Full text: Hessenland (16.1902)

83 
alle alten Befestigungen, Ringwälle, Wallburgen, 
Landwehren 311 inventarisieren, sie zu vermessen, ! 
zu zeichnen, zu durchforschen und zu beschreiben. ! 
Dann sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden, j 
wie es in andern Provinzen, besonders in Hannover 
und in der Provinz Sachsen, längst geschieht. 
Bei der schnellen Zerstörung der aus uns über 
kommenen Reste dieser alten Denkmäler duldet die 
Arbeit nicht länger den Aufschub. Sie erfordert 
viele Kräfte, viele Mittel. Die Provinz muß hier 
helfend eintreten, es müssen für die Zwecke der 
Altertumsforschung in Hessen dieselben Mittel aus 
gebracht werden, wie in andern Gebieten Deutsch 
lands. Besonders aber müssen die alten Denkmäler 
sorgfältig vor weiterer Zerstörung geschützt und 
muß die Liebe und der Sinn aller Bevölkerungs 
schichten für diese Altertümer geweckt und gefördert 
werden. 
Universitätsnachricht. Der außerordent- ! 
liehe Professor Dr. Robert Hnußner an der 
Universität zu Gießen hat den Ruf ans das | 
Ordinariat der Mathematik an der technischen Hoch 
schule in Karlsruhe angeuvmmeu. 
Erstaufführung. Am 5. März ging am 
Königlichen Theater in Kassel das fünsaktige Schau 
spiel „Die Kaiserin " von Josephine Gräfin 
zu Lein in gen-Westerburg zum ersten Male 
in Szene und fand eine sehr beifällige Aufnahme. 
Todesfälle. In Felsberg starb am 2. März 
der Amtsgerichtsrat a. D. Jvh. Kon rad Da llwig, 
eine weitbekannte und hochgeschätzte hessische Persön 
lichkeit. Derselbe war als Sohn des Pfarrers Dallwig 
in Zimmersrode am 8. Mai 1822 geboren. Bon 
1833 — 40 besuchte er das Gymnasium zu Hersfeld 
und studierte sodann in Marburg die Rechtswissen 
schaft. Er gehörte dein Corps „Guestphalia" an. 
Nachdem er bei den Justizämtern in Felsberg und 
Oberaula thätig gewesen, kam er 1852 als Auditeur 
nach Kassel, woselbst er sich verheiratete. Bon 1859 bis 
1867 war er Justizbeamter in Veckerhagen, alsdann 
Amtsrichter und Oberamtsrichter in Hersseld und 
Marburg. Als Amtsgerichtsrat feierte er am 4. De 
zember 1894 sein 50jühriges Dienstjubiläum, drei 
Jahre später trat er in den Ruhestand und kaufte 
sich in Felsberg an. 
In Berlin starb am 9. März der Schriftsteller 
Karl Münch. Derselbe war aus Kassel gebürtig, 
hatte sich der Bühne gewidmet und war als Dar 
steller, wie als Schwank- und Librettodichter thätig. 
Uber eines seiner letzten Opernbücher, „Der Heren- 
meister", ist im „Hessenland", Jahrgang 1900, 
Seite 299, eine eingehende Besprechung erschienen. 
Kogelberg. Über die Ruine Kogelberg 
bei Volkmarsen findet sich in Nr. 6 des Organs 
der Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen 
„Der Burgwart", Zeitschrift für Burgenkunde und 
mittelalterliche Baukunst, eine Notiz, nach welcher 
I die weiteren Herstellungsarbeiten für März in be 
stimmte Aussicht genommen sind. Der Bausonds 
ist inzwischen auf 1000 Mark angewachsen, woran 
Provinz und Kreis mit je 300 Mark beteiligt sind. 
Es lassen sich hiermit der Wehrturm, die Zwing 
mauer und der Keller so herstellen, daß einem 
weiteren Verfall Einhalt gethan ist. Besondere 
Erwähnung finden die Bemühungen des Herrn 
Bürgermeisters Heinrich von Germeten, welcher die 
ans den Mauern wuchernden Dorngestrüppe be 
seitigen ließ. Bekanntlich hat Herr Ingenieur- 
Ernst Happel in Kassel die Erhaltung der Ruine 
Kogelberg sich zur Ausgabe gemacht, wofür ihm 
alle Freunde unserer alten Burgen dankbar sind. 
Hessische Bücherschau 
Stratz, Rudolf. Die ewige Burg. Roman 
aus dem Odenwald. 4. Aufl. 356 S. 8". 
Stuttgart (Cotta) 1901. M. 3.— 
Aus Großstadt und Hochgebirge. Kulissenwelt und j 
Gletschereis ist Rudolf Stratz mit diesem Roman ans 
den heimatlich vertrauten Boden des Odenwaldes, ins j 
Neckarbergland, zurückgekehrt. Aber auch in dem scheinbar- 
weltverlorenen Winkel sieht das gesetlschaftskritische Auge 
des modernen Sittenschilderers nicht nur Idylle, eher ihre 
Kehrseite. Auch in diese stillen Waldgründe des ncckar- 
dnrchrauschten Odenwaldes will die neue Zeit mit ihren 
Kämpfen eindringen. Doch die neue Zeit, die neuen 
Gedanken und Bedürfnisse finden ein — altes Geschlecht. 
Dort droben auf der „ewigen Burg", die, ephennmrankt 
und halb schon morsch, doch dem Wetter noch trotzen 
möchte, Hausen die letzten, müden Sprößlinge des uralten 
Geschlechtes der Wodenstein, jeder in seiner Art verschieden 
vom anderen, und doch alle in romantische Träume nud 
unfruchtbare Erinnerungen versponnen. Thatlos dämmern 
sie dahin und wehren sich vergeblich gegen das Herein 
brechen des Neuen: drei verfallene Greise, die Oheime des 
jungen Burgherrn, der über Stammbanmstndien seine 
Pflichten versäumt und ungenützt die Zeit verrinnen läßt. 
Schon senden nuten vom Thäte her die Fabrikschlote 
ihren Oualm empor zu der waldumnachteten Burg, dem 
Siunbild einer versnnkeueu Zeit. Schon regt sich dort 
hämmernd das neue, bunte, vielgestaltige Leben. Auch 
in den Köpfen der Leute vom Thäte spuken alte Er 
innerungen. revolutionäre Gedanken aus dem „tollen 
Jahre" 1848/49, und verbinden sich verderbendrvhend mit 
den neuen sozialistischen Ideen. Doch Arbeit ist dort
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.