Full text: Hessenland (16.1902)

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tont an tag kamen. Wie auch die münche der 
welt gestorben and mit Christo ans ereutz geschlagen 
sind, gibt die erfarung, ßa niemants gar nahe 
weniger ereutz hatt, weniger den alten Adam 
dempffet and nidertruckt dann eben die münch, 
wilche sich ynn müssigang von andern leutte gütter 
nit anders dann die schweyn mesten and erneeren. 
Wann sie es hoch treyben, so müssen sie dennoch 
yhr weßen and leben menschensatzuug bleyben lassen. 
Das got hat müncherey ynn lehnen schrisften be- 
volen oder gepoten, ist öffentlich, das sie von 
menschen erfunden vnd errichtet sind. 
Nu wie hoch vnd fleyssig der Apostel dafür vns 
warnet, darnmb das die Menschensatzungen a) alletzeitt 
den glawben Unterdrücken, erscheynet 1. zu Timo. 4 
vnd 2. Pet. 2, wie denn auch die Propheten vnd 
der Herr Christus Matt. 15 darauff schildet also 
die gleyßner: Warumb vbertrettet yhr gottes ge- 
pott umb ewer ansfsetze willen, yhr Heuchler? Es 
hat wol Jsaias von euch weyssagt vnd gesprochen: 
Diß volck nehet sich zuo myr mit seynem mund 
vnd ehret mich mitt sehnen tippen, aber yhr Hertz 
ist weht von myr. Aber vergeblich dienen sie myr, 
dieweil sie leeren solche lere, die nichts den 
menschenleer vnnd gepott sind. 
Dißes, lieber Vater, hab ich dyr wollen antzeygen, 
meynen brüdern vnd andern meyn guotten freunden 
vnd günnern, damit sich niemant an meynem anß- 
gang (den ich, als ich hoff, mit gott vnd guottem 
gewissen gethan) ergeren^ müge. 
Wirt auch yemants sein. der diß meyn Unter- 
richtung nicht begnügig ist, erbiete ich mich alletzeytt 
(S. 13) Christlich vnd brüderlich yhn zu unterrichten. 
a) menschensatzung, b) ergere. 
Und nachdem ich byß anher von der armen 
schweyß vnd blut ynn müssigang mit meynen 
brüdern gelebt *), die aufs heutigen tag sich alßo 
neeren lassen vnd das Evangelium dennoch nit 
predigen, so doch der Apostel Paulus, wiewol er 
prediget, das brott nit wollt von yemants umbsonst 
nemen, sondern erbeit a) mitt seyn henden, das er 
niemants beschweret 2. Tessa. vlt. 
So bitt ich nu, lieber vatter, du wolst thun, 
als rechten eldern gezympt, vnd helssen, das ich 
eyn besser göttlicher leben vnnd staubt möcht an 
sangen. Itzt wil ich in dissem kortzen sendbrieff 
dich nit lenger ausstatten, sondern wollest gott 
bitten, das er von tag zu tagen mehr sein heylig 
lautier gotswortt ynn den hertzen der glewbigen 
lvider die teufselsleer eröffnen vnd durch sehnen 
gehst erwecken will. Gottes sryde^> stercke dir dehn 
glawben vnd geb uns allen reychlich erkentnis unßers 
Herrn Jhesn Christi. 
Meyne lieben muvtter wvlstn grüssen, der- 
gleychen meyn brüder^ vnd unßer ver- 
wanten ynn Christo dem Herrn, 
Wilchem sey Preiß vnd lob 
ynn ewickeytt. Amen. 
Geben zu Wittemberg aufs freytag nach 
Sanct Matthias^) im Jar. Tausent 
Funffhundert vnd Hiij. 
a) erbet, b) fryds. c) Im Original statt ü, ö meistens 
ein e über dem Vokal. 
ff Klostergel. 301. „Das heißt Gott und die Menschen 
verspotten, wenn sie also die Gelübde der Armut vor 
geben und doch — von anderer Leute sauerer Handarbeit, 
Blut und Schweiß im Sause leben und gleichwohl arme 
Brüder, arme Klöster, arme Convent im Mnnl haben." 
ff 24. Februar 1523. 
Das Beuerholz. 
Ein Beitrag zur Geschichte der 
Von Dr. 
0 " stlich vom Heiligenberg erstreckt sich in einer 
Größe von 2778 Kasseler Morgen das B euer - 
holz, auch Markwald geheißen, seit 1360 im 
Besitze der Stadt Felsberg, deren jeweiliger 
Bürgernieister Obermärker ist, sowie der Dörfer 
Gensnngen, Beuern und Helms hausen. 
Die Aussicht führt wie bei allen Privatwaldungen 
der Staat. Freilich hat dieser mehr als einmal 
versucht, dies Aussichtsrecht in ein Eigentumsrecht 
zu verwandeln, aber es ist den Markgenossen 
stets gelungen, die Angriffe aus ihr verbrieftes 
Eigentumsrecht abzuschlagen. Durch das ebenso 
hessischen Markgenossenschaften. 
F e n g e. 
umfangreiche wie gründliche und gelehrte Urteil, 
mit dem die Generalkommission zu Kassel am 
22. Mai 1872 den Prozeß des preußischen Fiskus 
gegen die Märkerschast entschieden hat, ist es uns 
möglich geworden, die Rechtsverhältnisse des Beuer- 
holzes von der Begründung der Mark bis in die 
neueste Zeit zu verfolgen. 
Am Sonntage Misericordias Domini des 
Jahres 1360 wurde die Markgenossenschaft Beuer 
holz gegründet durch die Schenkungsurkunde Land 
graf Heinrichs des Eisernen, die (in' heutiger Recht 
schreibung) also lautet:
	        

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