Full text: Hessenland (24.1910)

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Davon gingen Liebenau bereits im 18. Jahrhundert, 
HrlmarShausen 1831 und Trendelburg 1867 ein, 
während die Renterei Sababurg nach Gieselwerder 
verlegt wurde. 
Da in älteren Zeiten die Rentmeister häufig dem 
Offiziersstande entnommen wurden, so waren sie oft 
auch Kommandeure oder doch Stabsoffiziere der Land- 
regimenter. Sie hatten also in jeder Beziehung 
eine hervorragende Stellung inne. 
Mit dem Antritt der Regierung durch Kurfürst 
Wilhelm II. änderte fich dies Verhältnis. Durch 
das Organisationsedikt vom 8. November 1824 
wurde die Verwaltung von der Justiz getrennt und 
für diese besondere Kreisämter mit Landräten und 
Kreissekretären eingerichtet. Der Amtmann*) hatte 
fortan nur die mit der Rechtspflege verbundenen 
Gefchäftr zu erledigen, der Rentmeister blieb in seiner 
Stellung, nur die Offizierstätigkeit hörte auf, da 
die Landregimenter aufgelöst wurden.**) 
Den ersten Stoß erhielt in Hessen die Stellung 
der Rentmeister durch die Verfassung vom 5. Januar 
1831. Die Leitung der Löfcharbeiten wurde ihnen 
mit Recht abgenommen und den Landräten über 
tragen. aber sie verloren auch infolge des aus der 
Verfassungsurkunde basierenden Ablösungsgesetzes 
vom 23. Juni 1831 die Erhebung der Zehnten, 
Tristen usw. Da die ebenwohl infolge der genannten 
Verfassung errichtete Landeskreditkasse den 
Pflichtigen Darlehen zu 2 bis 3 °/o hergab, waren 
Dienste, Zehnten und Tristschnitt sehr bald abgelöst und 
den Rentmeistern ein großer Teil ihrer Amtsgefchäfte 
genommen. Dagegen erhielten sie die Erhebung der 
Zinsen und Kapitalabträge, sowie alle sonstigen Ge 
schäfte für diese Landeskreditkasfe übertragen. 
Nach dem Gesetze vom 23. Juni 1831 war die 
Ablösung der Gefälle in den freien Willen der 
Pflichtigen gestellt, und es unterließen fast alle, die 
Geld- und Fruchtzinsen abzulösen. Durch das Gesetz 
vom 26. August 1848 wurde aber die zwangsweise 
Ablösung aller derartigen Lasten innerhalb dreier 
Jahre angeordnet, und nun verloren die Rentmeister 
auch diese Erhebung. 
Nach der Einverleibung Hesiens in Preußen 
(8. Oktober 1866) hörten auch die Rentereien auf 
zu bestehen und an ihre Stelle traten einfache Steuer 
erhebestellen. Die Rentereien (Steuerkassen) behielten 
nunmehr nur noch die Erhebung der direkten Steuern 
und hier und da die Erhebung der Forstgefälle. 
Die Holzverkäufe, die bisher die Rentmeister be 
sorgten, wurden den zu Oberförstern erhobenen Revier- 
förstern übertragen. Die Amtsbezeichnung Rent- 
*) Dir amtliche Bezeichnung war „Justizbeamter" 
,**) Die Landregimenter waren 1813 nicht wieder errichtet 
worpen, wohl aber ein Landsturm, dessen Offiziersstellen 
vielfach die Rentmeister bekleideten. 
meister kam in Wegfall, an ihre Stelle trat die 
Bezeichnung „Steuererheber". Neben der Erhebung 
der direkten Steuern blieb den Stellen die Erhebung 
der Landeskreditkaffenzinfen und der Brandsteuern, 
sowie die Zahlung der Wegebaukosten für die 
Kommunalverwaltung, der diese Geschäftszweige zu 
gewiesen waren. Vom 1. Januar 1891 ab fielen 
auch diese Geschäfte aus, da die Kommunalverwal 
tung besondere Rendanten („Landesrentmeister") be 
stellte. 
Die Steuererheber, denen übrigens später ge 
stattet wurde, den Titel „Rentmeister" zu führen, 
behielten also nichts als: die Erhebung der direkten 
Steuern, bzw. der Forstgesälle, die Auszahlung der 
Gehalte und Pensionen.*) 
Das Einkommen der Rentmeister war eben 
wohl dem Wechsel unterworfen. In älterer Zeit 
erhielten sie einen Gehalt von etwa 300 Talern 
für das Jahr, daneben aber standen ihnen Erhebe 
prozente von den meisten Einnahmen zu, auch waren 
mit den Stellen sonstige Nebeneinnahmen, nament 
lich freie Benutzung eines besonderen Hauses, sowie 
von Gärten, Grundstücken usw. verbunden, wie denn 
auch der Rentmeister Anspruch aus Deputatholz und 
die nötige Frucht hatte. 
Für Eindorre und Mäusefraß bei den zu er 
hebenden Fruchtgefällen wurden 2 °/o vergütet. 
Mit dem Jahre 1831 hörte diese Art der Be 
soldung auf; die Rentmeister wurden fixiert (wie 
sie damals, weil sie sich benachteiligt glaubten, 
sagten: „vexiert") und erhielten die Gehaltsklaffen 
von 600 bis 800 Talern. Alle Erhebeprozente 
fielen fort, auch die freie Benutzung von Wohnung 
und Grundstücken, sowie der freie Bezug von Holz 
und Frucht hörte auf, doch wurde hierfür nur ein 
mäßiger Betrag erhoben. Diejenigen Rentmeister, 
denen zugleich die Erhebung der indirekten Abgaben 
übertragen war (es waren nur wenige), erhielten 
daneben weitere Gehalte und zwar die Nebensteuer 
beamten 200 Taler, die Untererheber 100 Taler.**) 
Die Rentnerei I zu Kaffel und die Rentnerei zu 
Hofgeismar hatten bis zum Jahre 1850 außerdem 
die Fourageverwaltung für die Kavallerie zu be 
sorgen und es wurden den Rentmeistern daselbst 
für die Ration 3 Heller, später 27* Hellers) ver 
gütet. Die Lieferung des Korns an die Kommiß 
bäcker wurde unentgeltlich besorgt, dagegen wurden 
*) An Stelle der Steuerkassen find mittlerweile die 
Kreiskassen getreten, deren Rendanten wiederum die Amts 
bezeichnung „Rentmeister" führen. 
**) Der Betrag von 200 Talern stand auf dem außer 
ordentlichen Etat und wurde nur neben dem Hauptgehalte 
gezahlt, wenn dieser 600 Taler betrug; stieg dieser, so 
wurde jener entsprechend gekürzt, sö daß zusammen nie 
mehr als 800 Taler gezahlt wurden, 
t) 2'/. Pf. bzw. 2 Pf.
	        

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