Full text: Hessenland (16.1902)

58 
««««««« 
(Ein Senöbries von Johannes Schwan 
an seinen Vater Daniel Schwan, Bürger zu Marburg. 
IVittenberg, den 2<\. Februar (525. 
Nach dem Originaldruck neu herausgegeben van Dr. Eduard Wintzer in Marburg. 
(Schluß.) 
Wer »u die grossen trefflichen werck gvttes ynn 
der Biblieu ansieht vnd yin gehst vnd glawben 
betrachtet, wie dann auch die sintflutt vnd anders 
Sauet Peter 2 Pet. 2. antzeyget, der verwundert 
sich des weniger, das er tausent iar ynn zorn 
seyn wortt vns verporgen hat; seyn kirchen lest 
Got der Herr nicht yrren. 
Aber sein kirche^ ist nichts anders denn die 
versamlung deryhenigen, die das reyn gottswortt 
haben, prediget treyben, recht an Christum glewben 
mit Hertzen, vnnd kurtz, wie ynn dem Buch Widder 
Catharinum der Doctor Luther klerlich gnug 
angetzeygt, das bißher keyner hatt kunnen antwortten. 
Es hat Gott wol ehr eyn solch groß werck ge 
than, darumb reden vnßer münd) darvon als die 
yrrigen, die Biblien nie gelesen, sondern yn yhrem 
Aristoteln vnd menschenleer veraldet. 
Zu Helios zeytten hat eyn solch mercklich volck, 
der ettlich hunderttansent waren, Priester, Phariseer, 
Saduceyer vnd das gantz volck geyrret vnnd sind 
nur sibentausent behalten, die nit angebet haben 
den abgott Baal, das auch der Apostel zun Römern 
am 11. antzeyget. Dann es schleust hie Sanct 
(S. 5) Paulus wortt nit anders, dann das er die- 
selbigen hystorien als eyn prophecie eynsnret, das 
eben ynn der kirchen auch alßo werde zugehen wie 
ynn der Synagogen; da die gleyssende larven am 
meysten vnd grösten seyn werden, do würd die 
kirch am wenigsten seyn. Kurtzumb, Moses, alle 
prophecey vermelden, der Herr Christus selbst vor 
Pylato hat gesagt, das seyn reych werde eyn geyst- 
lich reych sein ynn glawben vnd gehst. Darumb 
a) kirchen. 
') Catharinus Ambrosius, geb. 1487 zu Siena, f 1553 
zu Neapel, Dominikaner, zuletzt Erzbischof zu Conza, 
schrieb 1520 5 Bücher gegen Luther u d. T. Apologia 
pro veritate cath. et ap. fidei ac doctrinae adversus 
impia ac valde pestifera M. Lutheri dogmata Florent. 
1520, dem Kaiser Karl V. gewidmet, und Excusatio dis- 
putationis co. Lutherum ad univ. ecclesias. Flor. 1521. 
Letztere war die Antwort auf Luthers: Ad librum eximii 
magistri nostri, maasty A. C. defensoris Silv. Prie- 
ratis acerrimi Responsio M. L. Wittemb Mense Aprili 
in fine. Witt. 1521. 
nennet die sch risst die kirchen eyn verporgene brantt, 
dann eygentlich ist sie verporgen. 
Darumb, lieber vatter, das sie sagen, die kirche 
hab den Heyligen gehst vnd könne nicht yrren, vnd 
Got hab seyn kirchen entlich nie ßo lang verlassen, 
ist Ware. Es haben aber unser gleyßnerische mnnch 
nie verstanden, was kirche odder Evangelium sey, 
wie noch wol an dem mynistro Barfusserordens 
Sasgero *) erscheynt. der sich vnterstanden hatt, 
l). Mart. Luthers buch von klostergeltibden nydder- 
znlegen, so doch klar an seynem schreyben erscheynt, 
das er eyn vngelerter Papist ist, der ynn der 
sophisterey ersoffen, viel vngelerter ist, dann das 
er solt etwas tägliches können Widder ßo starcken 
grundt auffbringen, schweyge dann, das er wissen 
solt oder an tag bringen, was das Evangelium sey 
oder gesetz, glawb, gnad oder zusagung Christi eot. 
Darumb, wann die suppenbrüder mikt yhren 
argumenten kommen von allter^ gewonheyt, alltem''^ 
geprauch, ßo laß Dyr das klar gotswortt surlegen, 
oder glawb yhnen nicht. Würdest du aber des 
artickels halben weyter zweyffel oder Mangel haben, 
so wollest myr schreyben. erbiete ich mich des gnuog- 
snm zu unterrichten vnd alßo klar antzuzeygen, das 
auch vernunfft nit anders sagen muß, dann das 
wyr (S. 6) ynn vortzeytten iemerlich versuret sind. 
Inn dißer knrtzen schrifft, darynne ich dyr, als 
meynem lieben Vater, vrsach meynes furnemens hab 
wollen antzeygen, kan ich von demselben^ Artickel 
nit ßo volkomlich schreyben; wann dyr geliebt, er 
biete ich mich weytter Unterrichtung zu thun. 
a) allten, d) allteu, c) denselben. 
') Kaspar Schatzger, von Luther Schatzgeyr und thesauri- 
vorus genannt, Provinzial-Minister des Barfüßerordens, 
schrieb noch 1522 im Sommer eine Replica gegen Luthers 
Schrift De votis monasticis. Luther übertrug die Er 
widerung dem früheren Barfüßer D. theol. Jvh. Bris- 
manu und schrieb selber zu dessen Buch Ad <4. LcfiatL- 
geyri iVlinoritae plica» respon8io, Wittenberg 1523, 
eine Praefatio. Sasger antwortete auf diese auch 1523 
mit Examen novarum doctrinarum. Ulmae. Siehe 
Al. Luthers Werke. Kritische Gesammtausg. Weimar 1889. 
8. Band, S. 561 f.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.