Full text: Hessenland (16.1902)

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Stadt Felsberg Einspruch erhob, wurde der Prä- 
sektur-Rat Wittich mit der Untersuchung der Ver 
hältnisse beauftragt. Nachdem dieser die ans den 
Gegenstand bezüglichen Akten und Urkunden, welche 
sich in den Archiven der Ober-Rentkammer und 
des Forstdepartements zu Kassel, sowie der Renterei 
und des Magistrats zu Felsberg vorgefunden 
hatten, zu Rate gezogen hatte, gab er sein Gut 
achten dahin ab, „daß dem Staate weder das 
alleinige noch ein Mit-Eigentum an dem Holze 
zustehe, daß dieses vielmehr eine Mark sei und 
als solche der Märkerschaft zu vollem und aus 
schließlichem Eigentum gehöre". 
Infolge dieses Gutachtens, das mit seinen reich 
lichen Belegen die Grundlage für das Urteil der 
königlich preußischen Generalkommission vom 
22. Mai 1872 bildet, ließ die königlich west 
fälische Regierung ihre Ansprüche fallen. 
Nichtsdestoweniger wurde in kurhessischer Zeit 
ein neuer Angriff gegen das Benerhvlz unter 
nommen. Während dieses bisher im Grundsteuer- 
Kataster auf den Namen der vier Gemeinden, die 
es auch zum vollen Betrage versteuerten, als 
Eigentum eingetragen war, wurde im Jahre 1843 
auf Beschluß des kurfürstlichen Oberstenerkollegiums 
zu Kassel in den Steuerkatastern der vier Ge 
meinden der Eintrag erwirkt, „daß an dieser 
Waldung der Staat das ausschließliche Eigen 
tum in Anspruch nehme". Da die staatlichen 
Behörden durch gütliche Vorstellungen nicht zur 
Zurücknahme dieses Eintrags bewogen werden 
konnten, wurde die Märkerschast im Jahre 1859 
bei dem Justizamt zu Felsberg gegen den Staat 
klagbar. Ans den Bericht des Obersorstkvlle- 
giums hin gab jedoch das kurfürstliche Finanz 
ministerium am 24. Mai 1859 den Bescheid, 
„daß das ausweislich der überreichten Akten 
hinsichtlich der Markwaldung bestehende Rechts- 
verhältnis ein Eigentum des Staates 
an den zur Mark gehörigen Wald teilen 
nicht erkennen lasse und ein solches auch im 
Wege Rechtens sich nicht werde zur gerichtlichen 
Anerkennung bringen lassen". Der verhängnis 
volle Eintrag in den Steuerkatastern wurde 
daraufhin gelöscht, und somit war auch dieser 
Angriff auf das Benerhvlz abgeschlagen. 
Aber noch einmal und hoffentlich zum letzten 
Male füllte die alte Markgenossenschaft ihre ver 
brieften Rechte verteidigen, und zwar gegen die 
neue Landesherrschaft, gegen den preußischen Staat, 
auf den 1866 die hessischen Lande übergegangen 
waren. Aber auch dieser im Jahre 1868 von 
der königlich preußischen Regierung zu Kassel gegen 
die Märkerschast angestrengte Prozeß wurde, wie Ein 
gangs erwähnt, in der Sitzung der königlichen 
Generalkommision zu Kassel vom 22. Mai 1872 
unter dem Vorsitze des Generalkommissarins 
Wilh elmy zu Gunsten der Märkerschaft entschieden. 
Das Endurteil, das diese Entscheidungsbehörde fällte, 
lautet in seinen Hauptpunkten: „Das Benerhvlz 
ist den Bürgern zu Felsberg und den Leuten zu 
Gensungen, Beuern und Helmshansen als eine 
Mark und damit zugleich als Eigentum 
verliehen. — Ter Staat hat von dem Vor 
behalte. den Wald für den Fall schlechter Be 
wirtschaftung wieder an sich zu ziehen, nicht Ge 
brauch gemacht, vielmehr die Märkerschaft in 
ihren alten Privilegien wiederholt bestätigt und 
ihr Eigentum wiederholt bis in die neueste Zeit 
hinein anerkannt. — Nur die Administration hat 
der Staat an sich gezogen, damit aber zugleich 
den Vorbehalt, den Wald selbst wieder an sich zu 
ziehen, ausgegeben. — Dem Eigentumsrecht ent 
sprechend, hat die Märkerschaft nicht bloß sämt 
liche Nutzungen des Waldes bezogen und sich da 
durch und durch ihre Mitwirkung bei der Ad 
ministration in dem Besitz erhalten, sondern auch 
alle Kulturkosten desselben getragen und die 
Steuern davon entrichtet." 
Nachdem somit auch die neue Landesregierung 
der Märkerschaft das Benerhvlz als rechtliches 
Eigentum zugesprochen hat, steht zu hoffen, daß, 
solange der preußische Wahrspruch Suum cuique 
zu Recht besteht, die Stadt Felsberg uiib die 
Gemeinden Gensungen, Beuern und Helmshausen 
in ungestörtem Besitze des Markwaldes Benerhvlz, 
dessen sie sich nun 542 Jahre erfreuen, bleiben 
werden. 
Heute ist der Felsberger Bürgermeister als 
Obermärker in glücklicherer Lage als sein Vor 
gänger ans dem Jahre 1680, der „mit nicht 
geringer Bestürzung" ersehen hatte, daß das 
Beuerhvlz deterioriert und verwüstet sei; heute 
kann der Obermärker mit Befriedigung und Stolz 
auf den vortrefflichen Zustand des Markwaldes 
— als eine Folge des einträchtigen Znsammen- 
wirkens der staatlichen Forftverwaltnng und des 
mürkerschastlichen Vorstandes — blicken. 
Die Leser werden es, denke ich, verstehen und 
verzeihen, wenn ich diesen kleinen Beitrag zur 
Geschichte eines hessischen Waldes mit dem Wunsche 
schließe, daß der gegenwärtige greise Ober 
märker, der nun eine lange Reihe von Jahren 
mit so großer Liebe und Hingebung für sein 
Beuerhvlz gesorgt hat, sich noch manches Jahr an 
dem poetischen Zauber des Waldes erfreuen möge.
	        

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