Full text: Hessenland (16.1902)

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Stricker unter das Löbl. Gilsaifd)e Regiment zum 
Soldaten weggenommen worden, daß mich nnnmehro 
aller meiner Gesellen entlediget sehe, wodurch aber 
ans Mangel des Betriebs nicht allein vor meine 
Person in einen sehr großen Schaden versetzet 
werde, sondern auch wenn die Glaßhütte nicht be 
trieben wird, der Gnädigsten Herrschaft davonfallende 
Pacht zurückbleibet. 
Es ergehet also diesem nach an Ew. Excell. re. 
meine gantz nnterth. Bitte Höchst-Dieselben ge 
ruhen gnäd. den Befehl an vorgedachte Regimenter 
ergehen zu lassen, daß mir meine mit Gewalt 
ausgenommene Gesellen und zumahl um so mehr 
wieder losgegeben werden möchte, weil es in denen 
Hessischen Landen gar sehr an Glaße fehlet, der- 
gestallt daß viele Häußer in Cassel und auf dem 
Lande, mit Fenster Scheiben nicht versehen werden 
können und solches nicht anders als mit vielen 
Kosten aus auswärtigen Ländern zu erhalten stehet. 
Der unter Getröstung gnädig. Erhörung re. 
Ew. :c. 
unterth. Knecht 
der Glaßmeister Fleckenstein.. 
Hieraus ist die nachstehende Erwiderung erfolgt: 
Gantz gehorsamer Bericht. 
Hoch fürstliches Heßisches Hochverordnedes Kriegs- 
Colegium haben unterm 8 t fep. an den Obrist 
von Haller rescribiret so aber Erst d. 5 t. Merz 
eingelaufen; fernern Bericht einzusänden wegen 
der Klage so der Klaßmeister Fleckenstein wegen 
anwerbung seines gesellens Nahmens Johan Adam 
Stricker unterth. eingegeben hat, vvrdersamst ab 
standen solle. Das aber gedachter Obrist in das 
Cordony Commandirt ist so sehr solches Erbracht, 
demnach berichten gehorsambst das dießer Recrut 
Stricker nicht mit Gewalt angeworben ist, sondern 
sich alß Soldat mit zweyjährlicher Capitelution 
guthwillig unterhalden laßen auch dießer Zeit 
willig außhalten will. Demnach ergehet meine 
gehorsamste bitte mir dießen Kerlen ganz gnäd. 
zu laßen. Wiehr haben die allerschürsfeste ordre 
von Serenissime erhalten und zwar bet) größt, 
andung und Ungnade Ende Februarii complet zu 
seyn. Keine außländer wollen bey uns Dienste 
nehmen und ist also fast ummöglich das wir unß 
completiren können, da dem corps noch gar vielle 
Lenthe fehlen, so ist leicht zu eracht was dießes 
die Regimenter in sorge und ampera setzt. Ich 
getroste mich demnach einer wilfährigen Resolution 
und bin in 
respect 
Einem zum hvchfürstl. Kriegs Oolegio 
Hochverordneter Herrn 
gehorsamer Diener 
Fiteil von Oilsa. 
Der Schriftwechsel des Generals Eitel von 
Gilsa vom letzten Jahre des siebenjährigen 
Krieges mit dem fürstlichen Kriegskolleginm spricht 
von schon damals bestandenen Borrechten mancher 
Industrien hinsichtlich der Befreiung vom Militär 
dienste. Bei der großen Schwierigkeit für die 
Truppen nach so vielen Kriegsjahren vollzählig 
ins Feld zu rücken, konnten diese behaupteten 
Vorrechte nicht so ganz beachtet werden, besonders 
wenn man bedenkt, daß einem Kapitän, dessen 
Kompagnie beim Verlassen der Winterquartiere 
nicht vollzählig war, mit „sofortiger Entlassung" 
entgegen getreten wurde. Jedenfalls aber gefällt 
das kampsessreudige wackere Benehmen der hessischen 
Jäger und Förster dem Herzen unseres Volkes 
besser, wie das Berufen auf Privilegien, wenn 
Not an den Mann geht. 
Römische Erinnerungen. 
Von Louis Katzen st ein. 
(Schluß.) 
3 ch gebe die Erzählung des beklagenswerten 
Mannes, soweit ich mich auf mein Gedächtnis 
verlassen kann, in seinen eigenen Worten wieder, 
welche schlicht und ohne alles Pathos waren, aber 
nichts kann den Eindruck schildern, den sie damals 
in der Mondnacht auf der Ruine machten. 
„Meinen Namen kennen Sie, ich bin in Schweden 
geboren und der Sohn einer wohlhabenden Kausmanns- 
familie. Ein um einige Jahre älterer Bruder 
und eine jüngere Schwester machten den Bestand 
unseres Hauses aus. Es war ein harmonisches 
Familienleben, und von den Eltern zärtlich geliebt 
verlebten wir eine so glückliche Kindheit, wie sie 
wohl nicht Vielen zu teil wird. Wir hatten die 
besten Lehrer und jede auskeimende Neigung, uns 
in irgend einem Fache weiter zu bilden, fand bei 
unseren Eltern bereitwillige Förderung. 
Wenn ich einem Portrait von mir, welches im 
großen Saale unseres Hauses hing, Glauben schenken 
darf, so muß ich ein bildschöner Knabe gewesen 
sein; es stellte mich in meinem zwölften Jahre dar. 
Das blühende Kindergesicht mit den blauenAugen 
rahmte eine Fülle von blonden Locken ein. Wenn 
ich bei Ausfahrten neben meiner Mutter im Wagen 
saß, in meinem eleganten Knabenkostüm, und wir 
von Bekannten begrüßt wurden, merkte ich wohl.
	        

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