Full text: Hessenland (16.1902)

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Deutschland bei Vermählungen, Geburten, Re 
gierungsantritten, Krönungen, Siegen, Jubiläen, 
Todesfällen u. a., die das Herrscherhaus eines 
Landes betrafen, geprägt worden sind. Auch in 
Hessen spiegeln sich alle diese geschichtlichen Er 
eignisse in zahlreichen Prägungen wieder, und es 
möge daher, um nicht zu weit zu gehen, im 
Folgenden nur eine Besprechung der hessischen 
Sterbe- oder Begräbnismünzen gegeben werden, 
und zwar unter Beschränkung auf diejenigen 
Stücke, welche zugleich einen bestimmten Nominal 
wert haben, d. h. also mit Ausschließung der so 
genannten Medaillen. 
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entstand 
in Hessen die Sitte, beim Tode des Landesherren, 
auch wohl beim Ableben der Landesmutter ge 
wissermaßen zum Zeichen der Landestrauer vorüber 
gehend von der sonst üblichen Münzfvrm abzu 
weichen, nämlich fast alle größeren und kleineren 
Gold- und Silbermünzen, die während des Trauer 
jahres geprägt wurden, mit einer auf den Todes 
fall bezugnehmenden Inschrift, oft auch im übrigen 
mit einem Denkgepräge zu versehen. Die ältesten 
Sterbemünzen Hessens beziehen sich ans den Tod 
Wilhelms IV. von Hessen-Kassel (1592) und 
auf den Ludwigs III. von Hessen-Marburg (1604). 
Bon ersteren kennen wir Dvppelthaler, Thaler 
und halbe Thaler, die außer Brustbild und Wappen 
die Umschriften Wilbelmus Dei Gratia Land- 
graviusHassiae Obiit Anno 1592 Die25Augusti 
Aetatis Suae 61 (Wilhelm von Gottes Gnaden 
Landgraf von Hessen starb am 25. August 1592 
im 61. Lebensjahr) aufweisen. Von Ludwig III. 
giebt es als Sterbemünzen nur Viertel-Thaler 
(Ortsthaler) mit dem Wappen und der Inschrift 
Luclovicus Dei Gratia Landgravius Hassiae, 
Conies In Cattimeliboco Obiit Anno Domini 
MDCIIII. Mense Octobris Die IX. Hora VII., 
Vixit Annos LXVII Menses IIII Dies XII 
Horas VI (Ludwig von Gottes Gnaden Landgraf 
von Hessen, Graf zu Katzenelnbogen starb im 
Jahre des Herrn 1604 am 9. Oktober 7 Uhr, 
lebte 67 Jahre 4 Monate 12 Tage 6 Stunden). 
Zahlreich sind die Sterbegepräge ans den Tod 
von Wilhelms IV. Sohn und Nachfolger Moritz 
(1632), der übrigens schon fünf Jahre vorher 
die Landesregierung seinem Sohn übertragen hatte; 
es giebt nämlich Doppeldukaten, Dukaten, Doppel 
thaler, Thaler, halbe, Viertel- und Achtel-Thaler. 
Das bei Moritz beliebte Gepräge, nämlich zwei 
gekreuzte Fahnen, darüber Palm- und Lorbeer 
zweige, darunter eine Glocke und eine Sanduhr, 
ist auch ans ihnen zu finden, aber die sonst zu 
den Seiten der Fahnen stehende Jahreszahl fehlt, 
„nachdem der Sand in der Sanduhr verronnen 
und das Glöcklein ausgeschlagen". In- und Um 
schrift lauten (bei den kleineren Nominalen etwas 
kürzer): Mauritius Dandgravhis Hassiae Deo 
Et Imperio Fidus Natus 25. Maii Anno 1572, 
Mortuus 15. Martii Anno 1632 Regnavit 
Annos 34 Menses 6 Dies 22, Vixit Annos 59 
Menses 10 Dies 10. Mauriti, Memento Mori 
Consilio Et Vir tute (Moritz Landgraf von Hessen. 
Gott und dem Reiche getreu, geboren am 25. Mai 
1572, gestorben am 15. Mürz 1632, regierte 
34 Jahre 6 Monate 22 Tage, lebte 59 Jahre 
10 Monate 10 Tage*). Gedenke, o Moritz, an 
den Tod mit Klugheit und Tapferkeit). Schon 
fünf Jahre darauf starb Wilhelm V. (1637) 
nach zehnjähriger Regierung, und die lange Reihe 
seiner zahlreichen Prägungen beschlossen als Sterbe 
münzen ganze, halbe, Viertel- und Achtel-Thaler. 
Sie alle zeigen das bekannte Symbol des Land 
grafen, den von der Sonne bestrahlten und vom 
Wind umstürmten Baum tn der Nähe einer Stadt 
mit der zugehörigen Umschrift Vno Volente 
Humilis Levabor (die Anfangsbuchstaben ergeben 
WHL, d. h. Wilhelmus Landgravius Hassiae); 
die Denkinschrift lautet Wilhelmus V. Dictus 
Constans, Hassiae Landgravius, Natus XIV. Fe- 
bruarii Anni MDCIL, Mortuus XXL Septembris 
Anni MDCXXXVII. Regnavit Annos X Men 
ses VI Dies VI, Vixit Annos 35 Menses VII 
Dies VII (Wilhelm V., genannt der Beständige, 
Landgraf von Hessen, geboren am 14. Februar 
1602, gestorben am 21. September 1637, regierte 
10 Jahre 6 Monate 6 Tage, lebte 35 Jahre 
7 Monate 7 Tage). Die Vormundschaft für den 
minderjährigen Nachfolger übernahm nun dessen 
Mutter, die verwitwete Landgrüfin Amalie 
Elisabeth, geborene Gräfin zu Hanau, und 
führte dreizehn Jahre lang die Regierung mit 
geradezu männlicher Festigkeit und weiser Umsicht, 
ohne jedoch dabei den weiblichen Charakter zu 
verleugnen. Als sie 1651, ein Jahr nach Über 
gabe der Regierung an ihren Sohn, starb, kam 
die allgemeine Verehrung, deren sie sich erfreut 
hatte, in zahlreichen Sterbemünzen zum Ausdrucke, 
Doppeldukaten, ganzen, halben, Viertel- und Achtel- 
Thalern. Die Prägung zeigt einen vom Winde 
bestürmten Felsen, auf dem sich ein von der Sonne 
beschienener Altar mit einem geflügelten Herzen 
befindet, und die Umschrift Wider Maebt Und 
List Mein Fels Gott Ist, ferner das Denkgeprüge 
Amelia Elisabetha Hassiae Landgravia,Hanoviae 
Comes, Nata 29. Januarii 1602 Princeps Pietate, 
Fide Ac Constantia Incluta Post 13 Annorum 
Tutelam Ac Regimen Gloriosum Placida Morte 
*) Richtig: 9 Monate 19 Tage.
	        

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