Full text: Hessenland (24.1910)

NSE. 119 
«M» KmtmMern VM 1891 an 2 °/o Erhebege» 
bühr von den Landeskreditkafsenzinsen, 10 °/o von 
dem Kalenderdebit, 3 % von den Depositen in 
barem Gelde (wenn die Rentnerei am Gerichtsort 
war), gezahlt. Bei Depofition von Wertsachen 
und Wertpapieren wurde für jede Niederlegung 
1 Taler vergütet. Hieraus ergibt sich von selbst, 
daß die Einkommen der Rentmeister sehr verschieden 
waren, denn die Erhebeprozente bildeten einen 
Hauptteil des Einkommens. Derjenige also, der 
wenig Landeskreditkassenzinsen zu erheben und keine 
Depositenkafse, auch keine Erhebung indirekter 
Steuern hatte, war den andern gegenüber im 
Nachteil. 
Die Rentmeister zu Hofgeismar hatten folgendes 
Einkommen: 
Gehalt als Rentmeister 600 Taler 
Gehalt als Nebensteuerbeamter 200 „ 
Unständige Dienstkosten ..... 200 » 
Erhebeprozente von der Landeskreditkaffe, 
durchschnittlich ... . 2OO „ 
Desgleichen vom Kalenderdebit. durch 
schnittlich . .... IO „ 
Deposttalgebühren, *) durchschnittlich . . IO „ 
Von der Fourageverwaltung. za. 90000 
Fouragerationen ä 2 */* Heller . . 625 „ 
= 1845 Taler. 
Daneben erhielt der Rentmeister 12 Viertel 
Korn, das Viertel für 4 Taler, und 16 Klaftern 
Buchenscheitholz, die Klafter für 1 Taler 20 Sgr. 
Für die ihm überwiesenen Grundstücke usw., als: 
1. das vollständige Rentereigebäude nebst 2 Acker 
großem Garten dahinter; 2. einen Garten vor dem 
Sälbertore, am Totenhofe; 3. einen Garten daselbst. 
*) Während der Zeit des Baues der Kurfürst Fried 
rich Wilhelms - Nordbahn betrugen die Gebühren etwa 
60 Taler jährlich. Der Justizbeamte als Mitdepofitar 
erhielt ebensoviel. 
im Köhlerschlage; 4. ein Stück Land im hohlen 
Wege; 5. eine Wiese bei der Ziegelhütte; 6. eine 
Wiese am Pfasfenberge; 7. ein Stück Fischwasser 
in der Diemel und der Warme bei Liebenau, zahlte 
der Rentmeister 103 Taler Pachtgeld jährlich. 
Die Kautionen der Rentmeister waren ver 
schieden, aber mäßig. So hatte der Rentmeister 
zu Hofgeismar 2300 Taler Kaution gestellt, lvährend 
diejenige des Stadtrezeptors daselbst (Kurve hieß 
der Mann und war aus Bovenben gebürtig) 
1300 Taler betrug. 
Die Rentereien wurden von Zeit zu Zeit auf 
Anordnung der Oberfinanzkammer durch sogen, 
reisende Kassenkontrolleure (Probatoren der Ober- 
finanzkammer) revidiert. Während der Dienst 
zeit meines Schwiegervaters, des Rentmeisters Eoll- 
mann, ist die Renterei Hofgeismar jedoch nur 
einmal, im Jahre 1830, revidiert worden. Von 
1830 bis 1850 hat sich kein Kassenkontrolleur sehen 
lassen. 
Wie nach Vorstehendem die Verhältnisse der 
Rentmeister verschieden waren, so war auch der 
Umsang der ihnen obliegenden Geschäfte verschieden. 
Ich kenne nur den Umfang der Renterei Hofgeismar*) 
und werde ihn im folgenden darzulegen versuchen. 
Da diese Renterei am Kreishauptorte, in einer 
Garnisonstadt und unmittelbar an dem Bade und 
Gesundbrunnen lag, auch die Entfernung von der 
Nächsten Grenze keine 2 Stunden betrug, so war 
sie zu den umfangreichsten und schwierigsten im 
Kurstaate zu zählen. Sie hatte mit säst allen 
Oberbehörden zu tun; ich habe deshalb im folgenden 
auch die einzelnen Geschäftszweige nach diesen ah- 
geteilt. (Fortsitzung folgt) 
*) Der Verfasser war i» dieser Renterei in den Jahren 
1839 bis 1850 als Gehilfe tätig. 
Johann Balthasar Schupp. 
Von Karl Vogt in Bonn. 
<s~AAA (Schluß.) 
Schupp in Braubach und Münster. (Forts.) 
Allgemein bekannt ist, daß Schupp die Jnter- 
essen seines Fürsten bei den Friedensverhand 
lungen zu Osnabrück und Münster mit Geschick 
vertreten hat. Seine Abordnung dorthin erfolgte 
am 7. April 1648, und über Bonn und Düffel- 
dorf reiste er hin. Die Briese, die er von dort 
aus mit dem Landgrafen und anderen gewechselt 
hat, sind von Nebel im zweiten Bande der „Mit 
teilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins" 
(Gießen 1890) veröffentlicht worden. Sie zeigen 
den vielseitigen Mann auch als geschickten Di 
plomaten und als Seelsorger seines fürstlichen 
Herrn, der sich nicht scheut, ihm ins Gewissen zu 
reden, wmn er mit einer Forderung desselben 
— Anfechtung der Primogenitur! — nicht ein 
verstanden ist. Als Vertreter des Landgrasm 
Johann ging Schupp nach Münster. Aber er 
kam nicht als solcher wieder. Seine Familie 
blieb allerdings vorläufig noch in Braubach; er 
aber trat in die Dienste des schwedischen Gesandten 
Johann Oxenstierna, er ward „Hofprediger 
bei der Königlich Schwedischen Legation", 
wie er sich einmal selber nennt und in späteren
	        

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