Full text: Hessenland (16.1902)

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Obiit 8. Augusti 1651 (Amalie Elisabeth Land 
gräfin von Hessen, Gräfin zu Hanau, geboren am 
29. Januar 1602, eine durch Pflichtgefühl, Treue 
und Standhaftigkeit ausgezeichnete Fürstin, starb 
nach dreizehnjähriger Vormundschaft und Regierung 
eines sanften Todes am 8. August 1651). 
(Schluß folgt.) 
—— 
Blätter zur Geschichte -es siebenjährigen Krieges. 
Von Felix Freiherrn von und zu Gilsa. 
LUm 23. Juli 1758 fand bei Sandershausen 
" unweit Kassel ein heftiges Gefecht zwischen 
einem unter dem Befehle des Herzogs von Broglio 
stehenden französischen Corps gegen eine erheblich 
schwächere Heeresabteilung des in landgräflich 
hessischen Diensten befindlichen Generals Prinzen 
Casimir Isenburg statt, wovon das vom hessischen 
Geschichtsverein 1892 errichtete Denkmal an Ort 
und Stelle Kunde giebt. Trotz großer Tapferkeit*) 
wurden die Hessen unter ihrem Führer geschlagen 
und zum Rückzug nach Münden gezwungen. Bis 
ganz zuletzt behauptete jedoch das löbliche hessische 
Jägercorps unter dem Major Treu sch von 
Buttlar**), welcher verwundet wurde, seine 
Stellung aus dem rechten Flügel des Prinzen 
Isenburg, mit seinem wohlgezielten Büchsenseuer 
verschiedene Angriffe der Franzosen zurückweisend 
und den Rückzug deckend. Das ganze Land er 
scholl vom Lobe der wackeren Grünröcke, und in 
der entstandenen patriotischen Aufregung, welche 
durch den kurz zuvor bei Crefeld stattgesundenen 
Sieg des Herzogs vou Braunschweig über die 
Franzosen noch erhöht wurde, verließen viele 
Förster Hessens in Privat- und Staatsdiensten 
ihre Stellen, um sich den kämpfenden Truppen 
freiwillig anzuschließen! Welchen Eindruck 
diese spontane Bewegung auf die Feinde machte 
und wie brav die Hessen sich geschlagen hatten, 
ersieht man aus dem vom Prinzen Soubise als 
General en dies erzwungenen Ausschreiben der 
fürstlich hessischen Regierung zu Kassel vom 
11. August 1758, welches lautet: 
Unsern günstigen Gruß und freundlichen Dienst 
zuvor, Edle und Veste, gute Freunde! 
Nachdem der über die in hießige Lande aber 
mahlen eingerückte Königl. Französische Armee das 
*) Vergl. Archenholz, Geschichte des siebenjähr. Krieges. 
Als einzelnes Beispiel der allgemeinen Tapferkeit sei an 
geführt: ein hessischer Jäger, dem drei Soldatendes Land 
regimentes Homberg geladene Büchsen zureichten, setzt an 
einer Eiche postiert mehr wie zwanzig Franzosen außer 
Gefecht, fällt dann und wird unter der Eiche begraben. 
Bd. 1. Neue Folge der Zeitschrift f. Hessische Geschichte. S. 374. 
**) Wilhelm Johann Friedrich, geboren den 21. Juli 
1723 zu Markershausen, gestorben als Hess. Kasselscher 
Oberjägermeister am 14. Januar 1797 zu Zwesten. (Stamm 
tafeln der althessischen Ritterschaft.) 
Commando führende Prince de Soubise bei) Uns 
die Anzeige gethan, was maßen denen Ihm zu 
gekommenen Nachrichten zufolge, nach der am 
23. nuperi ohnweit von hier bey Sandershausen 
vorgefallenen Bataille, verschiedene Försters und 
deren Bedienten und Bursche, auch Adcliche Jägers 
sich außer Landes ins Hannoverische begeben hätten, 
und bey dasigen Jäger-6oip8 Dienste thäten. Er 
aber solches keines Weges gestatten könne, noch 
darunter die geringste Nachsicht zu haben gemeynet 
sey, mit dem angefügten Begehren, solches gehörig 
zu publioiren, und zugleich mit dem sordersamsten 
besaut zu machen, daß die Ausgetrettene sich 
innerhalb denen nächsten IO Tagen, nach Ver 
kündigung dieses wieder in ihrem Heimath her 
stellen und deren keiner Mangel erscheinen lassen, 
widrigenfalls ihre eigenthümliche Häuser, Güther 
und Haabseligkeit mit militärischer Execution be 
legt, und besonders die Häuser abgerissen und dem 
Erdboden gleich gemacht, diesertwegen auch öfters 
Visitationes angestellet werden sotten: Alß haben 
Wir Euch solches zur weiteren Bekandtmachnng in 
Eurem Gericht, hierdurch ohnverhalten wollen, und 
werdet Ihr die bey Euch wvhnhaffte Förster und 
Jagd-Bedienten zu bedeuten wissen, daß Sie sich 
jederzeit ans ihrem Posten ruhig halten, und durch 
ihr Entfernung zu einigen Ungelegenheiten nicht 
selbst Anlaß geben mögen. Wormit Wir Euch 
übrigens günstig und frcmiblict) zu dienen geneigt 
verbleiben. 
Cassel den 11. Tag Aug. 1758. 
Fürst!. Hess. Regierung 
Hierselbst. 
Auch in den späteren Feldzügen zeigten sich 
die hessischen Jäger, deren Büchsen scharfen Knall 
die Franzosen nicht gut vertragen konnten, vor 
züglich tüchtig im sogenannten kleinen Krieg. In 
der Erinnerung an Sandershausen aber verbot 
noch im Jahre 1761 am 26. Dezember der 
Marschall von Broglio den Jägern und Förstern 
andere als rote Röcke „bei Eisenstrase" zu 
tragen. 
Es liegt darüber die nachfolgende Verfügung 
vor:
	        

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