Full text: Hessenland (24.1910)

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Der Wartmann auf dem Gradberg, der bei 
Scherfede liegt, soll als JahreSlohn empfangen 
vom Kloster Hardehausen 2 Gulden, von Wille- 
badesfen 17a, von Peckelsheim 2, von Großeneder 2, 
von Lütgeneder Via, von Eißen 1, von Hohen 
wepel 1, von Dössel 7a, von Menne 1, von 
Ossendorf 1, von Nörde 7», von Rimbeck 1, 
von Scherfede 7-, von Bonenburg 1 /a, von Löwen 1; 
dies Geld nimmt der Abt von Hardehausen auf 
und zahlt ihm seinen Lohn. Aus der Aufzählung 
der zur Leistung eines Beitrags verpflichteten Orte 
läßt sich ein ziemlich sicherer Schluß aus die Führung 
und Ausdehnung der Wehrlinie ziehen. Man kann 
annehmen, daß das große Waldgebiet nördlich der 
Diemel zwischen Westheim und Scherfede mit einem 
Knick verwahrt war, daran schloß sich im offenen 
Gelände an der Diemel die Landwehr von Scherfede 
bis Marburg. Wenn man die Lage der beitrags 
pflichtigen Orte erwägt, dann sollte sich der Schutz, 
den die Warte und die Landwehr boten, etwas 
mehr als eine Meile rückwärts erstrecken. 
4. Eine Landwehrlinie innerhalb der 
Warburger Börde. 
Derselbe Erzbischof Dietrich, der die oben an 
geführte Urkunde ausstellen ließ, bekundete am 
13. Oktober 1429 „also dat vurgs. van borgen- 
tryke und borgholtze mit hulpe anderer unses 
Landes umme nutzes willen des vurgs. Stiftes 
Paderborn eyne tzwyveldige Lantwere gegrauen 
hebbet".*) Die Städte Borgentreich und Borg 
holz gehören zu den vielen Landstädten im Gebiet 
der unteren Diemel, die als Dörfer von mäßiger 
Größe ummauert wurden, Stadtrecht erhielten 
und dann durch den Einbau zahlreicher benach 
barter Anfiedlungen Feldfluren von gewaltigem 
Umfang erhielten. Der Urkunde nach soll die 
Landwehr beginnen bei der Tückemühle (Zokomolen) 
an der Bewer V/a km südöstlich von Borgholz. 
Aber schon von einem steinernen Wartturm, der 
27- km nördlich von Borgholz und nahe bei 
dem Dorfe Rothe steht, zog noch vor einigen 
Jahren der Wall am Rand einer tiefen Schlucht 
südwärts zur Bewer, er hat dieselbe Abmessung 
und Form wie die beschriebene Landwehr bei 
Trendelburg. Die ältere preußische Generalstabs 
karte (1:80 000 Sektion Brakel) verzeichnet sowohl 
hier als auch südlich der Mühle Spuren in einer 
Gesamtlänge, von 5 km, während der Wall jetzt 
fast allenthalben zerstört ist. Der Urkunde zufolge 
ging sie weiter südwärts durch die Marken der 
Wüstungen Herbersen und Emerke zum Körbecker 
Bruch, dann in westlicher Richtung zwischen Dinkel 
burg und Rösebeck zum Egelbach, wie die alte 
*) Zeitschr. f. Wests. Gesch. 39' S. 178 Anl. 2. 
Landwehr verlausen wäre. Falls sie nicht etwa 
auch hier verlängert worden ist, wie das im Norden 
nachgewiesen werden kann, betrug ihre Länge im 
ganzen rund 15 km. Die beiden besonders stark 
gebauten Warten, von denen die eine auf dem 
Spiegelsberg bei Bühne, die andere am Aalberg 
zwischen Körbecke und Rösebeck stehen sollte, sind 
nicht erhalten; im 18. Jahrhundert muß aber 
die Ruine der ersteren noch gestanden haben, denn 
bei ihr sollte sich der Troß der alliierten Armee 
aufstellen, als Herzog Ferdinand am 24. Juni 
1762 die Diemel überschritt, um die Franzosen 
bei Grebenstein anzugreifen. In der Urkunde ver 
fügte der Erzbischof ferner, daß jede Verlängerung 
oder Verstärkung der Wehranlage von seiner Ge 
nehmigung abhängen solle. 
II. 'ötadtlandwehren. 
1. Die Wehrlinien um Hofgeismar.*) 
Als Hessen im späteren Mittelalter das Erzstift 
Mainz im Diemellande Schritt um Schritt zurück 
gedrängt hatte, war die Stadt Hofgeismar mit 
ihrer Schutzburg, dem Schöneberg, endlich so ziemlich 
isoliert. -Das war Grund genug für sie, sich möglichst 
zu befestigen und besonders auch die Feldmark durch 
ein System von Wehrlinien zu verwahren. Eine 
Urkunde über ihre Errichtung liegt nicht vor, indes 
ist nicht nur sicher, daß sie von der Genehmigung 
des Stadtherrn abhing, sondern es ist auch wahr 
scheinlich, daß dieser im eigenen Interesse dazu 
mithalf, daß seine Stadt befestigt würde. 
Bei der beständigen, unerträglichen Unsicherheit, 
die allenthalben auf dem Platten Lande und ins 
besondere in der Umgebung der festen Plätze herrschte, 
ging von den zahlreichen kleinen Dorfsiedelungen, 
die zum Amtsbezirk gehörten, eine nach der andern 
aus. Ihre Bewohner zogen sich hinter den Schutz 
der Stadtmauern zurück, sie blieben zunächst in 
ihrem seitherigen Stande und schloffen sich als 
Feldgenossen zu Körperschaften zusammen, deren 
gründlich umgewandelte Reste sich bis auf den 
heutigen Tag unter dem Namen der Meierschaften 
erhalten haben.* **) Und die gleichen Verhältnisse 
zeitigten sowohl im hessischen als im westfälischen 
Teile unsereres Gebiets dieselben oder doch ähnliche 
Erscheinungen, denn nicht nur in Hofgeismar und 
Zierenberg, sondern auch in Borgentreich, Brakel 
und in andern Orten gibt es jetzt noch Sonder 
gemeinschaften von jener Art. Allmählich wurden 
auch diese Beiwohner Bürger, so daß sich an ihnen 
die Wahrheit des Wortes bewährte: Bürger und 
Bauer scheidet nichts als die Mauer. 
*1 Dgl. die Skizze in Nr. 17. 
**) Vgl. den Aufsatz des Verfassers im .Hessenland" 1907 
Nr. 16 u. 17.
	        

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