Full text: Hessenland (16.1902)

44 
weren, die das reyn wart gottes predigten and 
alleyn seyn ehre suchten; darnmb hatt die erd kein 
frucht bracht vnd sein eytel taube, nnnnntze gutte 
werck geweßen ane allen glawben. 
Derhalb muß man diße fachen nit also ansehen 
oder richten wie vnßer vngelerte, geystloße münche 
davon reden, wann sie alßo sagen: Ey, es ist 
vnmüglich, das Gott seyn kirchen ßo lange hett 
fallt lassen yrren; S. Bernhardsorden m) ist gantz 
allt, S. Angustinß orden ist ober tausent iar 
allt ect. Dann die vnnd dergleychen argumente^ 
muß man ynn gotts fachen nit ansehen, wie dann 
anst dieselbigeo) Doctor Mart. Luther ym buch 
von klvstergelnbden durch klar schrisft vnd vnverruckliche 
gründe gnngsam geanttwvrtt 
Göttis wercke lassen sich nicht durch vernunfft 
richten, ßonderen, yhe scherffer vnnd Heller die 
vernunfft ist, vnd yhe tieffer man den dingen mit 
in) S. Bernhard: orden, n) argumentm,o) dieselbige anff, 
menschlichen gedancken vnd liecht der vernunfft 
nachtrachtet, yhe weniger man sie trifft, wie der 
Apostel znn Corinthiern ain ersten Capitel weytter 
antzeyget. Darnmb kan niemants dieße fachen 
r erstehen, dann der sie ym glawben anficht vnd 
mit geystlichen angen. 
lS. 4) Alles, was Gott thutt, das muß alßo seyn, 
wie alle schrifft sagt, das es die vernunfft nerrisch 
dnnckt vnd yhe nicht begreysflich sey, wie er sagt: 
Als weyt der morgen von abent vnd der hymel 
von der erden ist, als weyt seynt meyne Wege von 
eweren wegen vnd meyne gedancken von ewern 
gedancken. 
Der Apostel z» den Corinthiern sagt klar: Der 
natürlich mensch vernympt nichts der dinge q) , die 
Gott angon, oder vom geyst gots. Er ist Gott 
vnd Herr alleyn, mit yhme kan niemants fechten, 
wie der Apostel zun Römern am 9. sagt. 
p) meyn, q) dingen. 
(Schluß folgt.) 
Das wilhelinshöher Riesenschloß und die Lserkulesstatue 
und ihre Erbauer. 
Bon C. Ne über, Kassel. 
(Schluß.) 
S elbst von Kriegsstürmen ist der Bau nicht ver 
schont geblieben, und es wird dies besonders 
aus dem siebenjährigen Kriege berichtet. 
In diesem standen bekanntlich die Landgrafen von 
Hessen-Kassel, erst Wilhelm VIII. und dann von 
1760 an sein Sohn Friedrich II., neben nur 
wenigen Fürsten des deutschen Reiches treu auf 
Seiteu des großen Königs Friedrich II. von Preußen, 
mußten dafür aber auch manche Unbilden er 
tragen, vor allem die Hauptstadt Kassel wieder 
holt längere Zeit in beit Händen der Franzosen 
lassen, insbesondere vom 31. Juli 1760 bis zum 
1. November 1762 trotz der zwei energischen 
Belagerungen seitens der Verbündeten, welche 
unter dem Oberbefehle des Herzogs Ferdinand 
von Braunschweig standen. In diesem über 
zwei Jahre andauernden Zeitraume fanden nntur- 
geinäß auch verschiedene Truppenbewegungen und 
Kämpfe in der Umgegend von Kassel statt, welche, 
soweit sie die Örtlichkeit von Weißenstein betreffen, 
auf Grund der Darstellung des wohlbekannten 
Militär-Schriftstellers Karl Reno u a r d (Haupt 
mann im kurhessischen Generalstabe bis 1851) 
in seinem ausführlichen Werke „Geschichte des 
Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen von 
1757—1763" und zwar im Band III (Kassel1864), 
welcher die Feldzüge der Jahre 1761 und 1762 
behandelt st, und auf Grund der im allgemeinen 
damit übereinstimmenden, in der Schloßbibliothek 
zu Wilhelmshöhe (die vor einigen Jahren nach 
Kassel gebracht und in der Landesbibliothek auf 
gestellt worden ist) vorgefundenen Auszeichnungen, 
freilich ohne Angabe des Gewährsmannes, hier 
mitgeteilt werden sollen. 
Herzog Ferdinand von Braunschweig war zu 
Ansang des Jahres 1761 bestrebt, gegenüber den 
Franzosen, welche ihren Besitz der Hauptstadt 
noch durch ein Lager zwischen dieser und Schloß 
Weißenstein verstärkt hatten, das letztere zu ge 
winnen, und sein Unterfeldherr Lord Granby 
besetzte deshalb den Ort Ehlen und schob von da 
aus Detachements — die Stärke wird nicht an 
gegeben — bis zum Schlosse Weißenstein und 
dem Wasserfalle (der Kaskade) — in den Auf 
zeichnungen heißt es „Jäger", während andere 
leichte Truppen bis Wahlershausen und Kirch 
ditmold vordrangen. Es war das am 12. Februar 
1761. In den Auszeichnungen heißt es weiter: 
„Am 14. brach ein Teil der in Kassel liegenden 
französischen Besatzung ans, die Verbündeten aus 
') Renouard, Bd. III. S. 75, 137, 412, 414 fg., 591 fg.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.