Full text: Hessenland (17.1903)

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Oktober nach fast fünfzigjähriger Dienstzeit auf 
sein Nachsuchen in den Ruhestand getreten ist. dort 
selbst feinen Wohnsitz genommen. Mit ihm ist. 
die Richtigkeit der Mitteilung vorausgesetzt. der 
letzte ehemals kurhessische Offizier aus dem Ver 
bände der aktiven Armee geschieden. 1866 stand 
der Genannte als Leutnant bei dem kurhessischen 
JägerbatMon, in das er 1854 eingetreten war. 
Hessischer Geschichtsverein. In der am 
30. November abgehaltenen Monatsversammlung 
des Hessischen Geschichtsvereins zu Kassel 
hielt Herr Oberlehrer Grebe einen Vortrag über 
„Das Gefecht am Speyerbach", das vor 
nunmehr 2Y0 Jahren, am 15. November 1703, 
stattgefunden hat. Der Herr Redner betonte, daß 
er keine genaue Beschreibung vom militärischen 
Standpunkt aus geben, sondern nur in schlichter 
Weise den Hergang des oft genannten, aber wenig 
bekannten Treffens erzählen wolle. Nach einer 
kurzen politischen Übersicht über die Weltlage zu 
Beginn des spanischen Erbsolgekrieges, in dem der 
Landgraf Kars von Hessen sich aus die Seite des 
deutschen Kaiser- Leopold, wohin er gehörte, gestellt 
und diesem ÜWO Mann Soldaten mit mehreren 
seiner Söhne, darunter seinen Erbprinzen Friedrich, 
ins Feld geschickt hatte, gelangte der Vortragende 
zur eingehenden Schilderung des für die Hessen 
und die gesamten kaiserlichen Truppen so unglück 
lichen Tages. Oie Hauptursache des verlorenen 
Treffens gegen die Franzosen . unter Marschall 
Tallard scheiyt in der Rivalität zwischen beiden 
Heerführern, hem Grasen von Nassau-Weilburg 
und dem Erbprinzen Friedrich von Hessen, sowie 
in dem Umstande gelegen zu haben, daß die von 
ihnen befehligte kaiserliche Armee, die zum Entsatz 
von Landau endlich herangerückt war. zwei Ruhe 
tage erhielt, statt den Feind sofort anzugreifen, 
sodaß dieser bedeutende Verstärkungen herbei 
ziehen konnte und nun selbst unvermutet zum An 
griff überging. An der Hand einer von dem 
Vorsitzenden Herrn General Eisen traut den 
Anwesenden in sehr dankenswerter Weise zur Ver 
fügung gestellten Übersichts-Skizze erörterte Herr 
Oberlehrer Grebe nun die Schlacht in allen ihren 
Wechselfällen dis zum Rückzug der Hessen über den 
Speyerbach und gab ein anschauliches, mit vielen 
Einzelheiten versehenes Schlachtgemälde. Am Schluß 
aber wies er auf die berühmte „Revanche für 
Speyerbach", die Schlacht bei Höchstädt. 1704, hin, 
wo Marschay Tallard von hessischen Leibdragonern 
gefangen genommen wurde und seinen Degen dem 
Erbprinzen Friedrich übergeben mußte, ein Sieges 
zeichen, das sich noch jetzt im Kasseler Museum 
und zwar im Unterstork der Gemäldegalerie be- 
sinlwt. Anknüpfend an den sehr beifällig auf 
genommenen Vortrag legte Herr SanitätSrat 
0r. Schwarzkopf ein nach seinen Angaben an 
gefertigtes Bild vor, das die Überreichung dieses bes 
rühmten Degens seitens des französischen Mar 
schalls an den hessischen Prinzen darstellt und in 
genauer Wiedergabe der Uniformen eine Anzahl 
hessischer Soldaten der verschiedenen Regimenter 
zeigt, deren Ausrüstung Herr vr. Schwarzkopf 
genau erläuterte. 
Maler F. Klingelhöfer. Zu dem in vori 
ger Nummer veröffentlichten Nekrolog des Kunst 
makers Fritz Klingelhöfer ist uns von einer dem 
Dahingeschiedenen nahestehenden Seite ein Nachtrag 
zugegangen, der zeigt, wie man in Freundeskreisen 
über ihn urteilt, wie hoch man ihn schätzt. Es wird 
darin zunächst ausgeführt, daß Klingelhöfer einen 
ausgesprochenen Widerwillen gegen das Beschicken 
von Kunstausstellungen gehabt und in so guten 
Verhältniffen gelebt habe. daß er nicht auf Geld 
verdienst angewiesen war. Unbemittelten, die mit 
Talent begabt gewesen seien, habe er unentgeltlich 
Unterricht erteilt. Dann heißt es weiter: „Er 
hatte überhaupt ein goldenes Herz! — Seine 
hessischen Bilder aus den letzten Jahren zeigten 
ein im höchsten Maße bewunderungswürdiges takt 
volles Eingehen aus die moderne Malweise. Ohne 
seine angestammte Düsseldorfer Technik zu ver» 
leugnen, erfaßte er die Vorzüge der pastosen Frei 
lichtdarstellung in vollendetster Weise. Gerade seine 
letzten Bilder (das in Gießen ausgestellte „Nordeck" 
ist längst nicht das letzte!) sind von hinreißender 
Naturwahrheit und edelstem Farbenschmelz. — 
Aber Klingelhöfer lebte nach wie vor höchst be 
scheiden und zurückgezogen. Er offenbarte sich nur 
wenigen Freunden. Männer wie Karl Bantzer in 
Dresden, Hans von Volkmann, Geh. Oberbaurat 
Schäfer in Karlsruhe und viele andere können sich 
nicht genug tun in seiner Anerkennung! — Klingel- 
höfer hat freilich eine Anzahl Bilder als „Mond- 
scheinbilder" . gemalt, aber seine Darstellung der 
sonnigen und glühenden Tropenlandschaften, seine 
farbenprächtigen, von tiefster Glut durchsättigten 
tropischen Sonnenuntergänge sind von packender 
Wirkung. Klingelhöfers Eigenart ist eine hoch- 
bedeptende, und die Stimmung seiner Bilder stets 
treffend und tief empfunden, wenn er auch „heroische 
Landschaften" nicht gemalt hat." 
Todesfall. Am 22. November starb im 
Elisabeth-Kloster zu Kassel EngelbertOtto 
Freiherr von Brackel im 74. Lebensjahre. 
Er gehörte einem alten westfälischen Adelsgeschlecht
	        

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