Full text: Hessenland (16.1902)

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Lin Senöbrief von Johannes Schwan 
an seinen Vater Daniel Schwan, Bürger zu Marburg. 
Wittenberg, den 24. Februar (525. 
Nach dem Originaldrnck neu herausgegeben van I)r. Eduard Wintzer in Marburg. 
Einleitung. 
Über die Familie, der Johann Schwan an 
gehörte, seine eigenen Erlebnisse, die besonderen 
Umstände, die die Abfassung seines Sendbriefes 
veranlaßten, giebt mein Aussatz im „Hessenland" 
Jahrgang XV, Nr. 20—24 nähere Auskunft. 
Auch ist dort S. 293 ausgeführt, aus welchen 
Gründen zu vermuten ist, daß der Brief nicht 
nur in Wittenberg geschrieben, sondern anch durch 
Johann selbst dort gedruckt ist. 
Nur eine Ausgabe dieses Sendbriefs ist bekannt 
und sehr wahrscheinlich auch veranstaltet worden?) 
Diese beschreibt sich folgendermaßen: 
(Titel:) Ein Seudbriff ,/ Johannis / Schwan 
dar / inne er anzeigt / auß der Bibel / vnd schryfft, 
Warumb er Bar / fusfer orden des er etwan ym / 
kloster zu Baßell gewest / verlassen. 
Zu Seiten dieses Titels, der nur die obere 
Hälfte der Seite einnimmt, sind zwei Randleisten. 
(Adresse ans S. 1 unmittelbar über dem Text:) 
Johannes Schwan, dem Ersamen Danieli/ Schwan, 
Burger zu Marpurg seynem / lieben vatter. 
(Datum am Ende auf S. 13:) Geben zu 
Wittembcrg aufs freytag nach / Sanet Matthias, 
Im Jar Tausent / Fünffhundert vnd XXIII. 
Ohne Angabe von Ort und Jahr des Druckes 
und ohne Nennung des Druckers. 
(Format ltitb Umfang der Druckschrift:) Quart, 
2 Bogen, bezeichnet mit A und B, einzelne Blätter 
unten rechts mit Aij, Anj, Bij, Bus. Auf 
der ersten Seite des ersten Blattes befindet sich 
der Titel, die zweite Seite des ersten und die 
zweite Seite des letzten Blattes sind leer. Der 
Text steht auf 13 Seiten, die wir im Text, je 
zu Anfang, numerieren. 
Nach Weller findet sich der Sendbrief in Zürich 
und Wolfenbüttel. Auch die Universitätsbibliothek 
zu Marburg hat ein Exemplar aus der Bibliothek 
Floß. 
*) Weller, die deutsche Litteratur im 1. Viertel des 
16. Jahrhunderts. Nördlingen 1864. S. 301 unter 
Nr. 2684. Der Sendbrief wird auch erwähnt in I. H. Zedler's 
llniversallexikon. Leipzig 1731—50 unter Schwan, Johann. 
Der am 24. Februar 1523 verfaßte Brief 
zeigt sich gewissermaßen als eine Nachahmung 
des Lutherschen Buches „1)6 votis monasticis“ 
oder der Übersetzung desselben von Justus Jonas 
„Urtheyl Martin Luthers von den Gelübden der 
Mönche und Nonnen" von 1521 und 1522. 
Beide Schriften haben die Widmung an den Vater 
und die Grüße an die Mutter. Während aber 
Luther dem Vater, der ihm feinen Eintritt ins 
Kloster verübelt hatte, nachweist, wie er gerade 
dadurch von Gott geschickt gemacht worden sei, 
die Reformation zu unternehmen, sucht Johann 
Schwan für seinen Austritt aus dem Kloster des 
Vaters Verzeihung und willige Zustimmung zu 
erlangen, indem er ihn überzeugen will, daß das 
Klosterwesen nicht mit der heiligen Schrift in 
Einklang zu bringen sei. Der eigentliche Zweck 
beider Schriften, der offenbar dadurch erreicht 
werden sollte, daß sie durch den Druck eine mög 
lichste Verbreitung erhielten, ist auch darin der 
gleiche, daß beide bestimmt sind, den vielen Leidens 
gefährten aus dem Mönchsstande den Übergang 
in den freien christlichen Stand vor ihrem Gewissen 
zu erleichtern. An manchen Stellen des Send 
briefs kann auf eine bisweilen wörtliche Über 
einstimmung mit Luthers Schrift hingewiesen 
werden. Unser Brief ist übrigens als solcher nur 
kurz gehalten, während Luthers Schrift ein Buch 
von ziemlich großem Umfange ist. 
Ein Neudruck dieses kurzen Sendbriefs möchte 
sich wohl deshalb empfehlen, weil man dadurch 
ein verhältnismäßig seltener veröffentlichtes Bei 
spiel kennen lernt, wie die Reformation bis ins 
Innere der Familien hinein ihre Kreise zog und 
nicht allein eine Sache der Theologen und der 
weltlichen Machthaber war. Als Schrift eines 
Hessen und Marburgers mag sie auch dessen 
heutigen Landsleuten erwünscht sein. 
Abgewichen vom Originaldruck ist in folgenden 
Fällen: 1) Die Interpunktion ist die jetzt übliche. 
2) Alle zusammengesetzten Wörter find nicht mehr- 
getrennt gedruckt wie der gleychen, gots lesterung. 
3) Druck- oder sonst den Sinn entstellende Fehler 
sind verbessert, aber neben Buchstaben unter dem
	        

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