Full text: Hessenland (17.1903)

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an, dessen Familiensitz Schloß Welda bei Warbyrg 
in der Nähe der hessischen Grenze ist. Freiherr 
von Brockel widmete sich der militärischen Laufbahn, 
trat aber schon in jungen Jahren aus der vaAr- 
ländischen Armee in die Dienste des Kirchenstaates. 
Später ging er nach Mexiko, wo er als Oberst 
leutnant unter dem Kaiser Maximilian diente. 
Nach dessen Tode blieb er als Privatmann in 
Mexiko und gab sich wissenschaftlichen Studiert HÜi, 
deren Ergebnisse er in den angesehensten Zeit 
schriften veröffentlichte. Ungefähr vor acht Jahren 
kehrte er nach seiner deutschen' Heimat zurück und 
nahm seinen Wohnsitz 'in 'Kassel, 'wo er .'seines 
liebenswürdigen Wesens und seiner ausgebreiteten 
Kenntnisse wegen in den gesellschaftlichen Kreisen 
sehr geschätzt wurde. Noch bis vor kurzem von 
großer Rüstigkeit, machte das Alter sich mit über 
raschender Schnelligkeit bei ihm bemerklich, und ohne 
an einer Krankheit gelitten zu haben, schied er 
dahin. Seine Beisetzung fand am 26. November 
in Welda statt. Der Verewigte war Ritter des 
Gregorius- und des Piusordens. 
-7—' 
^esstsch^ Bücherschau 
Justi- Ferdinand. Hessisches Trachtenbuch. 
3. Lieferung. 44 Seiten Folio mit 8 Blättern 
Farbendruck und 4 Abbildungen im Text. Mar 
burg (N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung) 
1903. Preis M. i— 
Nachdem von diesem als Veröffentlichung der Historischen 
Kommisfion für Hessen und Waldeck herausgegebenen 
Prachtwerk I960 und 1901 die beiden ersten Lieferungen 
erschienen find*), liegt nunmehr die dritte Lieferung als 
willkommene Weihnachtsgabe vor. Diese bringt in Fort 
setzung der Beschreibung der einzelnen Trachten weMch 
der Lahn diejenigen aus dem Kreise Biedenkopf, ferner die 
Tracht von Battenbergs die fich durch ihre bunten Farben 
auszeichnende Tracht der katholischen Dörfer und endlich 
die Tracht bei Marburg. Der Herr Verfasser gibt, soweit 
nötig unter Mitteilungen aus der politischen Geschichte 
der betreffenden Gegenden, eine bis ins einzelnste eingöhäkde 
Darstellung der zu jeder Tracht gehörigen verschiedenen 
Teile, wobei er die Entwicklung geschichtlich erläutert Und 
unter Angabe der dialektischen Bezeichnungen hierzu wert 
volle sprachliche Erklärungen bietet. Die vom Herrn Ver 
fasser selbst gezeichneten, reizvoll ausgestatteten farbigen 
Tafeln zeigen uns die mit Stickereien bedeckten Teilt! der 
Kleidung im größeren Maßstab und führen uns durch 
lebensvolle Darstellungen mitten unter die Bevölkerung, 
deren Trachten beschrieben werden. Wir sehen fit zum 
Ausgang zur Kirche bereit, auf dem Wege in die Kirche, 
Besuch empfangend, ruhig und still im Zimmer fitzend 
oder mit landwirtschaftlichen Arbeitm beschäftigt: Allen 
Freunden deutschen Volkstums in und außerhalb Hessehs 
wird auch diese neue Lieferung eine wertvolle Gabe sein. 
Hildesheim. Otto Gerland. 
*) Vergl, „Hessenland" 1899,6.311,327; 1900,6.804; 
1901, S. 12. 
(Heußner, vr. Alfred:) Die französische 
Kolonie in Kyssel. 8 °. Magdeburg ^Hein- 
richShosen) 1903. (— Geschichtsblätter r-des 
Deutschen Hugenotten-Bereins. Bd.XII.HeftH/3.) 
