Full text: Hessenland (16.1902)

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Vorteil für die Entwickelung des Handels, der mit 
der Forderung der Münzthätigkeit in enger Be 
ziehung stand, war für Hessen der Umstand, daß 
es, im Herzen von Deutschland gelegen, sowohl 
mit dem regen Thüringen wie mit dem goldenen 
Mainz in Verbindung stand, welches letztere sich die 
„Metropole des Reichs" nennen konnte. Da gegen 
wärtig der Münzkunde ein weitgehendes Interesse 
entgegengebracht wird, war dieser Vortrag, obwohl 
er in längst vergangene Knltnrverhältnisse zurück 
führte, ein sehr zeitgemäßer. Herr Dr. Seelig 
verbreitete sich darauf über suldaische Wappen, wo 
bei er auch der suldaer Fürstbischöfe und der großen 
Verdienste gedachte, die sich dieselben um die Stadt 
erworben haben. Sodann ergriff Herr Di. Schwarz- 
kops das Wort, um über hiesige Bauten und 
Baudenkmäler zu sprechen, so wie über die daran 
verübten Versündigungen, wobei er namentlich 
der Zertrümmerung des Brinkbrunnens gedachte. 
Bei Schilderung der nunmehr in der Umgestaltung 
begriffenen „Tränkepsorte" wies der Herr Redner 
ans das Haus Nr. 2 hiu, welches fast 400 Jahre 
alt und nach der über dem Portale angebrachten 
Inschrift von Kaspar Lüttgendorf erbaut ist. In 
diesem 1010 errichteten Hanse befand sich ein 
flott gehender Kausmannsladen, in welchem die 
Bürger und wohl auch die Edelleute alles finden 
konnten, dessen sie benötigten. Nicht unerwähnt 
blieb, daß ein Hans Lüttgendorf ans der Reise 
zur Leipziger Messe zwischen Kassel und Witzen- 
hausen einen andern Bürger erschlagen hatte und 
flüchtig wurde, bis er gelegeutlich der Ver 
mählung des Landgrafen Moritz mit Agnes von 
Solms Begnadigung erhielt. Es geschah dies 1593, 
also bevor die Familie Lüttgendorf sich das bis 
jetzt noch vorhandene Haus in der Tränkepforte er 
baute. — Nachdem Herr Kanzleirat Ne über im 
Hinblick ans die in der Kasseler Bildergalerie be 
findlichen Gemälde von Jordaens und Steen das 
„Bohnensest" besprochen und Herr Breithaupt 
die Lage der Kasseler Sternwarte in Betrachtung 
gezogen hatte, machte Herr Direktor Henkel ein 
gehende Mitteilungen über die Familie von Donop, 
wozu der Umstand Veranlassung gab, daß ein Herr 
von Donop gegenwärtig in englischen Diensten in 
Süd-Afrika mehrfach genannt worden ist. Das 
Material zu der von Donop'schen Familiengeschichte 
war Herrn Direktor Henkel von den Ministerien 
zu Berlin, Stuttgart, London und Kopenhagen 
bereitwillig zur Verfügung gestellt worden*) 
*) Über die Familie von Donop vergl. „Hessenland" 
1892, Seite 247: „Die von Donop in hessischen Diensten" 
von Friedrich Henkel, sowie auch Jahrgang 1893, Seite 63, 
nnd Jahrgang 1899, Seite 179 u. 288 ff. 
In der Monatsversammtnng des Vereins für 
hessische Geschichte nnd Landeskunde zu Kassel am 
10. März d. I. hielt der Vorsitzende des Vereins, 
Herr Generalmajor z. D. Eisen traut, einen 
längeren Vortrag über „Neue Forschungen 
auf d e in Gebiet der Altertumskunde i u 
Hessen". 
Neben den bereits früher bei uns aus neo- 
lithischer Zeit bekannt gewordenen Grabstätten sind 
nun auch Spuren von Ansiedelungen aus jener 
alten Zeit in Hessen aufgefunden, nnd zwar durch 
Herrn Baron v. Gilsa bei Niedernrs und durch 
Herrn Von der an in den Schlackenwällen des 
Haimberges und des Schulzenberges bei Fulda. 
Hoffentlich werden sich diesen Funden noch mehr 
im Laufe der Zeit in Hessen anschließen. Der im 
letzten Jahrzehnt in Fulda aufgedeckte Pfahlbau 
ist nicht der neolithischen, sondern einer viel jüngeren 
Zeit zuzuschreiben. 
Von den in den letzten Jahren durchforschten 
Grabhügeln weisen mir die vom Jgelskippel bei 
Unterbimbach (Fulda) in die Bronzezeit, die von 
den Straßenhecken in derselben Gegend wie auch 
das zwischen Hausen nnd Weißen born geöffnete 
Grab in die Hallstadtzeit. 
Besser als Grabhügel gestatten uns Ansiedelungen 
nnd Wohnstätten Einblicke in die Kultur der prä 
historischen Zeit. Wohnstätten aus der La-Täne- 
Zeit sind in den letzten Jahren vielfach aufgedeckt, 
namentlich auch in Ringwällen. Hochinteressant 
sind die Ergebnisse der durch Herrn Dr. Böhlau 
nnd Herrn V o n d e r a u im letzten Jahre aus 
geführten Grabungen aus der Milseburg im Rhön 
gebirge. Am Abhang des Felsenberges hat man 
eine große Anzahl Wohnstätten gefunden, die der 
Anlage eines germanischen Dorfes angehören und 
in Beziehung standen zu den Ringwallbefestigungen 
des Berges. 
Eine Anzahl von den auf der Milseburg in 
großen Mengen gefundenen Eisen - Waffen und 
Geräten, von Thongefäß-Scherben, auch solcher von 
Graphit - Schmelztiegeln, dann Spinnwirtel und 
Armringe ans Gagat-Kohle lagen zur Ansicht ans. 
Das Dorf muß 200 Jahre vor und nach Christi 
Geburt besiedelt gewesen sein. Die Anlagen der 
Milseburg zeigen auffallende Ähnlichkeit mit denen 
des kleinen Gleichberges bei Römhild in Sachsen- 
Meiningen, wie auch mit den Ansiedelungen in 
den Ringwüllen im Taunus. 
Diese Entdeckungen regen an zur eifrigen Durch 
forschung aller in Hessen in großer Zahl vor 
handenen Ringwälle. Die seit zwei Jahren inner 
halb des Geschichtsvereins bestehende Kommission 
zur Erforschung alter Befestigungen in Hessen ist 
schon tüchtig bei der Arbeit. Es gilt zunächst.
	        

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