Full text: Hessenland (16.1902)

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theuren büchlin von der Christlichen freyheytt ^ 
weytter sehenn. Doch damitt yhr keynem menschen, 
wie groß der sey. ßondernn allein'" gotts wvrtt 
glewbt, ßo möget yhr die Epistel zun Römern, die 
ich euch hiemitt, kleyn gedruckt * 2 a) ), uberschicke, leßen, 
die das ynn allen orten tzwinget vnud dringet. 
Nun, das ist der weeg tzur selickeytt, den Gott 
geheyget hatt, vnnd ist kurtzumb keyn anderer, vnud 
wenn alle enget vom hymel vdder der Apostel 
Paulus ettwas anders prediget, sollt mau es dennocht 
nicht annehmen. Das bedeutt unßere taust, die 
eyn sigel ist der göttlichen zusagung vnd Versicherung, 
das Christus leben vud todt vnßer sey, wie der 
Apostel zun Römern am sechsten b) sagt. Wer nun 
den glawben ynn Christo hatt, der ist schon srum 
vnd kau durch keyn klostergelübd, kappen, platten, 
stryck odder gürttell oot. srümer werden, ßondern 
hat schon volkomlich alles durch seyn glawben. 
Was er aber ernach für guoter werck thutt, do müsse 
er. wissen, das sie yhm nichts zur selickeyt dienen; 
denn die rechtfertigung muß Christus vnd der glawb 
alleyn außrichten. Thut er aber guote werck, so 
thu ers nur darumb, das sie nütze werden seynem c) 
nehsten vnd [er] yhme also thu, wie yhm Christus 
gethan hat. Das seyn die wäre guotte werck vnd 
fruchte des glaubens, do S. Paulus Ro. 12., Gal 5 
von redet. 
(S. 10) Do wissen nu müuch vnud nonue, ßo bey 
vußern zeytteu seyn, wenig von zuv sagen, die das 
reyne wortt gottes uit hören wollen vud alle Evan 
gelische Prediger lßo sie uit nach yhrem gefallen 
yuu die küchen predigen) vertribeu, dieweyl dann 
zu besorgen ist, ya wol gantz vnd gar gewiß, das 
unter tausent München uit eyuer yns klvster gangen 
ist, der uit solichen wahn vnnd meynung gehabt 
hatt, das seyn leben ettwas bessers were dann ge- 
meyn Christlich leben, der uit das gesucht hatt, 
das er dadurch srum, gottgefellig vud selig würde, 
wie sie daun noch heutiges tages sagen öffentlich: 
Wann ich das nit hoffen sollt, was sollt ich dann 
ym kloster thun? So ist es yhe am tag, das 
yhr wesen ist von art vnd natur widder Christum, 
vnd ist ein gesencknis der gewissen ane alle gots- 
wvrtt; dann Christlich gewissen können initt keynem 
gesetz gebunden werden, dann alleyn durchs wortt gottis. 
Darumb, lieber vatter. ßo ich vermercket auß 
den schrifften (ßo bey unßeren zeytteu von kloster 
a) allem, b) sechten, e) seynen. 
') Von der Freiheit eines Christenmenschen. 1520. 
2 ) Diese Sonderausgabe des Römerbr. ist bei Panzer, 
Gesch. der Bibelübers. Luthers, nicht angeführt. Das 
läugere Citat von Röm. 3. 23—26. zeigt genau den Wort 
laut der Septemberbibel Luthers von 1522, mit einigen 
orthogr. Abweichungen, weil die Stelle wahrscheinlich aus 
dem Gedächtnis geschrieben ist. 
gelübden seyn außgaugen), das alle klostergelübd'" 
vnud müncherey von art vnnd natur widder das 
Evangelium vud Christum sey vnd schwerlich ane 
gotslesterung kunne gethait oder gehalten werden, 
ist meyn gewissen ynn dem öffentlichen gotswort 
gefangen vnd hab die klostersecten vnd -rotten ver 
lassen, dartzu dnnit mich beweget hatt dieße Ursachen. 
Erstlich, das ich weyß vnd meyn gewissen mich 
höchlich beschuldiget, das ich ynn eyneu'" solchen 
vnchristlichen c) wahn vnd meynung byn eyugangcn, 
als wer die trafst meyner taust nu auß. x ) 
Pbcr das hab ich gesehen, das der meyst Hauff 
(S. 11) der müuch noch ßo verblendet vnd gar 
vnd gantz »erstarret [ist], das sie das reyn Evan 
gelium ynn predigen uit leyden mögen, sondern 
das wortt gottis vnd die Evangelische warheytt 
verfolgen, lesteren, schenden, verspotten vnd die- 
selbigen Prediger veriagen mit tyranney vnd straffen, 
mit gesencknis vnd türnen. Darumb so all yhr 
heylyckeyt stehet aufs lautier linder-, vnd saßuacht- 
spiel, also das sie gar vn glawben sind vnd wollen 
mit yhren kappen vnd platten selig werden, lassen 
yhnen alle Welt gnuog zutragen, auß allen ortteu 
yhn dienen, noch helffen sie widerumb niemants, 
sondern leben vuter solchem heyligenscheyn ynn 
fressen, sausten, geytzen, neyden, hassen, huren vnd 
buoben vud ander erschreckliche lasier, das es nur 
iamer ist. Wie dann solchs weytter vud besser ym 
buch der klostergelübd ist abgemalet vnd die teg- 
liche erfarung gibt, das man yhr Phariseysche tyst 
vnud büberey wol greyffen möcht. Hab ich mich 
derhalben von yhnen abgewandt vnnd hoff uitt 
alleyn von dyr, sondern auch ynn meynem gewissen 
für Gott diß suruehmen zu vernutwortten. 
Darumb bitt ich durch Christum, lieber vatter, 
du wollest myr nu ynn eynen Christlichen staubt 
helffen, darynne ich sonst meyn leben gotlich vnd 
Christlich müge hynbrengen. Vnd wollest dich uit 
bewegen lassen, das meyn Profession ist geschehen 
ynn beywesen unßers gnedigisten surften vnnd Herrn 
Landtgraffen zu Hessen vatter löblicher gedechtnis^' 
verscheyden, vieler Ritterschafft vnd ander erbar 
leutt, als sollt dyr das nu houlich seyn. Es sind 
eytel menschliche gedaucken, die man ynn gottes 
fachen uit muß ansehen. 
Es darfst auff die zeytt der Gardian öffentlich 
(S. 12) auff der kantzel außruffen, er wolt mich 
gott opffern vnd mit dreyen negeln ans crentz 
schlagen. Was das für eyn opfferung gewest, ist 
nun verstanden, ßo der Münch falsch geystlicheyt 
a) klostergelübd, b) ehnem, c) —em, d) gedechuis. 
h Klostergelübde S. 87. „Sie wähnen, die Kraft der 
Gnade, der Taufe, sei durch die Sünde, so hernach gethan, 
zu nichte geworden."
	        

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