Full text: Hessenland (24.1910)

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einer der Führer der deutschen Chirurgen. Seine 
Bronzebüste am Haupteingang der neuen chirur 
gischen Klinik zu Berlin wird auch äußerlich die 
Erinnerung an diesen berühmten Kurhessen festhalten. 
Aus der Rhön. Der Webstuhl, mit dem früher 
für etwa 2000 Familien das Brot in das Haus 
geschafft wurde, ist bis auf etliche Exemplare ver 
schwunden. Der Flachsbau ist zurückgegangen und 
die Schafzucht hat heute lange nicht mehr die Be 
deutung wie ehedem. Nach statistischen Quellen 
laufen etwa nur noch 5000 Schafe in der Zentral 
rhön, während das Rhönschas vor Zeiten in vielen 
und starken Herden ausgetrieben wurde. 
Hessische Bücherschau. 
Armbrust, C. Alt-Marburg. Marburg (N. G. i 
Elwrrtsche Verlagsbuchhandlung). Preis 5 Mk 
„Nimm mich in deine trauten Gassen, 
Du alte Stadt der Musen, auf." 
Unter diesem Motto bringt der Elwrrtsche Verlag eine 
vornehme Mappe mit IO Kunstblättern in Vierfarbendruck 
nach Aquarellen des Kasseler Malers Karl Armbrust 
heraus, die für den Freund der freundlichen Lahnstadt 
Wohl zu dem Schönsten gehören mag. was ihm liebe Hände 
auf den Weihnachtstisch legen können. Die auf dunklen 
Karton ausgelegten Blätter find 20x25 cm groß und 
geben gerahmt auch einen prächtigen Wandschmuck ab. Bis 
auf den Ausblick auf das verschneite Schloß zeigen uns 
diese farbenfrohen Blätter das alte liebe Nest mit seinen 
Hängen und steilen Gäßchen im Schmucke des Frühlings 
und Sommers, wo blütenschwerer Flieder sich über Garten 
gitter neigt und alle die Giebel und Winkel von warmen 
Sonnenstrahlen umfangen werden. Schloßtreppe, Hofstadt. 
Michelchen, Kngelgasse, Marbach, Schloßhof, alles das ist 
mit feinem Malerauge geschaut und, meist mit studentischer 
Staffage, wirklich künstlerisch wiedergegeben. Aktiven und 
inaktiven Marburger Studenten kann man wohl kaum eine 
größere Freude machen als mit dieser künstlerischen Gabe. 
Derselbe Künstler hat die im gleichen Verlage erscheinende 
Bilderserie „Hessische Kunst" um vier neue Blätter 
(zum Preis von je 1 Mk.) vermehrt, die gleichfalls un 
eingeschränktes Lob verdienen und sich rasch in Hessen als 
Wandschmuck einbürgern werden. Auch fie bieten durchweg 
hessische Motive und find „Frühling" (Grebenstein). „Herbst" 
(Grifte). „Hexenturm" (Treysa) und „Kleinstadt" (Greben 
stein) betitelt. Heidelbach. 
Böckel, £>. Heimatluft. Selbstverlag. Michendorf 
(Mark) 1910. Preis 2 Mk. 
vr. Otto Böckel hat den „Dorfbildern aus Hessen 
und der Mark" (1908) und den „Napoleonern von 1812" 
(1909) ein neues Buch „Heimatluft" (1910) folgen 
lassen. Böckel schreibt im Vorwort: In den „Dorf 
bildern" habe ich die Heimat, in den „Napoleonern" das 
Vaterland gefeiert; mein neuestes Buch gehört dem Höchsten: 
Gott; es enthält das Tiefste und Reifste, das ich bislang 
schuf. Und so sei denn das neue Lebensbuch „Heimat 
luft" in seinem hellgrünen Gewände, frühlingsgrün, hoff 
nungsfroh. mein Bote zu alten, lieben Freunden und jungen 
Menschenseelen, um den Frühling zu verkünden, der nicht 
von dieser Welt ist. 
