Full text: Hessenland (16.1902)

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wurde? seiner „Albernheit und Erbärmlichkeit" 
wegen (Grotefeud) von einem hessischen Fürsten 
auch niemals geschrieben sein kann? Sollte 
der Herr Pfarrer nicht wissen, daß der angebliche 
Adressat unter den „hessischen Truppen" gar 
nicht existierte? und daß selbst Kapp dies 
Pamphlet als eine Fälschung bezeichnete, die als 
solche seiner Zeit sogar im preußischen Abgeordneten 
hanse eine Rolle spielte? Sollte er nicht wissen, 
was darüber Stamford in seiner hessischen Ge 
schichte (S. 406) sagt? Wenn er das alles wirklich 
nicht weiß, so empfehle ich ihm nachzulesen, was 
darüber unser seliger Grotefeud im „Hessenland" 
1895, S. 70 u. 71, sowie 1900, S. 96 u. 251 
schrieb, und was ich selbst darüber geschrieben habe 
in meinem „Soldatenhandel", S. 89. Und hat 
er das gelesen, so darf ich dies Kapitel wohl hier 
schließen mit Grotefends Urteil: „Der Durchschnitt 
der litterarischen Vertreter der Schmähungen ans 
Landgraf Friedrich und seine Hessen, hat sich 
so wenig über die Angelegenheit, über welche sie 
in maßgebender Weise mitreden wollen, unterrichtet, 
daß es ihnen entgangen ist, wie die alten Laden- 
hüter, die immer wieder vorgebracht werden, bei 
Kapp zum Teil längst schon widerlegt sind. . . . 
So schlecht ist es »och mit den studierten deutschen 
Litteraten der Gegenwart bestellt, wo bleiben da 
aber erst die weniger Gebildeten?" 
$a$cl)ina$$mik in Mweimsldai. 
Lange schon die Sonnenrosse 
Halten ihr ambrosisch Mahl, — 
Tiefe Ruhe herrscht im Schlosse 
Und im Park von Wilhelmsthal. 
Da beginnt ein heimlich Regen, 
Schrill die Fahne kreischt vom Dach, 
Und im schaurigen Bewegen 
Werden alte Geister wach. 
Dumpfes Durcheinanderwogen — 
Aus dem Walde naht cs schon — 
Mit der Freunde Schar gezogen 
Kommt Jerome Napoleon. 
In dein prächt'gen Schönheitssaale 
Reiht sich fröhlich Mann an Mann, 
Daß an einem Göttermahle 
Jeder sich erquicken kann. 
Da — die Speisen sind verschwunden, 
Und verschwunden ist der Wein, — 
Ihre Strafe ist gefunden. 
Konnt' nicht schreckensvoller sein. 
O b e r h o n e. 
Jetzt der König hebt den Becher 
Leer empor im Kerzenschein: 
„Auf, ihr nimmermüden Zecher, 
Wollen lustig, lustig sein!" 
„Lustig! Lustig!" hallt es wieder 
Aus der durstigen Zecher Reih'n - 
„Lustig! Luftig!" ans und nieder. 
Doch es fehlt die Lust, — der Wein! 
Hohle Augen — durst'ge Kehlen — 
Flaschen, Flaschen überall. 
Doch kein Tröpfchen will sich stehlen 
In den funkelnden Krystall. 
Die im Karneval des Lebens 
Endlos schlürften Zug ans Zug, 
Ach, sie jammern jetzt vergebens 
Nur nach einem vollen Krug. -- - 
Mitternacht — int Nu zerflossen 
Sind die Schemen, frei der Qual, — 
Und vom Mondlicht übergössen 
Still im Park ruht Wilhelmsthal. 
Renatus Rarl 
Von A u g. R e 
^ie Jahrhundertwende hat bei der Gießener Hoch- 
"schule das Andenken eines Mannes erneuert, 
dem sie dauernde Dankbarkeit schuldet. Renatus 
K a r l F r h r. v. S e n ck e n b e r g hatte testamentarisch 
seine Bibliothek, welche über 15 000 Bände, über 
900 Handschriften und eine Sammlung von Ur 
kunden umfaßte, der Ludoviciaua vermacht, ilnd 
diese Bestimmung trat mit dem 18. Oktober 1800, 
seinem Todestage, in Kraft. Ter Bestand der 
v. Senckenberg. 
lter, Marburg. 
akademischen Büchersammlnng wuchs damit um das 
Doppelte; Grund genug, daß die Nachfahren des 
hochherzigen Stifters sich erinnern. Es ist dies 
durch eine Festschrift der Universität geschehen, in 
welcher ihr Oberbibliothekar. Professor Hermau 
Haupt, den Lebensgang Seuckenbergs in höchst 
anziehender und lichtvoller Weise schildert.*) Es 
*) Renatus Karl Frhr. v. Senckenberg. (1751—1800.) 
Akit einem Porträt. Gießen 1900. 60 S. 4".
	        

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