Full text: Hessenland (16.1902)

€r$te Lerche. 
Über der Miese am einsamen Hage 
Erster jauchzender Lerchenton — — 
„Flügel - getragene Sängerin, sage: 
Kündet Dein Lied den Frühling schon ? ? 
Ist er schon nahe, der Blütenbringer, 
Dem aus den Locken das Sonngold tropft. . . ?" 
„Ja, schon hat er mit tastendem Finger 
An die Pforte des Waldes geklopft . . . ! 
Heute taumelt er noch am Stabe 
Schlummertrunken einher und blind; 
Bald aber schenkt er Dir Wonne und Labe, 
Wenn ihm die Augen geöffnet sind! — 
Hörst Dn wohl rings das Regen und Raunen? 
Schmeckst Du die Süße der Lüfte nicht? 
Fühlt es Dein Herz mit Entzücken und Staunen, 
Wie schon von Wundern der Brunnquell spricht? ..." 
Lange noch seh' ich die Lerche fliegen, 
Bis sich im Blauen ihr Lied verlor: 
Höher und höher ist sic gestiegen, 
Hymnen zu singen am Himmelsthor. . . 
Ravolzhausen. §38(1)2 €lf3. 
¥ ¥ ? 
Jenseits der Liebe. 
Jenseits der Liebe fließt der Lethestrom, 
Der dunkle Strom, der mir Dein Bild nicht zeigt, 
Jenseits der Liebe liegt das stille Land, 
In dem die laute Sehnsucht endlich schweigt. 
Jenseits der Liebe wächst Eypreffennacht 
21ns stummen Gräbern, wohnt verblichner Schar. 
Das Schweigen lastet wie ein Marmorstein 
Auf dem, was einst voll Lust am Leben war. 
Jenseits der Liebe! Welch ein Wort der Rot! 
Jenseits der Liebe! Ach, mein Herz versteint! 
Dort sitzt auf einem schwarzen Thron der Tod, 
Der bleiche Schatten, der nicht lacht, noch weint. 
RegciiLburg. Clicresc Keiler Kellner. 
¥ ¥ ¥ 
Abschied von Marburg. 
Marburg, wir sah'n uns zum ersten Mal, 
Als Rauhreif die Zweige deckte, 
Als in der Sonne Frühmorgenstrahl 
Dein Bergschloß die Mauern reckte. 
Marburg, wir sah'n uns zum andern Mal, 
Als Frühling durchritt die Lande, 
Als mailufttrunken rauschte durchs Thal 
Der Lahnftronl im Silberbande. 
Marburg, und hör' ich zum letzten Mal 
Die fröhlichen Burschenlieder — 
Marburg, Dir gilt der letzte Pokal: 
Marburg, wann seh'n wir uns wieder? 
Marburg, ,902. M. KCttlei*.
	        

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