Full text: Hessenland (25.1911)

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Bilder für den Holzschnitt, und seit 1875 wandte 
er sich der Aquarellmalerei zu. Vorwiegend malte 
er Landschaften in Verbindung mit alter Architektur. 
Als Privatdozent an der Kgl. Technischen Hoch 
schule zu Charlottenburg wurde er 1895 zum Pro 
fessor ernannt. Zahlreich sind seine Beiträge für 
illustrierte Zeitungen und seine aquarellierten Blätter. 
Auch aus musikalischem Gebiet war er schöpferisch 
tätig und komponierte mehrere Lieder und Orchester 
stücke. Unter seinen hessischen Dialektdichtungen seien 
seine prächtigen, gemütstiesen Erinnerungen eines 
alten Kasselaners „Uß den Käunerjohren" genannt, 
die 1898 anonym (G. T.) im Töllschen Verlag er 
schienen. Theuerkaus war Mitglied der Allgemeinen 
Deutschen Kunstgenossenschast und des Verbandes 
Deutscher Illustratoren sowie Ehrenmitglied des 
Vereins Berliner Künstler und der Neuen literarischen 
Gesellschaft. — Am 10. März starb zu Helsa, säst 
89 Jahre alt, der 1822 zu Schwarzenhasel geborene 
Oberförster a. D. Johannes Rasch. Schon 1847 
wurde er Forstadjunkt des Oberförsters Metz in 
Bracht und später kurhessischer Reviersörster in Helsa, 
nach 1866 Oberförster in Gersseld in der Rhön, 
wo er lange Jahre als Vorstand des Rhönklub 
zweigvereins tätig war. Nach seiner Pensionierung 
lebte er wieder in Helsa, wo er sich außerordent 
licher Beliebtheit erfreute. Mit ihm dürfte der 
letzte kurhessische Oberförster dahingegangen sein. 
Über den Bilstein im Kausunger Wald 
erhielt der Niederhessische Touristenverein aus seine 
Aufrage beim Landwirtschastsministerium die er 
freuliche Antwort, daß die Forstverwaltung nicht 
beabsichtige, diesen der industriellen Ausbeutung zu 
überlassen. Das Gesuch der betr. Gesellschaft um 
Verpachtung dieses durch seine Fernsicht berühmten 
Basallkopses zu Steinbruchszwecken ist also von der 
Regierung abschlägig beschieden worden. 
Personalchronik. Vizeadmiral von Hee 
ringen, ein Sohn des Kurfürstlichen Intendanten 
v. Heeringen und Bruder des Kriegsministers, wurde 
zum Chef des Admtralstabes ernannt. 1855 ge 
boren, gehört er seit 1872 der Flotte an. I960 wurde 
er Leiter der Zentralabteilung des Reichsmarineamts, 
1905 Direktor des Allgemeinen Marinedepartements 
und 1907 Befehlshaber der Ausklärungskreuzer der 
Hochseeflotte — In vielbewunderter geistiger und 
körperlicher Frische beging der Geheime Regierungsrat 
August Fritsch zu Kassel seinen 90. Geburtstag. 
Fritsch gehört zu den beliebtesten Mitgliedern des 
Hessischen Geschichtsvereins, in dessen Sitzungen er 
gern aus dem reichen Schatz seine kurhessischen Er 
innerungen zu erzählen pflegt. — Professor Louis 
Kolitz, seit über 30 Jahren Direktor der Kasseler 
Kunstakademie, wird am 1 Oktober in den Ruhestand 
treten und nach Berlin übersiedeln. Zn Tilsit 1845 
geboren, studierte er zu Berlin und Düsseldorf unter 
Oswald Achenbach, Bendemann und C. Sohn, 
beteiligte sich an den Feldzügen 1866, 1870—71 
und malte zahlreiche Szenen aus dem deutsch- 
französischen Krieg. Seit 1879 wirkte er als 
Professor und Direktor der Kasseler Akademie. Auch 
als Poträtist ist Kolitz weit geschätzt. Die jetzt in 
der Akademie veranstaltete Ausstellung seiner Werke 
enthält unter den Neuschöpfungen auch ein treffliches 
Porträt unseres kommandierenden Generals, des 
Freiherrn v. Scheffer-Boyadel. In Allendors 
a. d. Werra, wo er seit 45 Jahren im Schuldienst 
steht, beging am 8. März Kantor Funke sein 
50 jähriges Dienstjubiläum. 
Die Universität Frankfurt die der 
Magistrat zu Frankfurt a. M. bei den Stadt 
verordneten beantragte und die eine juristische, philo 
sophische und medizinische Falultät erhalten soll, 
würde nicht nur eine starke Bedrohung Marburgs, 
der alleinigen Landesuniversität Hessen - Nassaus, 
sondern auch der hessischen Landesuniversität Gießen 
bedeuten. Wie in der zweiten hessischen Kammer 
die Regierung erklärte, sie werde an geeigneter Stelle 
ihre Bedenken vorbringen so legte man auch im 
preußischen Abgeordnetenhause Protest gegen die 
beabsichtigte Gründung ein. Auch aus dem Komunal- 
landtag für den Regierungsbezirk Kassel brachten 
die Vertreter des Kreises Marburg einen Antrag 
ein, der sich gegen die Errichtung einer Frankfurter 
Universität richtet. Dieser Antrag wurde ein 
stimmig angenommen. Die Marburger Presse betont 
namentlich, daß eine solche Gründung kaum möglich 
fei, ohne die der Landesuniversität Marburg 1866 
garantierten Privilegien umzustoßen. — Es handelt 
sich kurz gesagt, darum, die in Frankfurt schon 
vorhandenen und reich dotierten wissenschaftlichen 
Institute zur Universität zu erweitern. Der Fall 
hat auch deshalb mehr als lokale Bedeutung, weil 
damit zum ersten Mal in Preußen und Deutschland 
der Versuch gemacht werden soll, aus nichtstaatlichen 
Mitteln eine Universität zu gründen, also das Univer 
sitätsmonopol des Staates zu durchbrechen. Es läßt 
sich wohl, was im Interesse Marburgs auss lebhafteste 
zu bedauern wäre, schon jetzt voraussagen, daß die 
Frankfurter ohne große Schwierigkeiten zum Ziele 
kommen werden. Einstweilen nimmt der preußische 
Kultusminister, dem offiziell noch keine Anfrage unter 
breitet wurde, eine zurückhaltende Stellung ein. — 
Die Frankfurter Akademie zeigte übrigens in dem 
jetzt abgeschlossenen Winter-Semester eine Steigerung 
ihrer Frequenz. Die Gesamtzahl der an den Vor 
lesungen teilnehmenden Personen betrug 1781 gegen
	        

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