Full text: Hessenland (16.1902)

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Fiorino (deutsch Gulden), ferner Giovan Rizo 
(richtiger Riso, Reis, dann Ritz), Stefano Rizo, 
Giovan Pisof (letzterer vielleicht nur italienisiert 
für Bischof). 
Nach den vorgelegten Plänen und Zeichnungen 
wollte Guernieri den ganzen Berg, zuerst Wind 
kasten, dann Winterkasten und daneben be 
reits in der Ausgabe von 1705 dem Landes 
herrn zu Ehren Karlsberg genannt, durch 
verschiedenartige Anlagen und Wasserkünste in 
einen Wunderberg umwandeln, die Wasser- 
künste mit Unterbrechungen (unter anderen 
durch einen italienischen Palast unterhalb der 
Kaskaden) zum Schloß fortführen, dieses 
neu bauen und davor ein Bassin zu einer großen 
Fontaine anlegen. Landgraf Karl war diesem 
großartigen und wegen der beinahe eine Stunde 
betragenden Entfernung zwischen dem fürstlichen 
und dem Riesenschlosse geradezu ungeheuerlichen 
Plane gar nicht abgeneigt, da ihm die von ihm 
selbst geschauten herrlichen Bauten und Wasser 
künste zu Tivoli und Frascati in der Nähe von 
Nom und zu Terni im Sabinerlande als Muster 
vorschwebten, näher beschrieben im Diarium 
Italicuni (S. 95, 155, 162 sg.), teils natürliche 
Wasserfälle der Flüsse, wie des Anio oder Teverone 
bei Tivoli (ca8catc u. cascatelle) und der Nera 
bei Terni, zwei Nebenflüsse der Tiber, teils reine 
Kunst-Anlagen, wie bei Frascati und Tivoli. 
Gleichwohl kam der Plan infolge der Kost 
spieligkeit, wie der baulichen und sonstigen 
Schwierigkeiten, z. B. daß Guernieri auch seine 
Neider und Feinde hatte, nur zum dritten 
Teile zur Ausführung. Der Landgraf bewilligte 
ungeheuere Summen, nach Rommel anfangs 
45 200 Gulden, später 91 564 Reichsthaler 
— Piderit nennt nur die letztere Summe — 
nebst der Beschaffung aller erforderlichen Bau 
materialien. Guernieri erhielt für seine Person 
eine jährliche Besoldung von 1500 Reichsthalern, 
30 Klafter Holz, freie Kost und Mietentschüdi- 
gnng *); nach anderen Mitteilungen, nach welchen 
das Werk binnen fünf Jahren fertig sein sollte, 
jährlich 3000 Reichsthaler, nebst anderen Douceurs, 
') Rommel a. a. O. S. 157; Piderit S. 277. 
Dos Verhältnis der verschiedenen Münzsorten zu ein- 
ander war zu den verschiedenen Zeiten verschieden, Nach 
Kopp, Hessisches Handbuch, Th. II. S. 503, galt in der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts 1 Thaler — 2 Gulden 
und mehr, das. Vorrede zu Th. II, S. 11 zu Ende des 
vorigen Jahrhunderts 14 Reichsthaler — 21 Gulden, 
also 1 Reichsthaler — 1 J /a Guiden. Für den Anfang 
des vorigen Jahrhunderts scheint es an einer genauen 
Vorschrift zu fehlen. Rach einer Archiv-Urkunde waren 
1450 Gulden — 960 2 s Thaler, also 1 Thaler — 1 ’/» Gulden. 
als freier Jagd. Fischerei und dergl. *) Obgleich 
die Sache mit großem Eifer angefaßt und außer 
den mitgebrachten Italienern noch, wie schon 
früher angegeben, Handwerker und Tagelöhner 
aus dem ganzen Hessenlande und darüber hinaus, 
auch Soldaten herangezogen wurden, hatte man 
nach einem Jahrzehnte (mit Guernieri als fest 
stehendem Leiter nach fünf Jahren) noch große 
Schwierigkeiten zu überwinden. Der Landgraf 
bewilligte nun, wie es in der Urkunde vom 
7. Januar 1710 im Archiv heißt, „zur weiteren 
Fortsetzung des Bauwesens auf'm Winterkasten 
bey Weißenstein vor dieses 1710te Jahr" 24 000 
Reichsthaler und verordnete, daß dazu genommen 
würden: 
1. aus den Richelsdorfer Berg- 
werks-Jntraden (Einnahmen) 4 500 Rthlr. 
2. aus dem Diccnt (Steuer) von 
Bier und Brühhahn . . . 2 000 „ 
3. aus dem bei Hose befindlichen 
Vorräte der englischen arre- 
rages (d. h. den Einnahmen 
aus dem Subsidien-Vertrage 
mit England im spanischen 
Erbfolgekriege, in welchem be 
kanntlich hessische Truppen mit 
Auszeichnung neben englischen 
fochten) 15 500 „ 
4) aus dem Frankenberger Berg 
werks-Überschuß 2 000 „ 
Summe 24 000 Rthlr. 
Davon erhielt Guernieri für Besoldung aus 
dem Vorräte zu 3. 1500 Thaler, mithin für 
seine Auslagen 22 500 Thaler. Die Besoldung 
von jährlich 1500 Thalern ist noch ausdrücklich 
bestätigt in Anweisung bezw. Quittung vom 
31. Dezember 1710 unter Bezugnahme ans 
Vereinbarung (chonformita dell achordo) vom 
1. Mürz 1708. Nach weiteren Anweisungen und 
Quittungen von demselben Tage bekam er für 
das Jahr 1710 den Betrag von 22 891 Thalern 
(also über 22 500 Thaler), da ihm noch ein Rest- 
Guthaben vom Jahre zuvor verblieben war, und 
außerdem 40 Thaler Jahres-Miete. 
In dem Buche: „Das Kurfürstentum Hessen 
in malerischen Ansichten" (Darmstadt 1850) ist 
ohne Quellen-Angabe Seite 68 fg. der jährliche 
Gehalt von Guernieri nur zu 1006 2 /s Thaler 
beziffert und sind außer der obigen Zahlungsstelle 
noch andere Kaffen genannt, z.B. Kammerschreiber- 
Kasse, Wolfsjagd-Kasse. Danach hat auch her 
') Uffenbach: Reisen nach Niedersachsen 11. s. w. (Frank 
furt u. Leipzig 1753) bei Beschreibung von Kassel S. 11.
	        

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