Full text: Hessenland (16.1902)

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VICTOR FRANÇOIS DUC DE BROGLIE, des 
Heil. Römischen Reichs Fürst, Mareschal von Franck- 
reich, Ritter derer Königl. Orden, Gouverneur der 
Stadt und Schlosses Bethune, Commendant en 
Chef im Ober- und Rieder-Elsaß, auch Sr. Aller 
christlichsten Majestät Armée auf dem Ober-Rhein. 
Nachdem des Königs Dienst erfordert, alles das 
jenige zu vermeiden, was allenfalls die Unterthanen 
des Hessen-Landes mit denen feindlichen Trouppen 
vermengen fönte, und um denen Uebelgesinnten 
allen Vorwand und alle Art von Verstell- und 
Verkleidung zu benehmen, befehlen Wir hierdurch 
allen Beamten und Bürgermeistern derer Hessischen 
Lande, vor Ablauf des ersten Februarii künftigen 
Jahrs, alle Mondirungen von Soldaten, Reutern 
Dragonern, Husaren oder Jägern, welcher Art die 
auch seyn mögen, so die Unterthanen ihres Amts, 
Stadt oder Gerichts in Besitz haben mögen, in 
ihre sichere Gewahrsam liefern zu lassen, unter 
der Verwarnung, daß Sie selbst davor einstehen, 
und mit einer denen Umständen nach billigmüssigen 
Strafe belegt, die Unterthanen selbst aber, welche 
nach Verfliesung des Termins vom ersten Februarii 
des künftigen 1762 ten Jahrs Mondirungen ent 
weder selbst trügen, oder bey sich finden liefen, 
arrestirt und zu denen Eisen verurtheilt seyn sollen. 
Wir verbieten gleichermasen allen Jägern im 
Lande, andere als rothe Röcke, Camisöler und Hosen 
mit weisen Knöpfen von Metall zu tragen. bey 
gleichmässiger Strafe derer Uebertretter, nehmlich 
bei Strafe der Eisen vor den Jäger, so nach dem 
ersten Februarii sich grün gekleidet betretten lassen 
wird, und Bestrafung ihrer Herren und der Obrig 
keit des Orts, wo Sie sich befinden. 
Wir geben allen Generals und sonstigen Offieiers 
unserer unterhabenden Armée auf, die Befolgung 
dieser unserer Ordnung sich angelegen seyn zu 
lassen, die Regierung zu Cassel aber hat solche 
drucken, publioiren und ohne Aufschub affigiren 
zu lassen, dergestalten, daß dem Chevalier Dumny 
den loten des künftigen Monaths Januarii von 
der beschehenen Publication und Anschlagung in 
allen Hessischen Städten und Dörfern Nachricht 
gegeben werden könne. 
Gegeben zu Cassel, den 26ten Deeembris 1761. 
(L. 8.) Der Maréchal Duc de Broglie. 
Durch Ihr» Durchlaucht 
Des Forges. 
Diese Publikation wurde in deutscher und fran 
zösischer Sprache auf einem Blatt nebeneinander 
veröffentlicht. 
Von weiterem Interesse erscheint eine in da 
maliger Zeit bei dem landgräslichen Kriegs- 
kollegium eingereichte Beschwerde des Glasmeisters 
Fleckenstein zu Langenthal (Amt Carlshafen) über 
Anwerbung eines seiner Gesellen, sowie die in 
dieser Angelegenheit gepflogenen Verhandlungen. 
Das von dem Kriegs-Collegium 
„Dem Edlen, Best- und Mannhaftem, 
Unserm besonders Guten Freunde, Fürstl. 
Hessischen Obersten von der Infanterie 
Herrn N. N. von Haller. 
N= stehet beym Löbl. von Gilsa-Regmt. 
freo Rinteln" 
übersandte Schreiben hat folgenden Wortlaut: 
Edler, Best- und Mannhafter, 
besonders Guter Freund! 
Was bey Uns der Glaßmeister Fleckensteiu zu 
Langenthal wegen gewaltsamer Anwerbung seines 
Glaßmacher Gesellens. Nahmens Johann Adam 
Stricker, gegen das Löbl. Gilsaische Regiment be 
schwerend vorgestellet und zu verfügen gebeten, 
solches ergibt die abschriftliche Anlage des mehrern. 
Da Wir nun über sothane Anwerbung, des 
Löbl. Regiments Bericht und Verantwortung zu 
erfordern nöthig finden; 
So wolle der Herr Oberster solchen zu weiterer 
Verordnung sordersamst anhero einsenden, und Wir 
verbleiben demselben in dessen Versetzung frdl. zu 
dienen geneigt. 
Cassel, den 8 ten Febr. 1762. 
L. H. Kriegs-Collegium hierselbsteu. 
Engelhard. Schultz. Wildungeu. 
Schrumm. 
An den Obersten von Haller. 
Die in dem vorstehenden Schreiben angezogene 
Beschwerde ist wie folgt abgefaßt: 
Der Glaßmeister Jesaias Fleckenstein von Langenthal 
bittet unterth. 
at intus. 
Ps. Cassell den 4 ten Febr. 1762. 
Copia. 
Hochwohlgebohrne FreyHerren, 
Hochwohl- und Wohlgeborne rc. 
Ew. Excel!. rc. geruhen sich hierdurch unterth. 
vortragen zu laßen, wasmasen die Langenthaler 
vhnweit der Paderbornischen Grentze gelegenen 
Glaßhütte schon vor geraumer Zeit vom Hoch- 
Fürstl. Bergraths Collegium Contractmäsig über 
nommen, und mir auch in demselben die Freyheit 
meiner Arbeiter von Soldaten Ausnahmen gleich 
denen Berg-Leuten zugestanden worden. 
Da mir nun aber, bereits im vorigen Jahre 
einer meiner Glaßmacher-Gesellen Nahmens Joh. 
Gottfried Gunckell von dem Löbl. Prinz Carlischen 
Regiment und auch dermalsten in dem jetztlaufenden 
1762 ten Jahre ein zweyter Nahmens Job. Adam
	        

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