Full text: Hessenland (24.1910)

tmttb 358 
worden, doch scheint mehrfach zwischendurch die 
Tätigkeit des Verfassers ganz, geruht zu haben, 
da er offenbar später die Ereignisse nachträgt und 
dabei gelegentlich Späteres früher bringt. 
So bringt die Chronik viel Interessantes in 
lokalgeschichtlicher Hinsicht, nicht nur für Stause 
bach, sondern auch für die Umgegend, besonders 
Amöneburg, Kirchhain, Marburg. Doch auch 
sonst findet sich manches Erwähnenswerte. Es 
kommt uns fast als ein Wunder vor, daß die so 
geplagten Leute nicht ganz mutlos wurden, daß 
sie. sobald der Feind fortgezogen, zäh und un 
verdrossen wieder an die Arbeit gingen. Sehr 
bemerkenswert ist ferner, wie schnell sich die bäuer 
liche Bevölkerung von mancher, dem völligen Ruin 
gleichen Ausplünderung erholt. Das zeigt ein 
Vergleich der Jahre 1637 und 1645, in denen 
es Preis gelang, seinen Viehstand von 2 Kühen 
wieder auf 11 Stück Rindvieh, 17 Schweine und 
4 Ziegen zu bringen. Ja, fünf Jahre nach dem 
Krieg, drei Jahre nach Aufhören der letzten Kon 
tribution an die Heere, fand eine Hochzeit in 
Stausebach statt, bei der vier Tage lang 13 Tische 
voll Gäste bewirtet wurden und zwar mit 22 Ohm 
Bier, 12 Va Maß Branntwein, 8 Mött Korn zu 
Brot und 10 Metzen Weizen zu Kuchen gebacken, 
800 Pfund Fleisch von einem Rind, einem Bullen, 
zwei Schweinen und zwei Schafen, außer dem Ge 
flügel , die Hochzeitsgäste hatten 85 Rtlr. geschenkt. 
Interessant für den Meteorologen find die 
großen Temperaturunterschiede der einzelnen Jahre, 
so groß, wie sie heute nicht mehr vorkommen; 
daß z. B. im Mai eines Jahres nur drei Tage 
ohne Frost, in einem anderen Jahre (1661) die 
Kühe und Schafe den ganzen Januar und Februar 
auf die Weide getrieben werden und die Weiber 
ins Gras gehen. 
Wir wollen die Chronik nicht verlassen, ohne 
über einen freundlichen Zug aus dieser wilden, 
rohen Zeit zu berichten, nämlich das gute Ein 
vernehmen der Bevölkerung der Umgegend ohne 
Rücksicht auf die Konfession. Die wohl ursprüng 
lich, da aus Leidenhofen und Wittelsberg stammend, 
evangelische, aber später in Schröck oder Stause 
bach zum Katholizismus übergetretene Familie 
Preis sowie die anderen katholischen Einwohner 
von Stausebach fanden abwechselnd freundliche 
Aufnahme und Zuflucht im evangelischen Kirch 
hain und auf der katholischen Amöneburg, Preis 
sogar im evangelischen Pfarrhaus zu Kirchhain. 
Doch mag die politische Stellung der beiderseitigen 
kaiserlich gesinnten Landesherren dazu beigetragen 
haben. Auch der Kulturhistoriker wird beim Lesen 
der Chronik manches Interessante finden, und be 
sonders der Schulmann wird mit Verwunderung 
sehen, wie gut und gewandt schon damals ein 
einfacher Bauersmann mit der Feder umgehen 
konnte. 
Heilige Klänge. 
Nun ist es füll. 
Der Lärm verstummt, der Strom vorbeigerauscht. 
Möcht' wissen, was mein Ghr noch immer lauscht 
Und sehnt und will. 
Nun ist es still, 
Der Lärm verstummt, der Strom vorbeigerauscht, 
Möcht' wissen, was mein Ghr noch immer lauscht 
Und sehnt und will. 
Es ist so still. 
Manch wirrer Laut und Wort von tausend Zungen, 
Hinaus in Wind und Welt.sind sie gedrungen 
Mit Sang und Spiel. 
Es ist so still. 
Nur einem Kindermunde möcht' ich lauschen, 
Der süßer tönt als Sang und Harfenrauschen 
Und Saitenspiel. 
Marburg. 
Heinrich Elsas. 
Der Begründer der Mllingshänser Malerkolonie 
Am 7. Dezember verschied zu Berlin 81 jährig 
der Genre- und Porträtmaler Professor vr. Lud 
wig Knaus, der als der eigentliche Begründer 
der Malerkolonie Willingshausen in der Schwalm 
gelten kann. Er gehörte zu den ersten, die unsere 
Schwalmgegend aussuchten, um ihr künstlerische 
Motive zu entnehmen, und er, der Liebling des 
deutschen Volkes und einer der wenigen deutschen 
Maler von europäischer Berühmtheit hat in der 
Tat zeit seines Lebens reiche Befruchtung seines 
Schaffens aus seinen Willingshäuser Studien er 
fahren , unter den berühmtesten seiner Gemälde stehen 
diejenigen mit an erster Stelle, die irgend ein Motiv 
aus dem Schwälmerleben zum Ausdruck bringen. 
Knaus ist Wiesbadener von Geburt. Am 5. Ok 
tober 1829 wurde er dort als Sohn eines armen 
Optikers geboren, der mühselig durch Handschleiferei 
Augengläser herstellte. Mit 16 Jahren suchte er
	        

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