Full text: Hessenland (24.1910)

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bach vermachten. Zum Dank für diese Stiftung 
ließ ihnen die Stadt Lauterbach ein steinernes 
Grabmal errichten, das auf dem Alsfelder Friedhof 
noch heute zu seheu ist. 
Es müssen recht stattliche Güter gewesen sein, 
die die Brüder in Hersfeld besaßen; es waren 
darunter Wiesen „an der Geyß", „in der Meisen 
bach", „hindern Siechen", „im Vogelgesang", 
Garten „am I'seies", „am Frauentor", Äcker 
„im Schlippental", „beim Heiligenhaus" u. a. 
Haus und Scheune besaßen sie dagegen dort nicht. 
Von diesen Gütern hatten die Brüder natürlich 
ihre Steuern zu entrichten, und diese wuchsen in 
den langen Kriegszeiten zu ganz außerordentlichen 
Höhen. Die Pachten dagegen gingen selten ein, zumal 
die Pächter selbst oft nichts von den Gütern hatten. 
So schreibt einer von diesen, Hermann Ulner, 
daß er „inner dreyen Jahren, weil die Marketender 
und andere Reuter alhier die Wiesen und Garten, 
weil dieselbe negst bey der Stadt und hinder 
Siechen gelegen, ausgehüetet und das Gras mit 
einander abgemehet haben, nicht das geringste 
genossen habe" (1626, März 4.) Die Stadt 
rechnete aber den Brüdern hohe Kriegssteuern an, 
und als diese sich beschwerten, gab sie ihnen den 
schönen Rat, sie sollten sich in Hersfeld ins Spital 
einkaufen (auf diese Art konnte sie deren ganzes 
Vermögen besteuern). Doch die Brüder gingen 
darauf nicht ein, entrichteten lieber ihre Steuern, 
und zwar 1626—29 nicht weniger als 216 fl. 
Schon 1630 kam wieder eine freundliche Ein 
ladung an die Brüder, sie sollten nach Hersfeld 
kommen, damit ihre Güter für die „Kriegsbürte 
und Contribntionen" neu eingeschätzt würden. 
(Dezember 16.) 1631 hatte die Stadt wieder 
schwer zu leiden, so daß sie „mit dem beschwerlichen 
Kriegswesen belegt und durch die beharrliche Kriegs 
last, sonderlich die jüngst erlittene zwei Feltlager 
vor anderen eußerst erschöpft und ermattet worden" 
(Dezember 23). Die Folge waren neue hohe 
Steuern für die Brüder. 
Einige Jahre hielten diese den Druck aus. 
Dann kamen aber 1634 Zeiten, wo auch der 
bestgefüllte Geldbeutel den Anforderungen nicht 
mehr nachkommen konnte. In Lauterbach, dem 
Wohnsitz der Brüder, stiegen die Kriegskosten ins 
Unerschwingliche. Allein nach den in den Akten 
enthaltenen Notizen hatten die Brüder vom 
November 1634 bis Juni 1637 in Lauterbach 
außer den Lieferungen aus dem Haushalt 
900—1000 fl. zu tragen. Und dabei blieben 
die Schuldner und Pächter mit ihren Zahlungen 
rückständig. Die Volckmar flüchteten nach Alsfeld. 
Dort trafen im Sommer 1637 neue Mahnungen 
von Hersfeld ein. Die Bürgermeister ließen sie 
wegen der rückständigen Steuern der drei Jahre, 
316 Reichstaler und 7 Albus, zitieren. Aber 
„wegen der streifenden Soldaten" konnten sie nicht 
kommen. Einen erschreckenden Blick in die Zustände 
jener Zeit lassen uns die Worte tun: „Warumb 
wir aber in vielen Jahren nicht naher Herßfeldt 
kommen, ist die Ursach, weil wir für Feinde ge 
halten worden und gesehen, daß viel erschlagene 
Bürger und Bürgers Söhne auf Wagen gen Als- 
feldt bracht*), auch von glaubwürdigen Leuten ge 
hört, daß viele gefangen weggeführt und groß 
rannion geben müssen, und niemand oft sicher im 
Wald, Feld und Garten fein kann." 
Die Brüder weigerten sich also nach Hersfeld 
zu kommen; wohl aber boten sie den Bürger 
meistern an, diese sollten 112 fl. und 1 Kopfstück, 
die ihnen von wohlhabenden Leuten dort ge 
schuldet wurden, fordern und an ihrer Schuld ab 
ziehen. Dazu bestritten sie die Höhe der Schuld. 
Soviel als an Steuern gefordert würde, nähmen 
sie in 3, ja auch in 9 Jahren nicht ein. Dazu 
sei „unlaugbar, daß in unser Wiesen im Vogel 
gesang 2 mal Schanzen aufgeworfen worden und 
wir davon einzureißen geben müssen anno 34: 
7 Kopfstück 3 Albus und Hans Wettleuffer von 
der andern (also nach 1637) 8 fl. einzuwerfen, 
auch ein Hut- und Rennplatz aus unserm Garten 
am Frauentor gemacht und die Wacht den Zaun 
verbrannt." 
Der Rat beachtete diese Einwürfe nicht, gab 
sich auch nicht mit dem Eintreiben der Volck- 
marischen Guthaben ab, sondern gab kurzer Hand 
dem Herrn Hans Wettleuffer die Wiese im Vogel 
gesang zur Nutznießung gegen Bezahlung der rück 
ständigen 316 Reichstaler 7 Albus und 5 Reichs 
taler „Jmmissiongeld". Später forderte man von 
den Brüdern, daß sie dem Wettleuffer die vorgelegte 
Summe, aber dazu auch die von ihm entrichteten 
Steuern zurückzahlten, was freilich ein sehr un 
billiges Verlangen war. Erst lange nach dem 
Kriege 1651 einigte man sich dahin, daß die 
Brüder an Kontribution von 1633 — 50 inklusive 
213 Reichstaler 12 Albus 3 Heller bezahlten und 
sich auch mit dem damaligen Bürgermeister Joh. 
Wettleuffer verglichen. Ein Teil, der stehen blieb, 
wurde nach 6 Wochen eingemahnt. Wir verstehen 
es, daß Stamm Volckmar nach dem Ableben seiner 
Brüder die Hersfelder Güter abgab. Sie hatten 
ihm und den Brüdern nicht viel eingebracht, aber 
viel Ärger und Verdruß bereitet. 
*) Bezieht sich auf das Gefecht bei Ohmes am 7. Juni 
1637 zwischen niederhesfischen Soldaten und Darmstädter 
Soldaten und Bürgern und Bauern aus Alsfeld und 
Umgegend. Es fielen von Bürgern und Bauern etwa 
100, aus Alsfeld 26.
	        

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