Full text: Hessenland (16.1902)

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Notdurft, aber das ist gerade das Charakteristische 
der Markgenossenschaften, daß sie eine Vereinigung 
bilden, lediglich zu dem Zwecke, ihre wirtschaft 
lichen Bedürfnisse aus den Erträgnissen 
der nngeteilten Mark zu decken (an Nicht- 
märker darf dem Wesen der Mark und der aus 
drücklichen Bestimmung der Urkunde nach kein 
Holz, welcher Art es auch sei, abgegeben werden). 
Ein weiteres entscheidendes Kriterium für das 
Eigentumsrecht der Gemeinden an dem ihnen ver 
liehenen Walde ist das folgende Moment. 
Nachdem der Landgraf durch die Worte . . „sie 
sollen die Holze getreulich hegen" Bestimmungen 
über die Erhaltung des Waldes getroffen hat, 
Bestimmungen, die beweisen, daß der Wald selbst 
den Märkern zum Besitz, zur Nutzung und Ver 
waltung und zur Verfügung übergeben worden ist, 
überträgt er durch die Worte . . „und was Unsere 
ehegenannten Bürger (zu Felsberg) einträchtiglich 
über(eiu)kommeu, um die Holze zu hegen oder zu 
ihrer Notdurft zu hauen, das sollen Unsere Burg 
mannen (zu Felsberg) und Landleute ehegenannt 
(zu Gensuugeu, Beuern und Helmshausen) gefällig 
sein und das also halten" den Bürgern oder viel 
mehr dem Bürgermeister und Rat der Stadt Fels 
berg das Markvorsteher- oder Obermärker-Amt, 
denn was sie über Hegung (Kultur) und Hauung 
des Waldes beschließen, das sollen die sämtlichen 
Märker als zu Rechte bestehend anerkennen. 
Der Landgraf entäußerte sich also der 
Obermür kerschast und übertrug dieselbe 
einer der markberechtigten Gemeinden 
(s. Maurer a. a. O. 8 57). 
Schließlich geht auch aus den landgräslichen 
Worten . . . „Wo sie das thäten . . ., so wollen 
Wir und mögen Uns des Holzes wieder nnter- 
winden" klar und deutlich hervor, daß wir es 
mit einer Schenkungsurkunde zu thun haben. 
Es bedarf zum Verständnisse der Urkunde noch 
der Erwähnung, daß die darin genannten Dörfer 
Heßlar und Melgershausen bereits vor dem 
17. Jahrhundert aus der Märkerschast dadurch 
ausgeschieden sind, daß ihnen ein bestimmter Teil 
des Beuerholzes zu ihrer alleinigen Benutzung 
überwiesen worden ist, und daß an Stelle des 
(Schluß 
<«-- 
untergegangenen Dorfes Sundheim das Torf 
Helmshausen getreten ist. 
Summa Summarum: Landgraf Heinrich der 
Eiserne hat durch seinen „Brief" vom Sonntage 
Misericordias Domini des Jahres 1360 das 
Beuerholz den Bürgern zu Felsberg und den Leuten 
zu Geusungen, Beueru und Helmshausen in Gestalt 
einer Mark als Eigentum verliehen, mit dem 
Recht eigener Verwaltung. 
Daß im Lause der fünfeinhalb Jahrhunderte, die 
seit dem Schenkungsjahre verflossen sind, manche 
Veränderungen in der Verfassung der Mark 
Beuerholz eingetreten sind, ist selbstverständlich, 
sind doch im Kampfe gegen die eine vollständige 
Territorial - Herrschaft anstrebende Landeshoheit 
viele Marken überhaupt eingegangen liub in das 
Eigentum des Laudesherru übergegangen. Vor 
diesem Geschick hat der unzweideutige Wortlaut 
der Schenkungsurkunde den Markwald Beuerholz 
bewahrt. Freilich sind Streitigkeiten mannigfacher 
Art sowohl mit nicht märkerschaftlichen Gemeinden 
als mit der herrschaftlichen Forstverwaltung nicht 
ausgeblieben. 
Aus einem landgräflichen Bescheide des Jahres 
1534 (unter der Regierung Philipps des Groß 
mütigen) geht hervor, daß, wie oben erwähnt, den 
Dorsfchaften Heßlar und Melgershausen ein Teil 
des Beuerholzes zugefallen ist. In diesem Teile 
sollen sie zwar das Recht haben zu pfänden, aber 
verpflichtet sein, die Pfänder an den Obermürker 
zu Felsberg abzuliefern. Im übrigen erkennt 
der Bescheid den vier Gemeinden das Recht des 
Eigentums, der Gerichtsbarkeit und der Verwaltung 
ohne Widerrede von neuem an. 
Unter der Regierung Landgraf Wilhelms 
(1567—1592) ist an Stelle des in der Schenkungs 
urkunde vorgesehenen Haserzinses (12 Malter — 
48 Viertel) die Geldabgabe des halben Forstes 
vom Brennholz (— 3 Albus) und des vollen Forst 
geldes von der Eichelmast getreten, während das 
Bauholz unentgeltlich verabfolgt werden sollte. 
Zwar hatten die Förster 1586 sich bemüht, auch 
das Bauholz mit Forstgeld zu belegen, aber Land 
graf Wilhelm hatte gnädiglich resolvieret, es solle 
beim Alten bleiben, 
folgt.) 
Römische Erinnerungen. 
Von Louis Katzen st ein. 
7Ius der Zeit meines römischen Aufenthaltes in 
den vierziger Jahren ist mir ein Erlebnis so leb 
haft im Gedächtnis geblieben, daß ich es heute, nach 
dem mehr als ein Menschenalter darüber hingegangen, 
mit voller Klarheit und Deutlichkeit vor die Seele 
rufen und gleichsam wieder erleben kann. 
Mehr als heute war Rom zu jener Zeit das 
Eldorado für Künstler, denn nicht nur die un-
	        

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