Gerungen hab' ich und gelebt. 
Geirrt oft, doch fürs Recht gestrebt. 
Und was ich hielt für treu und echt, 
Dafür ging ich auch ins Gefecht. — 
Vorbei ist alles — eins nur bleibt — 
DaS Zeugnis, das mir Gott bald schreibt." 
Der Inhalt weist über 120 kleinere und größere Er 
zählungen auf. unter denen sich manche von echter Inner 
lichkeit und tiefem Gemüte zeugende Geschichte' befindet. 
Besonders ergreifend sind: „Heilige Stille" „Der Not 
groschen". „Der bucklige Maler" und „Vöglein im Winter" 
Das Buch Böckels wird für viele eine willkommene Weih 
nachtsgabe sein. I. L. 
Lieder zur Laute. 
Brandt, F. H. Singsang zu Drehorgel und 
Zupfgeige. Studenten-, Volks-, Soldaten- und 
Anstichlieder. 3. erheblich vermehrte und mit Sing 
weisen versehene Auflage- 3.—12. Tausend. 120 S. 
Marburg (N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung). 
Preis 1,20 t. c (. 
Meyer. Adolf. Lieder aus derHeimat. 30Schw m 
Volks- und Nationallieder für mittlere Stimme > n t 
Begleitung der Guitarre oder Laute gesetzt. ! i 
Leipzig und Zürich (Gebr. Hug & Co). Preis ' 
Die Mode hat zuweilen auch ihr Gutes. Dazu get. , 
daß Zupfgeige und Laute wieder auf dem Wege ü> 
Hausinstrumente zu werden. Sänger zur Laute tr. ' 
im Konzertsaal und auf dem Brettl vor uns hin, 
Wandervogel auf sonniger Heide, der Handwerks! 
nach des Tages Arbeit wie der Student an der Meti. 
fie alle greifen wieder wie einst die Väter und Un 
zur Klampfe, verschaffen dem herrlichen Erbe der Vor t 
unserm deutschen Volkslied, Gehör und wirken so mit 
einer unsrer erfreulichsten Kulturbestrebungen, die „L"> 
zum Volk und Ehrfurcht vor seinen unvergänglichen SBeile 
neu zu Wecken. Manches durch die Jahrhunderte uu 
verwüstlich gebliebene Volkslied finden wir in der 
Brandtschen Sammlung, die daneben der Fidulität ihr 
Platzrecht gönnt und auch die Schauergeschichte nicht ver 
schmäht. Lautendegleitung ist nicht beigefügt, aber die 
Lieder find durchweg leicht zu begleiten, so daß sich die 
entsprechenden Zupfgeigeakkorde auch beim Anfänger in 
der Klampfenkunst leicht einstellen. 
Die Liedersammlung des Kammermusikers an der Kaffeler 
Hofbühne, Adolf Meyer, hat aus dem großen Schatz 
der Schweizer Volkslieder 30 der beliebtesten Weisen den 
Guitarre- und Lautespielern zugänglich gemacht. Dieses 
lobenswerte Unternehmen, das gewiß reichen Anklang finden 
wird, wäre noch verdienstvoller, wenn sich der Herausgeber 
dieser prächtigen Sammlung bei einer Neuauflage ent 
schließen wollte, nicht nur einem Teil der dialektischen 
Lieder, sondern sämtlichen den hochdeutschen Text bei 
zufügen. da der Vortrag eines unverfälschten Schweizer 
Dialektes nicht jedermanns Sache ist. Die wirksame Lied- 
begleitung ist sehr einfach gesetzt, ohne zu einem charakter 
losen „Schrummschrumm" herabzufinken. Beiden in Heffen 
entstandenen Sammlungen sei eine weite Verbreitung ge 
wünscht. Heidelbach.
	        

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