Full text: Hessenland (17.1903)

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tagen. Die Vorderseite her Mappe schmückt das alte 
Felsennest Greifenstein zwischm Westerwald und Dilltal 
und läßt durch dessen kraftvolle künstlerische Ausführung 
schon erkennen. was von dem Inhalte nach dieser Richtung 
zu erwarten ist. Hans Meyer ist ja auch ein Künstler, 
welcher unter den Münchener Vertretern der Schwarzweiß 
kunst in erster Reihe steht und auch bereits in seiner 
Heimatstadt Kassel durch wiederholte Ausstellungen von 
Werken seiner Hand aufs vorteilhafteste' bekannt wurde. 
Me von ihm für den Kalender gewählten Motive find 
durchweg von hohem malerischen Rerz, poefievoll erfaßt, in 
Licht und Schatten prächtig abgetönt, perspektivisch meister 
haft konstruiert und in der technischen Ausführung von 
unfehlbarer Sicherheit. Da sehen wir Spangenberg mit 
seiner hoch aufragenden Feste; das alte gotische Schloß zu 
Marburg, als dunkle Silhouette vom hellen Horizont sich 
abhebend; das bergumkränzte Karlshafen aus der Vogel 
schau mit dem schimmernden Silberband der Weser. Sodann 
haS liebliche Diemeltal nebst Trendelburg, unser abwechs 
lungsreiches Fuldatal nebst Guxhagen und Breitenau, 
sowie das weit zu unsern Füßen sich dehnende Lahntal 
mit seinen pittoreske» Burgruinen. Ferner unsern alten 
^ Großen Christoph" auf dem Kamme d«S Habichtswalde«, 
den Haustein und Ludwigstein im Werratal. sowie den 
tzeiligenberg und Felsberg in reizend sonniger Stimmung, 
worauf wir dann noch überaus lohnende Ausflüge machen 
auf die Höhe des Auerbacher Schlosses mit der wunder 
baren Fernsicht über den Odenwald. Dann weiter zu 
de« romantischen Taunusdörfchen Eppstein mit reizvollem 
verfallenen Kastell und schließlich in die betreffs der 
Stimmung trefflich gelungene winterliche Rhön. Und 
sämtliche genannten hervorragenden Schönheiten unserer 
näheren und ferneren Heimat können wir erstehen um den 
so -sehr billigen Preis von zwei Mark. Also alles in 
allem: eine künstlerisch wertvolle, originelle und außer- 
ordentlich preiswürdige Festgabe, deren Erwerbung mit 
gutem Gewissen angelegentlichst empfohlen werden kann. 
—a— 
Reskexlichter!! Ein Bilderbuch für alte Kinder. 
Humoristische Dichtungen von Conrad Lamp- 
mann. Illustriert von Adolf Wagner. 
Berlin (Rich. Eckstein Nachs., H. Krüger). Sle- 
gant broschiert M. 2.—.vornehm gebundenM.3.— 
Das vorliegende „Bilderbuch für alte Kinder" rührt 
von zwei hessischen Landsleuten her, von denen der 
ÄMe des Illustrators als eine« geschätzten Kunstmalers 
dem , Publikum nicht fremd ist. Conrad Lampmann aber 
tritt hier zum ersten Male mit einem Buche hervor. Der 
Hxrr Herfaffer hat sich die Aufgabe gestellt die Menschen mit 
ihren Leidenschaften und Fehlern in der Tierwelt und in 
sachlichen Gegenständen, widerzuspiegeln, ohne dabei die seit 
her übliche Form der Fabel anzuwenden. Fehlte das Porträt 
des „pessimistischen Straßenköters", könnte man bei dem 
Gedicht „der Paria" beispielsweise in Zweifel geraten, ob 
ein-Mensch oder ein Hund der Redende sei. Em kerniger 
Humor tritt fast in allen Gedichten zu Tage, von denen 
„Die verfall'ne Starenburg' den Lesern des „Heffenland" 
«US Pr. 10 des lfd. JahrgS. bereits bekannt ist. Um Ge 
dichte dieser Art schreiben zu können, muß der Blick für 
die Eigentümlichkeiten der Tiere besonders scharf sein, eine 
Fähigkeit, die der Herr Verfaffer jedenfalls besitzt , aber 
auch: heblose- Gegenstände nehmen unter seiner Behandlung 
eigenartiges Leben an, wie dies u. a. „Der verdrehte Haus 
schlüssel" beweist. .Aus den rein menschlichen Begebniffen 
ist -Das Kamel" hervorzuheben. Hin und wieder könnte 
die Ausdrucksweise eine abgerundetere sein und eine Be 
schränkung der Anführungsstriche eintreten, welche letzteren 
beji den meisten Worten, falls sie nicht wie bei „Stratuari", 
ich .»Die verirrte Geige" (Seite 77) eine abweichende Form 
betnerklich machen sollen, überflüssig find. 36 Zeichnungen 
Achvlf Wagners geben dem Humor Lampmanns auch 
äußere Gestaltung und veranschaulichen das Leben auf 
dem Hühnerhof. vor der Hundehütte u. s. w. mit ebenso 
treffenden Zügen wie die Episoden aus dem menschlichen 
Dasein. 8. 
