Full text: Hessenland (24.1910)

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IV. 
War es bis jetzt Krieg und Streit, was uns 
die Hersfeldischen Urkunden und Akten zeigten, so 
führen uns andere Urkunden aus ein friedlicheres 
Gebiet: Fünf Urkunden betreffen eine Schuld von 
600 fl., die die Stadt Alsfeld für den Landgrafen 
Ludwig 1451 bei den Brüdern Hermann und 
Heinrich Gerwig, Schultheißen zu Hersfeld, auf 
nahm. Drei davon sind in Ebels Regesten II, 
Nr. 77, 82, 88 enthalten. Nr. 77 vom 20. De 
zember 1451 enthält die Eingehung der Schuld. 
In Nr. 82 überträgt die Witwe Heinrichs, Katha 
rina, 200 fl. dieses Guthabens auf ihren Schwieger 
sohn Joh. Gocz, Bürger zu Treisa, und dessen 
Hausfrau Barba (1454. Juni 23.). Nach Nr. 88 
ist dieser Teil von der Stadt abgelöst; es werden 
Bestimmungen darüber getroffen, wie die übrigen 
Zinsen unter die Erben Hermanns und Heinrichs 
Gerwig verteilt werden. Es erscheinen als die 
Erben u. a. der Burgmann Henne Schaufuß zu 
Alsfeld und drei Klosterjungfrauen zu Haida. 
(1460 März 26.) Ganz ähnliche Bestimmungen 
treffen die Urkunde vom 10. März 1466, wovon 
das Archiv eine gleichzeitige Abschrift, und vom 
19. März 1466, wovon es das durch Schnitte 
entwertete Original auf Pergament bewahrt. Diese 
Urkunden alle zeigen uns einmal die bedeutende 
Wohlhabenheit des damaligen hessischen Patrizier 
standes, aus dem ja manche, wie die Schaufuße, 
sich damals dem Adel zugesellten, und die enge 
Verbindung, in der die hessischen Städte unter 
einander standen. 
Ganz friedlicher Art sind die beiden letzten Stücke, 
die wir mitteilen wollen. Es sind Einladungen 
zu Hochzeiten nach Hersfeld aus dem Familien 
archiv der Volckmar. Diese Schriftstücke lassen 
uns einen freundlichen Blick in die bei aller Rauh 
heit doch herzliche und tüchtige Art der Altvorderen 
tun. Nebeneinandergestellt zeigen sie zugleich, wie 
im 30 jährigen Krieg der Verkehr mit anderen 
Nationen, zumal den romanischen, die Höflichkeits 
sitten noch verfeinert hatte. 
1) Meinen willigen Dienst zuvor. Frundlicher 
lieber Vetter, nach dem ich mich durch Gottes Ver 
setzung und Hüls meiner Eltern und Frundschaft 
an des ehrwürdigen und hochgelarten Ä. Flugers 
Dochter Kungunden ehlichen bestattet, bin ich ver- 
mittelst gotlicher Genaden und Segen Vorhabens, 
daffelb mein angefangen Ehewerk den 24ten Fe- 
bruarii Montags nach Sexagefimae, für der christ 
lichen Gemein zu volnziehen und Hochzeit zue halten. 
Weil ich denn solchs ohn ehrlicher leut Hüls übel 
vermag zu verrichten und ich mich alzeit aller 
vetterlichen Treu zu euch als meinem lieben Vetter 
versehen, Als gelanget an euch und meine geliebte 
Schwegerin mein dinstliche Bitt, Ir wollet den 
Sontag zuvor sampt gedachter euer lieben Haus- 
sraun und Kindern euch alhier verfugen und nach 
mals denselbigen mit euer Geigenwertigkeit helfen 
ziren und leisten. Wo ich das widerumb umb 
euch und die euern kahn beschulden, habt Ihr mich 
iderzeit willig. Geben zu Hersfeldt den 25ten 
Januarii anno rc. 84 (1584). 
E. W. Vetter 
M. Johans 
Volcmar. 
Rückseite: Dem erbarn und vorsichtigen Johan 
Volcmarn Burger zu Lautter- 
bach meinem srundlichen lieben 
Vettern. 
2) Mein bereitwillige Dienst Jederzeit zuvor. 
Ehrnhafter und achtbar, günstiger und freundlicher 
lieber Herr Vetter! 
Demselben füge ich hiermit zu wissen, daß ich 
mich durch sonderbare Fügung Gottes des All 
mächtigen, auch mit sonderlichem Wissen, Willen 
und Beliebung beiderseits Eltern und Freundschaft 
mit der tugentsamen Jungfrauen Anna Cathrina 
Kurtzcnrttin. des ehrwürdigen und wohlgelarten 
Johannes Kurtzcurtten Pfarrherr zue Hohenkirch- 
heimb eheleiblichen Tochter, ehelich verlobt und 
versprochen, auch nunmehr meinen christlichen Kirch 
gang und hochzeitlichen Ehrentagk vermittels gött 
licher Gnade schierstkuuftigen Donnerstag!, wird 
sein der 12t. Oetobris, alhier zu Herßseldt zu- 
volnziehen entschloßen; bey welcher angestelter 
Ehrenfreude, weil ich under andern eingeladenen 
Herrn und Freunden auch E. E. in der Person 
gern sehen und haben möchte, Als gelangt an die 
selbe mein freundliches und fleißiges Pitten, sie 
wolle den Tagt zuvor zeitlichen alhier ankommen, 
nach beschehner Einlosierung der hochzeitlichen Freude 
einen Anfang machen, auf bestiembten Ehrentagk 
mit zur Kirchen gehen, Gott den Herrn umb seinen 
reichen Segen helfen anrufen, und diesen christlichen 
Kirchgang mit ihrer persönlichen Praesens und 
Gegenwart eonäeeoriren, ferner nach vollbrachtem 
Gottes-Dienst und beschehener Copulation dasjenige, 
was der mildreiche Gott an Speyß und Trank 
bescheeren wird und aufgetragen werden soll, mit 
andern anwesenden Herrn und Freunden in aller 
Fröligkeit genießen. Daran geschicht mir ein 
großes Wohlgefallen, und bins auch hinwiederumb 
mit meinem geringen Diensten zu verschulden uhr- 
bietig und willig, uns beyderseits hiermit Gött 
lichem Schutz und Obacht empfehlend. Datum 
Hersfeldt am 6ten Oetobris Anno 1653. 
E. E. und A. (Euer Ehrnhaft u. Achtbar) 
dienstwilliger Vetter 
Johann Geörg Volckmar.
	        

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