Full text: Hessenland (16.1902)

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unten die allgemeine Losung. Gegenüber dem rat- und 
thatlosen Grimm der Schloßbewohner steht die frische That 
kraft des Fabrikherrn, vor allem der opferwillige Schaffens- 
eiser des Kassenarztes, der in elenden Hütten und vor 
nehmen Landhäusern den Krankheiten wehrt und mit dem 
Mikroskop ihre Erreger aufspürt, und dann die geschäftige 
Wühlarbeit des sozialdemokratischen Hetzers; dazwischen 
werden die Wünsche der verbitterten Hofbauern und kleinen 
Waldlente laut, die der Fabrik wie der Burg feindlich 
gegenüberstehen. In diesen Kampf alter und neuer Zeit 
wird als engere Romanhandlung das sich von Freundschaft 
zur Liebe entwickelnde Verhältnis des Arztes zur jugend 
lichen Schloßherrin hineingestellt, in dessen Verlauf der 
temperamentvolle Doktor aus einem selbstbewußten Herren 
menschen zu einem Manne der Pflicht sich herausbildet. 
Im ganzen hat Stratz mit seinem Odenwaldroman ein 
charakteristisches Bild ans dem modernen Kulturleben, 
von einem eigenartigen Weltwinkel ans gesehen, gezeichnet. 
Manches an der Fabel mag allzu romanhaft ansgesponnen, 
manches in der Charakteristik der Hauptpersonen flüchtig 
oder tendenziös sein, aber man muß es dem Verfasser 
lassen, er kennt seinen Odenwald: Natur und Menschen, 
Zustünde und Leben des Neckarberglandes sind mit 
dichterischer Wirklichkeitstreue abgeschildert. 
Worms a. Rh. Kart Merger. 
Heimatklänge aus deutschen Gauen. Aus 
gewählt van Oskar Dähnhardt. II. Aus 
Rebenflur und Waldesgruud. Mit Buchschmuck 
von Robert Engels. Leipzig (Druck und 
Verlag von B. G. Teubner) 1902. 
In einer sehr lesenswerten Einführung in die vorliegende 
Auswahl deutscher Dialektdichtungen giebt Dr. Dähnhardt 
eine treffende Charakteristik der deutschen Volksstämme 
selbst. Nachdem Norden und Süden eingehend charakterisiert 
sind, heißt es dann von dem weiten Gebiet Mitteldeutsch 
lands : „Auch hier ist Sprache und Volkstum vielgestaltig, 
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aber weniger rein und unvermischt. Ans heiteren Höhen 
und in lieblichen Gründen sitzt das freundliche, lebhafte 
und eifrig betriebsame Geschlecht der Thüringer; neben 
ihnen im rauheren Hessen die stattlichen Enkel der Katten, 
Männer mit ruhigem Ernst und redlicher Festigkeit." 
Leider aber ist aus dem Kattenland oder vielmehr dem ehe 
maligen Kurhessen nur ein Dichter und von diesem 
auch nur ein Beitrag in Prosa aufgenommen, es ist 
dies unser geschätzter Mitarbeiter Paul Weinmeister 
mit seiner Geschichte „Vum Mexter Briel", abgedruckt 
aus seinen „Marburger Geschichterchen", 2. Auflage, 1885. 
Ferner findet sich noch ein den Lesern des „Hessenland" 
wohlbekannter Name: Friedrich von Trais l„Dr 
Sommer eann dr Wearrera"). Die Ursache, ans welcher 
Kurhessen so spärlich vertreten ist, ist hauptsächlich wohl 
darin zu suchen, daß die meisten und auch viele der besten 
mundartlichen Gedichte in Zeitschriften und Zeitungen zer 
streut erschienen sind und nicht gesammelt vorliegen. Es 
würde deshalb ein jedenfalls vom heimatlichen Stand 
punkt ans sehr dankenswertes Unternehmen sein, wenn 
einer unserer Verlagsbuchhändler sich entschließen würde, 
die mundartlichen Gedichte von H. Herzog, H. Jonas, Agathe 
Koppen, H. Kranz, H. Naumann, K. Nutzn, I. H. Schwalm, 
F. Storck n. A. einzeln oder in einem Gesamtband heraus 
zugeben, sodaß bei Abfassung mundartlicher Werke, die 
gerade sich einer großen Verbreitung erfreuen, das alte 
Kattenland ferner ebenfalls mitsprechen kann. W. M. 
Zur Besprechung eingegangene Bücher: 
Biographische Charakterbilder. Eine Sammlung 
kleiner Schriften von Christian Wilhelm Strom 
berger f, Dr. phil. u. Dr. theol., Großherzogl. 
