Full text: Hessenland (16.1902)

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Oie Roawena.) 
(Wetterauer Mundart.) 
Die Roawena, die Roawena, 
Oacht Ärterchen 2 ) eamm Himmilsdah 3 ) 
Met Leu vv ächtem Koarn eann Schruth, 
Met Marrerchen wäi Moarjeruth; 
Ds Groas se huuch, se stolz die Fricht, 
Zefrirre jeres Ohngesicht! 
Edorcher 4 ) mette schäißt die Lomm 5 * ), 
Däi giht bahl groad, bahl mächt se kromm 
Ennoabber 3 ) durch de Grond. Ds Doahl 
Gleazzert 7 ) eamm ihrschde Sonnestroahl; 
Eann dauß 8 * ) vhm Wahld schnhnd Moarjets sroi 
Do t)oitt °) dr Koihhort met de Koih. 
Die Roawena, die Roawena 
Treibt Hannelschast met allerla, 
Met Berschelin 73 ) eann Häusern Woar. n ) 
Die Suchihl 12 ), däi sein nach näit roar. 
— „Steinewaar kauf!" — Aha 
E Landsmann vo dr Roawena! 
Die Börner ,3 ) geawwe fresche Trunk 
Eann Rih eann Hoase gett's ") genungk 15 ). 
Die ahle Aichbehm deann eamm Wahld n ), 
Ze Nordecke ds Schloaß ds ahld, 
Däi könn verrzehn vom ahle Rächt, 
Bo Ritterschmann eann Lanzeknächt. 
Soldoare aus dr Roawena 
Vom Hessestamm eaß ahnerla, 
Brecht 18 ) auch ds Aage treu eann blo. 
„Die Roawenaer, däi sein do!" 
Riest se dr Kaiser moarrn eann haut 
's giht drofs luus, 's batt 2 ") alles naut. 
Die Roawena, die Roawena 
Zäikt 27 ) gähle Waas 22 ) eann doffdig Ha 
Se stolz wäi rouderimm e Grond. 
's gett 23 ) eann die Nieste, eann's Gebond, 
Eann vo de Äppilbehm dr Wein 
Eaß besser wäi vom Jwwerrhein 24 ). 
E Madche vo dr Roawena 
Hott Äjilcher 23 ) wäi Himmilsdah 
Eann Bäckilchern — ei, die Schwerntlth — 
Väil s ch i h n e r noach wäi Moarjerunth. 
Ach, schweit merr stell, aich weaß geua: 
's gett joa nur a h n Roawena. 
') Rabenau (Landschaft zwischen Gießen, Marburg und 
Grünberg gelegen); ") acht Örtchen; *) tut Himmelsthau; 
4 ) hindurch; 1 Lninda Wach); ") hinab; h glänzt; 
h draußen; ") hütet; '") Porzellan; ") Ware des Geschirrs 
von Hansen: '*) Blutigel; ,a ) Brunnen; ") giebt's; 
") genug; '") Eichbäume; ”) drinneit int Wald; ") bricht; 
") morgen und hetite; a ")..— hilft; "') zieht; ") gelber 
Weizen; "st es giebt; ") Überrhein; ") Äuglein. 
Gießen. 
Dr. von vrais (Dr. Möbius). 
Aus Heinrat und Fremde. 
Hessischer Geschichtsverein. In Mar 
burg hielt in der Sitzung des Hessischen Geschichts 
vereins am 21. Februar Herr Professor Schröder 
einen Vortrag über deutsche M ü u z u a m e n mit 
besonderer Rücksicht aus Hessen. Aus der umfassenden 
Behandlung des interessanten Gegenstandes ist das 
Nachfolgende hervorzuheben: Die Münzbezeichnuugen 
entstanden nur selten dadurch, daß sie von vornherein 
den Münzen mit aus den Weg gegeben wurden, zum 
größten Teil bildeten sie sich im Volksmunde und er 
hielten oft erst dann die amtliche Anerkennung, wenn 
das aus der Münze enthaltene Bild, das zur volks 
tümlichen Bezeichnung die Veranlassung gegeben 
hatte, längst einem andern gewichen war; wie dies 
z. B. beim „Kreuzer" geschah, der keine Spur des 
Kreuzes, von dem ihm einst der Name geworden, 
mehr zeigte. Herr Professor Schröder entwickelte 
sodann die Münzverhältnisse von der Zeit der alten 
Germanen bis zum Erscheinen der Thaler und be 
tonte bezüglich der hessischen Münzsorteu besonders 
die Zwischeustellung Hessens zwischen dem Rhein 
land und Sachsen, wobei die „Turnosen" und 
„Albus", die „Groschen" und „Böhmischen" an 
geführt wurden. Im Anschluß hieran wurde noch 
die Etymologie des Ausdritcks „Mise" für ein 
Zmeialbusstück besprochen, welches in Vilmars 
„Idiotikon" bei Erläuterung des Wortes „Weiß 
pfennig" glaubwürdig damit erklärt wird, daß der 
Toppelalbus der niedrigste Einsatz (mi86) bei dem 
unter Landgraf Friedrich II. bestehenden Lotto war. 
Ter am 2. März vom Hessischen Geschichtsvereiu 
in Kassel veranstaltete wissenschaftliche Unterhal 
tn ngsabeuo fand im kleinen Hanusch'schen Saale 
statt und wurde von Herrn Kanzleirat Neuber 
eröffnet. Ten ersten Vortrag hielt Herr Kanzleirat 
Keßler über „Münzstätten und Münzprivi 
legien in Hessen". Es kommen dabei hauptsächlich in 
Betracht Fulda, Helmarshausen und Eschwege, denen 
das Prägerecht von den Kaisern Otto I., Konrad II. 
und Friedrich I. verliehen wurde. Von großem
	        

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