Full text: Hessenland (24.1910)

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den Marsch auf der Heerstraße fortsetzten. Napoleon 
stieg zu Rothenbergen in der Dorfschenke ab, 
um daselbst den Ausgang eines Gefechts abzu 
warten, das sich mittlerweile zwischen seinem Vortrab 
und der, wie oben erwähnt, von Hanau aus vor 
geschickten Division Lamotte oberhalb Langenselbold 
entsponnen hatte. Nach hartnäckigem Kampfe wurde 
die gedachte Divisiou nach Langenselbold gedrängt 
und gab nach kurzer Zeit auch diesen Ort auf, 
als dieser unter Artilleriefeuer genommen worden 
war. Schließlich zog sich die Division noch bis 
zu dem östlichen Rande des Lamboywaldes bei 
Rückingen zurück, als die vom Feind versuchte Um 
gehung .ihres linken Flügels nahezu Aussicht auf 
Erfolg hatte. 
Napoleon begab sich nunmehr nach Langenselbold, 
wo er in dem Fürst!. Mnburgschen Schlosse über 
nachtete. — 
Lamotte verblieb in der Nacht in seiner Stellung 
und verließ diese, den ihm erteilten Weisungen 
gemäß, als er am Vormittag des 30. Oktober 
von überlegenen Kräften angegriffen wurde. In 
mustergültiger Ordnung rückte seine Division an 
die Stelle, die ihr in der bei Hanau inzwischen 
formierten Schlachtordnung angewiesen worden 
war. Diese dehnte sich in der Längenrichtung 
vom Köbler Wald bis in die Nähe des vormaligen 
Chausseehauses der Niederrodenbacher Landstraße 
aus und hatte den nahen Lamboywald in der 
Front und die Kinzig überwiegend im Rücken.*) 
Der linke Flügel stand in der Gegend des jetzigen 
Nordbahnhofes zwischen der Heerstraße und dem 
Köbeler Wald, das Zentrum zwischen dieser Straße 
und der Domäne Neuhof und der rechte Flügel 
zwischen der erwähnten Domäne und der Lamboy 
brücke sowie über diese hinaus flußaufwärts am 
linken Ufer der Kinzig. Die österreichische aus 
4 Bataillonen bestehende Brigade Klenan stand 
als Reserve im Gelände am linken User der Kinzig 
oberhalb Hanau und die österreichische Brigade 
Diemer mit 3 Bataillonen im Innern dieser 
Stadt. Ferner stand am Kreuzungspunkt der 
Heerstraße mit dem von Keffelstadt nach der 
Fasanerie führenden Weg eine Reiterabteilung 
mit zwei Geschützen und bei Dörnigheim das 
16. Nationalbataillon (Kempten). Vor dem 
Zentrum sowie vor dem linken Flügel standen, 
zu beiden Seiten der Heerstraße, 28 Geschütze. 
Auch beim rechten Flügel und bei der Reserve 
befand sich Artillerie mit zusammen 30 Geschützen. 
Außerdem waren zur Flankendeckung des linken 
*) Als Napoleon von dieser Stellung Kenntnis genommen 
hatte, soll er (nach I. von Grabowski) geäußert haben: 
„Armer Wrede, zum Grafen konnte ich ihn erheben, aber 
einen General konnte ich nicht aus ihm machen." 
Flügels in den Fallbachwiesen und am Köbeler 
Wald auf dem nach Windecken führenden Landweg 
das aus 2 Regimentern Kosaken, 1 Eskadron 
Husaren sowie 1 Eskadron freiwilliger Jäger be 
stehende Streifkorps des österreichischen Obersten 
von Mensdorf aufgestellt. Dem Scheibler- 
schen Streifkorps war eine Stellung vor dem 
Nürnberger Tor und dem aus 130 Reitern be 
stehenden Streifkorps des Majors v. Colomb 
die Beobachtung der Kinzigbrücke gegenüber von 
Niederrodenbach anvertraut. 
Nach Heilmann standen: am linken Flügel 
5 Bataillone Infanterie, 46 Eskadrons Kavallerie, 
im Zentrum 9 Bataillone Infanterie, 4 Eskadrons 
Kavallerie und 28 Geschütze, am rechten Flügel 
15 Bataillone Infanterie und 8 Geschütze und in 
Reserve 8 Bataillone Infanterie, 3 Eskadrons 
Kavallerie und 22 Geschütze, zusammen 37 Ba 
taillone Infanterie, 53 Eskadrons Kavallerie und 
54 Geschütze. Außerdem kommt bezüglich des 
linken Flügels noch das bereits erwähnte Mens- 
dorfsche Streifkorps in Betracht. 
Die Streitkräfte der Franzosen sollen an diesem 
Tage aus 6er Division alten Garde, 2 Divisionen 
junger Garde, aus dem Korps Viktor, einer aus 
verschiedenen Korps zusammengesetzten Abteilung, 
sowie aus dem Rest der Kavallerie in einer Ge 
samtstärke von etwa 36 000 Mann bestanden haben. 
Die anderen Korps waren noch weit zurück, das Ber- 
trandsche sogar noch in der Gegend von Schlüchtern. 
Kaum hatte die Lamottesche Division die in 
der Schlachtordnung ihr angewiesene Stelle ein 
genommen, erschienen am Ausgange des Waldes, 
dem Zentrum gegenüber, die Franzosen mit zahl 
reichen Plänklern nnd gingen alsbald zum Angriff 
über, der aber, besonders infolge des überaus wirk 
samen Artilleriefeuers. mit sehr großen Verlusten 
zurückgeschlagen wurde. Diese wurden besonders 
im Walde durch die in großer Masse abge 
schossenen Baumäste herbeigeführt, wodurch auch 
umfangreiche Bewegungshindernisse entstanden. 
Die hierauf noch mehrmals und in größeren 
Maffen, auch auf dem rechten Flügel, versuchten 
Angriffe hatten bis nachmittags 3 Uhr im all 
gemeinen keinen befferen Erfolg. 
Um diese Zeit hatte Napoleon seine inzwischen 
gesammelte Artillerie an einer geeigneten Stelle 
gegenüber dem linken Flügel der Verbündeten 
auffahren und rechts von dieser seine angeblich 
12 000 Mann starke Kavallerie zum Angriff 
bereitstellen laffen. Es entspann sich nun nach 
einer vorausgegangenen, aber mit Entschiedenheit 
von den Verbündeten zurückgewiesenen Kavallerie 
attacke ein überaus heftiger Artilleriekampf, bei 
dem schließlich die Artillerie der Verbündeten
	        

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