Full text: Hessenland (16.1902)

M 7. XVI. Jahrgang. -aff-l, 1. Zgnl I»«S. 
-I» dich. 
Der Abend dämmert, und mit leisem Rauschen 
Begrüßen ihn des Waldes Wipfel all. 
So komm' auch Du, mein Rind, und laß uns lauschen 
Dem Zauberliede der Frau Nachtigall! 
wer aber gab der Hellen vogelkehle 
Für dieses Liedes Ton die Allgewalt, 
So recht in Tins zu schmelzen Seel' und Seele, 
Wenn solchem Liede lauschen Nacht und Wald? 
Zwei Wesen sind, o Rind, wir einst gewesen, 
Doch wir vergaßen längst das Mein und Dein. 
Es hat der Bimmel gnädig uns erlesen, 
Nur Eins und ewig ungetrennt zu sein. 
Doch schweigt die Nachtigall, des Menschen Rehle 
Giebt Antwort dann, von Lieb' und Lust berauscht, 
Und Niemand trennt dann wieder Seel' und Seele, 
Mir sagend, welche singt und welche lauscht. 
Ich weiß nur Eins: Es giebt ja doch auf Erden 
Als höchstes Glück nur Liebesseligkeit; 
Drum will ich ganz in Dir begraben werden, 
So zu vergessen alles Menschenleid. 
wie,,. fl. Crabert. 
? ¥ ¥ 
Satanas. 
Nimm hin, sprach Gott zu Satanas, 
wonach Dein Sinnen stets gestanden . . 
Du wolltest Macht? Nimm sie und laß 
Dein Lanner weh'n ob allen Landen. 
Du wolltest herrschen? Bcrrjcb’ so weit, 
Als Menschen auf dem Erdball walten, 
Nur eine einz'ge Fähigkeit 
Sei Dir als Strafe vorenthalten. 
Dein Reich fei groß, als wie mein Reich, 
Doch Eines bleib' Dir unverschrieben, 
was Menschen macht mir selber gleich, 
Das ist — die Fähigkeit zu lieben. 
Richard Jordan (f). 
¥ ¥ ¥ 
Oed. 
Springt der Bub' zur Welt hinein 
Noch im Fliigelkleide, 
Bringt er schon der Mutter ein 
Beides, Glück und Leide. 
Streift die Maid ans Fingerlein 
Goldenes Geschmeide, 
Schließt ihr dieses Ringlein ein 
Beides, Glück und Leide. 
Deckt das sterbliche Gebein 
Linnen oder Seide —, 
Seide, Linnen hüllen ein 
Beides, Glück und Leide. 
Findest Du Dich endlich ein 
An des Lebens Scheide, 
Sinkt mit Dir zur Gruft hinein 
Leides, Glück und Leide. 
Dassel. Paul Heidelbach- 
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