Full text: Hessenland (24.1910)

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der Zänker, verwandelte das bisherige Stift Nieder- 
Altaich in ein Mönchskloster, und der vortreffliche 
Erkanbert wurde dazu ausersehen, als Abt die 
Regel des hl. Benedikt einzuführen. Dieser ließ 
den Brüdern freie Wahl, entweder Mönche zu 
werden oder das Kloster zu verlassen. Sie wollten 
sich zwar widersetzen, wurden aber allesamt aus 
gewiesen und zogen in die Welt. Nur der Propst 
Godehard blieb zurück und legte das strenge Mönchs 
gelübde ab. Erkanbert ernannte ihn, der sich un 
ermüdlich im Gehorsam und in der Befolgung der 
klösterlichen Ordnung erwies, zum Prior, bald 
darauf wurde er mit der Würde der Priestertums 
bekleidet. 
Der alte Herzog Heinrich war gestorben. Durch 
verleumderische Beschuldigungen wußten einige 
Geistliche, insbesondere einige von denen, die aus 
dem Kloster vertrieben worden waren, den jungen 
Herzog, den späteren Kaiser Heinrich II., gegen 
den Abt Erkanbert derart aufzubringen, daß er 
ihn kurzerhand seiner Würde entsetzte. Godehard 
sollte nun Abt werden, aber er wollte nicht. Er 
sprach es unerschrocken auf einer Synode in Regens 
burg in Gegenwart des Königs aus, daß er das 
Amt nicht annehmen könne, weil Erkanbert nach 
seiner Ansicht unschuldig und überhaupt ohne recht 
mäßiges Verfahren abgesetzt worden sei. Durch 
seine Weigerung, dessen Nachfolger zu werden, 
opponiere er gegen das Geschehene, und keine Macht 
der Welt könne ihn bewegen, das seinem ehe 
maligen verehrten Abt zustehende Amt zu über 
nehmen. 
Wenn Godehard erwartet hatte, durch diese 
schroffe Ehrlichheit sich die Gunst seines Fürsten 
verscherzt zu haben, so hatte er sich sehr getäuscht. 
Nur um so höher stieg er in des Herzogs Achtung und 
dringend bestand dieser auf die Annahme der Abts 
würde. Aber erst nach Jahresfrist, als ihn Heinrich 
im Kloster persönlich aufsuchte und ihm vorstellte, 
wie sehr die Klosterzuchl in Nieder-Altaich in der 
Zwischenzeit schon verfallen wäre, und wie be 
dauerlich das gerade jetzt sei, wo man am Ende 
der Zeiten stände — man glaubte, daß im Jahre 
1000 die Welt untergehen würde — entschloß er 
sich, sich dem Wunsche seines Fürsten zu fügen (996). 
Nicht genug zu rühmen weiß der Chronist des 
jungen Abtes Tätigkeit für sein Kloster und, bei 
aller Strenge, seine Fürsorge für die Mönche. 
Aber Godehards Wirkungskreis sollte nicht auf 
Nieder-Altaich beschränkt bleiben. Als 1001 Abt 
Gozbert von Tegernsee starb, übertrug ihm der 
Herzog auch dieses Kloster, um dort die rechte 
Zucht einzuführen und die Regel Benedikts zur 
Geltung zu bringen. In 14 Monaten entledigte 
er sich dieser Ausgabe. „Das ist überhaupt die 
Weise dieser Klosterreformen, daß man einem an 
seiner Stelle bewährten Meister eine ganze Reihe 
von Klöstern unterordnet: man nimmt an, daß 
er, wenn die Umbildung vollzogen, die Schwierig 
keiten des Anfangs überwunden sind, zurücktreten 
und einem geeigneten Nachfolger die Fortsetzung 
des Werkes überlassen werde. Heinrichs vornehmster 
Wanderabt sollte eben Godehard sein. Und welche 
Gaben berufen ihn auch zu dieser Mission! Gode 
hard vereinigt mit Formen, die ihm, auch wenn 
er den Hof lieber vermeidet, zu einem immer gern 
gesehenen Gast seines Königs machen, eine populäre 
Ader, die ihn antreibt, sich unter das Volk zu 
begeben, wo es sich zu Heiligentag und Kirchweih 
zusammendrängt, ihm hier zu predigen, an seinen 
Nöten teil zunehmen. Der asketische Trieb , der 
ihm innewohnt, beeinträchtigt bei ihm mitnichten 
die Liebe zu den Studien. Auch war diese Liebe 
zur Wissenschaft keine einseitige: früh und spät 
weiß er von ihr sowohl als auch von seiner Ge 
sinnung dem jungen Geschlecht mitzuteilen. Bei 
allem Schwung, mit dem er die neue und große 
Bewegung der Klosterreform vertritt, zeichnet ihn 
doch auch jjene Nüchternheit aus, die Heinrich vor 
nehmlich schäüt." 
Das war oer Mann, dem der König nun nach 
Abt Bernhars Tode die Leitung der Abtei Hersfeld 
anvertraute, um das Klosterleben in ihr zu refor 
mieren. 
Erzbischof Willigis von Mainz führte den neuen 
Abt in sein Amt ein und unterrichtete ihn ein 
gehend über die dortigen Zustände. Bald hatte 
Godehard, schreibt Wolfher, mit dem ihm an 
geborenen Scharfsinn alles genugsam durchschaut, 
und nun griff er kräftig durch. Was er ver 
nünftig fand, ließ er bestehen, was er aber als 
ungeziemend und für den Namen und das Leben 
der Mönche nachteilig erkannte, wußte er mit dem 
Grabscheit geistlichen Eifers schleunigst auszurotten. 
Er machte nicht viele Worte; wie einst Erkanbert 
in Nieder-Altaich stellte er die Brüder einfach vor 
die Wahl, entweder die Regeln des hl. Benedikts 
nach bestem Wissen und Können zu befolgen oder 
das Kloster zu verlassen, seine Tore ständen ihnen 
offen. Eine kleine Klosterrevolution war die Folge. 
Es war für die Verwöhnten gewiß eine harte 
Maßregel: ihre schönen Wohnungen sollten sie 
verlassen und in die nüchternen Zellen zurückkehren, 
die üppigen Tafeln sollten verschwinden und die 
derbe Klosterkost, die dem leckeren Gaumen nicht 
verlockend erscheinen wollte, sollte an ihre Stelle 
treten. Die Herren gewesen waren, sollten sich wieder, 
und zwar unter einen» strengen Zuchtmeister, beugen 
lernen. Aber was half alle Empörung, was nutzten 
alle Bitten und Drohungen, an dem eisernen
	        

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