hand gegeben in pa 
pierenen Zetteln eine Appellation,ihm befohlen, 
die in ihrem Namen zu lesen und mir öffentlichem 
Notare, so gegenwärtig, von ihretwegen zu reichen 
und lesen, aus welchem solchen Befehle der ge 
nannte Wigandus auch so jetzund gesagt, dem 
nachkommen ist und getan hat. Die mit lauter, 
verständiger, klarer Stimme vor uns Notario und 
anderen beschriebenen Zeugen gelesen und mir 
zu meinen Händen gestellt und laut dieser pa 
pierenen Appellationszettel von Worte zu Worte, 
also dieweil . . die Zuflucht, Hilfe und 
das Mittel der Appellation denjenigen, die zu 
ihren Sachen und Rechten geletzt und beschwert 
sind und werden, zu trösten durch die „heligen" 
(heiligen) Rechtssätze gnädiglich erfunden und zu 
gelassen ist, hierum so bringen wir Bürgermeister, 
Rats und ganze Gemeinde, auch dem ehrsamen 
Notario und glaubwürdige Gezeugen hierzu gegen 
und vor, wie das der wohlgeborene Graf Eck 
hard von Nellenburg, Herr zu Thengen 
(Thüngen), dieser Zeit an Statt und im Namen 
auch des wohlgeborenen Grafen Rudolf von 
Sultz, des heiligen Reichs Hofrichter zu Rott 
weil, unsres gnädigen Herrn, mitsamt den Urteils 
sprechern desselbigen Gerichts zu Urteil wider uns
	        

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