In der vorliegenden, höchst verdienstlichen Arbmt-'He- 
handelt der Herr Verfasser (Pfarrer der Oberneustädter 
Gemeinde zu Kassel) die Geschichte der französischen Kolonie, 
welche mit der Oberneustadt bekanntlich aufs engst»' in 
Verbindung steht. Nach einer kurzen kritischen Übersicht 
der Literatur entwirft uns Herr vr. H. ein apschaMHes 
Bild der allgemeinen Lage und politischen Verhältnisse, 
welche der Gründung der Kolonie vorausgingen, bsspttcht 
sodann die Gründung selbst und die hugenottische Ein 
wanderung, die fich in zwei Abteilungen.' 1685—87 und 
1698 vollzog, die Erbauung der Kirche, und schildert 
dann eingehend die rechtliche Verfassung der Gemeinde, die 
in kommunaler Beziehung eine gewiffe Selbständigkeit be 
saß (Freiheit vom Zunftzwang usw.). Hieran reiht fich 
die Darstellung der kirchlichen Verfassung. deren Grund? 
läge die französische Kirchenordnung von 1559 bildete, der 
Gottesdienstordnung, des Bekenntnisstandes, des Pres 
byteriums, der Kirchenzucht, der allgemeinen Kirchenvrrwal- 
tung und der vortrefflich geordneten Armenpflege; eine 
Liste der französischen Prediger, dereri letzter, Karl Georg 
Wilhelm Robert. 1825 starb, ist eine auch familien 
geschichtlich interessante Beigäbe. „Die Hugenotten", so 
schließt der Verfasser, „haben überall im Sinne der Toleranz 
und Union gewirkt, sie haben ihre Kirchen- und Synodal 
ordnungen nach Deutschland verpflanzt, haben zuerst.das 
Muster einer wirklichen Armenpflege vorgeführt und find 
vorbildlich geworden durch ihre ernste Kirchenzucht". 
Die Abhandlung des Herrn Dr. H.. welche fich auf 
ein umfangreiches und sorgfältig bearbeitetes Urkunden- 
und Aktenmaterial stützt, bweutet eine wertvolle Bereiche 
rung unserer hessischen Literatur, sowohl nach ihrer kirchen 
geschichtlichen Seite hin, als bezüglich der Geschichte unserer 
Heimatstadt. Zu wünschen wäre nur, daß der Herr Ver- 
faffer mit seiner Arbeit bald recht viele Nachfolger unter 
den hessischen Theologen fände. Die Schwierigkeiten, welche 
fich der Bearbeitung solcher Monographien entgegenstellen, 
dürsten doch keine unüberwindlichen sein, zymal die Vor 
arbeiten durch die amtlich geführten Pfarreichroniken schon 
ein gut Stück gefördert sind. vr. Lge.. 
Hessischer Kalender 1904 mit Original- 
Lithographien nach Studien aus Hessen-Nassau 
und dem Großherzogtum Hessen von H. Meyer- 
Kassel m München. Kaffel (ErnstHühn). M.2.- 
Hinter hem,,bescheidenen Titel verbirgt fich ein Kunst 
werk. dem man im Interesse der Heimatkunde und Heimat 
liebe eine recht grvße Verbreitung wünschen möchte. Dieser 
eigenartige Kalender, welcher'in der Gebrüder Gotthelft- 
schen lithographischen Anstalt zu Kaffel hergestellt ist. hat 
die Form einer geschmackvoll ausgestatteten Mappe von 
25 cm Höhe und 42 cm Breite. Dieser Umschlag enthält 
zwölf Original - Lithographien nach Studien aus Heffen- 
Naffau und dem Großherzogtum Heffen von HanSMeyer- 
Kaffel, deren jede' einzelne als wundervolles LandschaftS- 
gebildr bezeichnet werden kann und den respektablen Raum 
von 18 >< 28 cm einnimmt. . Die ist moderner Linien- 
ornameytik gehaltene Umrahmung birgt den eigentlichen 
Kalender nehst den historisch bedenffamsten hesfischenÄedenk-
	        

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