Sphinx. Poetische Originalrätsel, Charaden, Ana- 
. gramme, Homonyme usw. von Marie Schn- 
macher. Neue Folge. Kassel 1904. 
Der Name de« Buches gibt schon Kunde vom Alter des 
Rätsels, das von allen geistig entwickelten Völkern gepflegt 
worden ist. Wir lesen, daß die Königin auS dem Lande 
Arabia zu dem weifen Könige Salomo reifte, um ihn mit 
ihren Rätseln zu versuchen, und kennen die rätselwütige 
Prinzessin Turandot. Seit jenen alten Zeiten ist man 
nicht müde geworden, sich gegenseitig Rätsel aufzugeben 
und ihre Zahl ist schier unermeßlich, denn seitdem die 
Zeitungm und Zeitschriften entstanden find, dürfen in 
drnstlbrn Rätsel nicht fehlen, gar nicht zu gedenken der 
wieder auS der Mode gekommenen Taschenbücher, in denen 
„Agrionirn" ständig vertreten waren. Fräulein Schu 
macher, deren liebenswürdiges Talent, Rätsel in ansprechen 
den poetischen Formen zu gestalten, bereits durch eine 
beifällig aufgenommene Sammlung in weiteren Kreisen 
bekannt ist. hat soeben einen neuen starken Band, aus den 
verschiedensten Rätselarten bestehend, veröffentlicht, besten 
Inhalt sich vorwiegend durch geistvolle Erfindung, Witz 
und hübsche Einkleidung auszeichnet. Für den einzelnen 
sowohl wie für den Familienkreis find diese sich über alle 
Gebiete verbreitenden Fragen eine sehr anregende Unter 
haltung. da da« Jntereste dabei stets wach gehalten wird. 
Die kütm Seiten de« Bandes aber tut der Leser gut. nur 
im äußersten Notfall aufzuschlagen. Auf ihnen befinden 
sich dir Lösungen, die er später nur zur Kontrolle benutzen 
sollte, da er sich sonst um den Hauptgenuß des Buches 
bringt. — Att Probe fei die nachfolgende zweisilbige Charade 
wiedergegeben, deren Auflösung der Name einer bekannten 
hessisch«! Schriftstellerin ist: 
Nicht alle find klug oder «ich. In niedern Hütten wie im Schloß, 
Nicht dick gläeklich und zufrieden; Im Märchen, wie in unsern Tagen. 
Da» Erste aber völlig gleich Am «ckerpflug und hoch zu Kotz 
Ist jedem hi« zu sein beschirden. Kannst du nach meinem Zweiten 
fragen. 
Me alle» Schöne ist eö zwar Bedeutendes daS Ganze weiß 
Vergänglich, ad« still im Innern In seinen Schöpfungen zu bieten, 
Bewahren wir mit weitzem Haar Und einen großen Leserkreis 
Ihm «och «in seliges Erinnern. Erwarben feines Geistes Blüten. 
8. 
„Vor dreißig Jahren." Rückerinnerungen 
eines Dreiundachtzigers. Von Franz Plitt. 
3. verbesserte Auslage. Kassel (Selbstverlag) 1903. 
Broschiert Mk. 1.60; elegant gebunden Mk. 2.25. 
Durch seine frische und unmittelbare ErzählungSart hat 
das vorliegende Büch sich einer sehr freundlichen Aufnahme 
zu erfreuen gehabt und in den weitesten Kreisen Verbreitung 
gtsuüden. Auf kaiserlichen Befehl wurde es durch düs 
Kri^Sministerium den Generalkommandos empfohlen und 
bei -den verschiedenen Truppenteilen eingeführt. Die nun 
erschienene dritte wesentlich verbesserte und vermehrte Auf 
lage bringt u. a. auch das namentliche Verzeichnis sämtlicher 
1870/71 Gefallenen des Regiments. sowie der mit dem 
Eisernen Kreuz dekorierten Offiziere und Mannschaften. 
Außer de« BiÜ>e des damaligen Kronprinzen und mehrerer
	        

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