Full text: Hessenland (24.1910)

Heinrich II. und das Kloster Hersfeld. 
Von Wilhelm Neuhaus-Hersfeld. 
Benutzte Literatur: 
Die Lebensbeschreibung des Bischofs Godehard von Hildes- 
Heim. Nach der Ausgabe der Monumenta Germaniae 
Übersetzt von Hüffer. 
Hauck, A.. Kirchengeschichte Deutschlands. III. Teil. 
Hirsch, S., Jahrbücher des deutschen Reichs unter Hein 
rich II. 3 Bände. 
Hafner, Ph., Die Reichsabtei Herdfeld bis zur Mitte 
des 13. Jahrhunderts. 
Wilhelm, A.B., Geschichte des Klosters Memleben. I.Abt. 
Kaiser Otto III. war im Jahre 1002 gestorben. 
Er hinterließ ein in seinen Grundfesten erschüttertes 
Reich, und es bedurfte der Mannesarbeit fast eines 
Menfchenalters, um das alte Ansehn dieses Reiches 
wiederherzustellen. Heinrich II., 1002—1024, 
hat dieses Werk vollbracht. Er war schon ein 
kranker Mann, als er den Thron bestieg, aber 
kraftvoller haben nicht viele deutsche Kaiser regiert. 
Seine Macht stützte Heinrich aus den Bund 
mit der Kirche, sie hat ihn heilig gesprochen und 
zu einem Mönch gemacht, der er aber nicht ge 
wesen ist. Seine Freundschaft mit der Kirche 
war aus politischer Notwendigkeit geboren. Denn 
sie allein hatte seit Karl dem Großen aufs kräf 
tigste, schon im eigenen Interesse, die Idee der 
Reichseinheit den immer mächtiger gewordenen 
Herzogsgewalten mit ihren partikularistischen Ab 
sichten gegenüber vertreten. Nur mit Hilfe der 
Kirche konnte damals die Einheit der Nation 
erhalten werden. Dazu war Heinrich ein auf 
richtig frommer Herrscher, der ganz von dem 
heiligen Ernst seines Erziehers, des hl. Wolfgang 
von Regensburg, des kirchlichen Reformators 
Bayerns, durchdrungen war. Seine oft gerühmte 
Freigebigkeit gegen die Kirche war ihm Herzens 
sache; manches deutsche Bistum verdankt ihm die 
Grundlagen seiner Macht. Aber niemals hat sich 
Heinrich als Diener der Kirche gefühlt, im Gegen 
teil, fester als je ein König zuvor nahm er die 
Regierung auch der kirchlichen Angelegenheiten in 
seine Hand. Wohl förderte er die Bedeutung und 
das Ansetzn der kirchlichen Institutionen, aber 
damit war für sie keine Zunahme an Selbständig 
keit verbunden: was die Kirche erhielt, blieb dem 
Könige dienstbar. Die Kirchen müßen Schätze 
besitzen, hat er einmal gesagt, denn wem mehr 
gegeben ist, von dem kann auch mehr verlangt 
werden. Die Festigkeit seiner Herrschaft über die 
Kirche zeigt sich an einem besonders entscheidenden 
Punkte: bei der Besetzung der Bistümer. Heinrich 
hielt unweigerlich daran fest, daß die bischöfliche 
Würde ein vom König zu verleihendes Amt sei, 
und ohne sich um Nom zu kümmern, hat er
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.