Hessischem Kirchenrat. Frankfurt a. M., Verlag von 
Heider & Zimmer, 1901. 
Immortellen von * * *. Dresden und Leipzig, 
E. Piersons Verlag, 1902. 
G u stav Adolf Müller. Gedichte. Kassel, Karl 
Vietor, Hofbuchhandlung, 1902. 
K* 
Personalien. 
Ernannt: Dr. Emil Haselhoff in Münster zum 
Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Mar 
burg ; wissenschaftlicher Hilfslehrer Emil Becker in 
Marburg zum Oberlehrer am Gymnasium daselbst. 
Vermählt: Privatdozent Dr. phil. Thiele mit 
Fräulein Frida Lncae (Marburg, März); Apotheker 
Karl Steinmetz mit Fräulein Helene Kortenbach 
(Marburg, 9. März); Spezialarzt Dr. med. Karl Lud- 
w ig niitFräulein Bertha Efferz (Biedenkopf, 15. März). 
Geboren: ein Sohn: Regierungspräsident Kammer 
herr von Trott zu Solz und Frau Eleonore, geb. 
von Schweinitz (Kassel. 18 März); Zahnarzt Scheele 
und Frau, geb. Müller (Kassel, 13. Atärz); Fabrikant 
Julius W e n tz e l l und Frau P a u l a , geb. Hoppe 
(Kassel, März); — eine Tochter: Zahnarzt Hachtmann 
und Frau (Marburg, März); Kaufmann Friedrich 
Krüger und Frau, geb. Kn et sch (Kassel, 8. März). 
Gestorben: Georg Sander, 39 Jahre alt (Karls 
hafen. 1. März); Oberpostsekretär Ernst Kümmel, 
54 Jahre alt (Kassel, 1. Mürz); Kanzleirat Heinrich 
Weckesser, 73 Jahre alt. (Kassel, 2. März); Amts 
gerichtsrat a. D. Joh. Konrad Dallwig, 79 Jahre 
alt (Felsberg, 2. März); Lehrerswittwe Gertrud El. 
Otto, geb. Schmidt, 76 Jahre alt (Kassel, 3. Mürz); 
Landwirtschaftlicher Kommissar a. D. Julius Clement, 
83 Jahre alt (Kassel, 3. März); Frau Geh. Justizrat 
Sophie Renner, geb. Rocholl, 60 Jahre alt (Kassel, 
4. März); Lehrer Albert Lindemann, 53 Jahre alt 
(Rothenditmold, 4. März); Fräulein Minna Herbold, 
(Rhoden bei Saarlouis, 5. März); Seminarlehrer Finken- 
Wirth (aus Homberg), 51 Jahre alt (Marburg); Lehrer 
a. D. Karl Kochs, 76 Jahre alt (Oberrosphe. 5. März); 
Schriftsteller Karl Münch (Berlin, 9. März); Frau Ober 
stabsarzt Dr. B ä u m l e r. 71 Jahre alt (Kassel, 10. März); 
verw. Frau Julie Schau in bürg, geb. Höh mann, 
72 Jahre alt (Kassel, 11. März); Frau Henriette Hallo, 
geb. Simon, 76 Jahre alt (Kassel, 11. März); Freifrau 
Dorette Schenck zu Schweinsberg, geb. Freiin Schenck 
zu Schweinsberg, (Niederofleiden, 11. März); cand. med. 
Lndwig Ostheim, 24 Jahre alt (Marburg, 13. Mürz). 
kriefkasten. 
A. B. in Darmstadt. Dankend erhalten. Bezüglich der 
gewünschten Bücher wird Herr Dr. 8ch. Ihnen Mit 
teilung machen. 
E. in Kassel, G. A. M. in München, A. Tr. in Wien, 
P. H. in Kassel, 8. E.- in Ravolzhausen. Besten Dank. 
P.T. in München. Einverstanden. Folgt im nächsten Heft. 
ZM" Mit dem heutigen Heft beschließt das „Hessenland" das I. Quartal des XVI. Jahr 
gangs. Wir bitten namentlich die verehrlichen Post-Abonnenten um rechtzeitige Neu Bestellung. 
Mit dem 1. April neu zugehenden Abonnenten können die Hefte 1—6 nachgeliefert werden. 
Probe-Hefte stehen jederzeit gern zur Verfügung. Der Uerlag des „Keslenland". 
Für die Redaktion verantwortlich: i. V. W. Bennecke in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kassel.
	        

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