Full text: Hessenland (16.1902)

M 1. 
XY1. Jahrgang. 
Kassel, 3. Januar 1902. 
Neujahr. 
Verhallend weh'n die Weihnad^tsglockcn. 
Hun zieht das neue 3ahr herein, 
.Huf seinen langen, dunklen Locken 
Liegt der Verhaftung Sternenfcbein. 
6s spricht: Du zitternd Menschenleben, 
Du Kerzenlicht in meiner Rand — 
0 wolle nicht so flackernd beben — 
Ich bin ein Bote — gottgesandt. 
Id) trage tief in meinem herzen 
Den Croft, die Liebe und das Glück. 
Wohl flammen taufend beifte Schmerzen 
Voll Glut Dir zu aus meinem Blick, 
\ Wohl ringen dunkle Sehnsuchtsfragen 
| in meiner Stimme mächt'gem Ruf, 
\ Wohl zittern drin die stummen Klagen, 
l Die Müdigkeit und Schwäche schuf 
\ ünd doch — wie selige Gesichte 
] Zeig' ich Dir Mut und Schöpferkraft. 
I Gewalt'ge Bilder und Gedichte, 
] Der Schönheit heil'ge Leidenschaft. 
I 0 beuge Du Dich meinem Grüfte! 
\ Geh’ mir entgegen frisch und warm — 
\ 6s ströme Dir aus meinem Kusse 
\ Mut in die Brust, Kraft in den Arm, 
Daft Du mit einem Zuhelworte 
ünd einer starken Bitte flehst — 
ünd an des Zanus dunkler Pforte 
Mit einem stolzen Lächeln stehst. 
Cb. Keiter=Kellner (M. Herbert). 
Regensburg.
	        

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