Full text: Hessenland (24.1910)

Nr. 24. 
24. Jahrgang. Zweites Dezember-Heft 1910. 
Der Rückzug bet Franzosen nach der -Schlacht bei -Leipzig 
und die Schlacht bei Hanau. 
Nach mündlichen Mitteilungen von Zeitgenossen und sonstigen Quellen 
verfaßt von Friedrich Wilhelm Schmidt. 
(Schluß.) 
Die Schlacht bei Hanau hatte nun ihr Ende 
gefunden. Napoleon hatte die Genugtuung, nach 
der schweren Niederlage bei Leipzig aus dieser 
seiner letzten Schlacht auf deutschem Boden 
als Sieger hervorzugehen, namentlich aber auch 
um deswillen hatte er eine Genugtuung, weil er 
sich sagen konnte, daß dieser, von seinen Anhängern 
überschwenglich aufgebauschte Sieg sehr geeignet 
sei, den Üblen Eindruck zu verwischen, den jene 
Niederlage in Frankreich hervorgerufen 
hatte. In den amtlichen französischen Berichten 
wurde der Verlust bei Hanau nur zu 400 bis 
500 Mann angegeben und über die Eroberung 
von Fahnen rc. Mitteilungen gemacht, die 
lediglich aus der Luft gegriffen waren. Der Ver 
lust der Franzosen betrug tatsächlich mindestens 
15000 Mann. Aber auch der Verlust der Ver 
bündeten war beträchtlich, und soll sich immerhin 
auf etwa 9000 Mann belaufen haben. 
Wrede *) sah sich erst unmittelbar vor der 
Schlacht in die sehr unangenehme Lage versetzt, 
*1 Karl Philipp Wrede wurde am 20. April 1767 
zu Heidelberg geboren, war von Haus aus Jurist und 
mit andern Größen rechnen zu müssen, als die, 
die er von vornherein vermutet hatte, und man 
kann deshalb wohl immerhin sagen, daß er unter 
diesen Umständen das Möglichste getan habe. Er 
schreibt selbst hierüber: „Ich habe dem Kaiser so 
scharf zugesetzt, als es nur möglich war. Ein 
Teil seiner alten Garde ist vernichtet, ich mußte 
angesichts seiner Übermacht und des Mangels an 
Munition in unseren Reihen die Straße freigeben." 
Als Ursache der Mißerfolge Wredes kann wohl 
in erster Linie der Umstand angesehen werden, 
daß er, wie schon erwähnt, in der Meinung stand, 
nur einem Teil der retirierenden Armee entgegen 
treten zu müffen. Auch mußte er annehmen, daß 
der Feind von den Verbündeten mit Nachdruck 
verfolgt werde, hatte doch Fürst Schwarzenberg 
hatte es als solcher bis zum Asseflor beim Kurpfälzischen 
Oberamt zu Heidelberg gebracht. Im Jahre 1794 wurde 
er zum Oberland- und Kriegskommiflar für die Rhein 
pfalz mit dem Titel Oberst ernannt und begann damit 
seine ungemein belangreiche militärische Laufbahn, die er 
als Generalissimus der bayerischen Armee beendete. Er 
starb auf der ihm als erbliches Fürstentum dotierten Be 
sitzung Ellingen am 13. Dezember 1838.
	        

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