Full text: Hessenland (24.1910)

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bundene Gewerbe von neuem angeregt und vertieft 
haben.*) (N. d. Oberh. Ztg.) 
*) Wir möchten bei dieser Gelegenheit einmal anfragen, 
wo die mit figürlichen Trachtendarstellungen versehenen 
Kacheln Hans SautterS hingeraten find, die für die 
Eingangshalle des Marburger Bahnhofes bestimmt waren. 
lVgl. „Hessenland" 1909, S. 140 f.) Warum hat man 
diese echt volkstümlichen und auch künstlerisch durchaus 
wertvollen Wandplatten, wie es scheint, in letzter Stunde 
abgewiesen? Es wäre interefiant, nähere Gründe zu er 
fahren. * 
Marburger Hochschulnachrichten. Professor 
Dr. Walter Schückiug wurde von dem Institut 
für internationales Recht in Paris zu dessen Associe 
gewählt. — Der Privatdozent am zoologischen In- 
stitut Professor vr. Joh. Meißenheimer hat 
einen Nus nach Jena angenommen. — Zur Zeit 
bestehen an der Universität 28 Verbindungen. 
In diesem Jahr feiert das Korps Teutonia das 
75. Stiftungssest, das Korps Guestphalia das 70., 
die Burschenschaft Arminia das 50., die Turner 
schaft Philippina, der Wissenschaftlich-Theologische 
und der Akademisch-Philologische Verein das 30. 
Todesfälle. Am I. April verstarb zu Düssel 
dorf der am 29. September 1815 zu Kassel geborene 
Akademieprosessor Dr.Andreas Achenbach, der 
aus dem Gebiete der deutschen Landschastsmalerei 
bahnbrechend gewirkt hat. Beziehungen zu seiner 
Vaterstadt, die er schon im Jahre nach seiner Geburt 
mit seinem Vater verließ, scheint er nicht unter 
halten zu haben. 
Zu Homburg vor der Höhe verschied am 7 April 
in dem hohen Alter von 88 Jahren Frau Eveline 
von Soden st ern, die unter dem Pseudonym 
E. v. Stern sich schriftstellerisch betätigte. Sie schrieb: 
Paul und Virginie, Ballett (1891), Bettina, Sing- 
spiel (1892), Manuela, Operntextbuch (1894), Hero 
und Leander. Dramatisches Ballett (1896), Die 
schöne Müllerin, Ballett (1899). Die Verstorbene 
war in Kassel geboren und war bis zu ihrem Ende 
ihrer Vaterstadt in warmer Anhänglichkeit zugetan. 
In Hanau starb am 13. April 80jährig Pfarrer 
Friedrich Wilhelm Junghans, ein trefflicher 
Kenner der hessischen Geschichte, der sich namentlich 
auch durch sein Werk: „Versuch einer Geschichte 
der freien Reichsstadt Gelnhausen" einen Namen 
gemacht hat. 
Am 15. April verschied zu Kaffel der ehemalige 
kurhesfifche Aktuar, Kanzleirat Heinrich Keßler, 
fast 76 Jahre alt. Wie einige seiner gleich ihm aus 
der höheren juristischen Laufbahn hervorgegangenen 
Standesgenossen (Stern, Rogge-Ludwig, Neuber) 
war er ein eifriger Forscher auf dem Gebiete der 
heimatlichen Geschichte. Er hat wiederholt Vorträge 
im Hessischen Geschichtsverein gehalten und auch im 
„Hefsenland" einige Aufsätze veröffentlicht. Dem 
kenntnisreichen schlichten Manne bleibt ein ehrendes 
Andenken gesichert. 
Verschiedenes. Für den Neubau eines hes 
sischen Landesmuseums in Kassel bewilligte die 
Budgetkommission des Abgeordnetenhauses die erste 
Rate von 302 000 M. Die Gesamtkosten stellen 
sich nach dem superrevidierten Kostenanschlag auf 
829 000 M. — Line außergewöhnliche Ehrung 
wurde dem um die Förderung des Handwerks hoch 
verdienten langjährigen Vorsitzenden des Handels- 
und Gewerbevereins, Stadtrat Karl Ruetz in 
Kassel, dadurch zuteil, daß ihn sämtliche Kasseler 
Innungen einstimmig zu ihrem Ehrenmitglied er 
nannten. — Im Festsaale des Kaffeler Rathauses 
wurde eine von einer großen Anzahl von In 
dustriellen im Stadtteil Bettenhausen gestiftete 
Statue aufgestellt. Sie verkörpert allegorisch die 
Industrie und ist ein Werk des Kasseler Bildhauers 
Professor Bernewitz. Die Übergabe an den Ma 
gistrat erfolgte mit einer Ansprache des Stadtrats 
Schwiening. — Die 20. Jahresversammlung des 
Hessischen Städtetages findet am 20. und 
21. Mai in Fulda statt. — In Marburg wurde 
am 15. April die erste Wanderausstellung 
des Kasseler Kunstvereins eröffnet. Der Katalog 
umsaßt nahezu 200 Nummern. — Zur Erinnerung 
an die am 19. Juli 1809 aus dem Forst zu Kassel 
erschossenen hessischen Patrioten, den Hosrat Stern- 
berg-Marburg und die Soldaten Muth-Ockers 
haufen und Günther.Sterzhausen wird in den 
unteren Anlagen am Marburger Schloß ein D e n k - 
stein errichtet.— Zu Ehren Proseffors Ludwig 
Knaus-Berlin, des Begründers der Malerkolonie zu 
Willingshausen, wurde dort eine Gedächtnislinde 
gepflanzt und damit ein Schwälmer Fest verbunden. 
Die „Kasseler Allgemeine Zeitung" schreibt dazu: 
„Schade, daß nicht alle Jungen in Schwälmer 
Kleidung waren. Allein es hat den Anschein, als 
ob die originelle Tracht — wohl am meisten infolge 
der Anregung durch die hier lebenden Künstler — 
hier wieder im Zunehmen begriffen wäre. Auf 
Veranlassung der Genannten wurde bei dem Tanze 
auch der „Schwälmer" von den jugendlichen Tänzern 
mehrmals geübt. Es wäre zu wünschen, daß das 
Beispiel auf der Schwalm recht viel Nachahmung 
fände, damit ein echtes Stück Volksleben in der 
alten Weise der Väter erhalten bliebe. Es ist in 
erster Linie den hiesigen Künstlern zu danken, wenn 
Schwälmer Originalität, Sitten, Gebräuche, echte 
ursprüngliche Bauart, Hausgeräte und Möbel wieder 
in Ansehen gebracht werden. Hoffentlich ist der 
Erfolg nicht nur ein scheinbarer, sondern ein voll 
ständiger auf der ganzen Schwalm." — Zur
	        

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